Dunkle Kapitel voller Mut und Verzweiflung

GESCHICHTE Hans-Jürgen Grasemann diskutierte mit Schülern über Widerstand in DDR und Nazi-Deutschland

Auf dem Podium: Referent Hans-Jürgen Grasemann (Mitte) mit Lehrerin Susanne Baade (l.) und Schulsprecherin Esra Kaplan. (Foto: Hill)

Der seit wenigen Jahren im Ruhestand lebende Oberstaatsanwalt aus Braunschweig ist Vorsitzender des Trägervereins Politische Bildungsstätte Helmstedt - dort befand sich einst ein Grenzübergang zur DDR. Er engagiert sich im Zentralverband Demokratischer Widerstandskämpfer und Verfolgtenorganisationen.

Geschichtslehrerin Susanne Baade hatte ihn nach Wetzlar eingeladen, ermöglicht durch ein Zeitzeugenprogramm mit Unterstützung der Hessischen Staatskanzlei. Baade moderierte die Veranstaltung neben Grasemann und Schulsprecherin Esra Kaplan.

Grasemann, der seine Promotion über das DDR-Verfassungsrecht schrieb, erzählte lebendig und anschaulich über Widerstandsbewegungen während der Nazi-Diktatur, verglich diese im weiteren Verlauf aber auch mit dem Widerstand gegen das DDR-Regime. So thematisierte er zunächst die Geschwister Scholl und ihre Flugblattaktionen in München, die gescheiterten Attentatsversuche auf Hitler und seine Gefolgsleute.

Die Parallelen zwischen den Regimen

In manchen Punkten brachten die Geschichten der beiden Regimes Parallelen zu Tage, beispielsweise in der rigorosen Verfolgung von sogenannten "Verrätern". Grasemann berichtete beispielhaft von der schlimmen Situation in den Gefängnissen der DDR und über Verhöre, die Inhaftierte dort über sich ergehen lassen mussten. "Jahrzehnte später holt die Vergangenheit die Menschen ein, sodass sie auch im hohen Alter unter posttraumatischen Belastungsstörungen leiden, obwohl die Zeit im Zuchthaus schon viele Jahrzehnte zurückliegt", erzählte Grasemann. Eine Klasse von Abiturienten aus dem sächsischen Werdau wurde wegen Flugblattaktionen gegen das DDR-Regime zu insgesamt 130 Jahren Haft verurteilt. Einige dieser Menschen kennt Grasemann persönlich gut, ihre Berichte dienten ihm als Quellen für seine Vorträge.

Den Schülern wurde während der Veranstaltung Gelegenheit für Fragen und Diskussionen gegeben. Grasemann gab ihnen auch Tipps für Besuche historischer Gedenkstätten. So empfahl er den Besuch der Gedenkstätte "Deutscher Widerstand" in Berlin sowie des Universitätscampus in München, wo die Flugblätter der Weißen Rose ausgestellt sind. Darüber hinaus wurde ein Film gezeigt und der Mauerbau thematisiert.

Den Schülern gefiel der Vortrag: "Es waren mal ganz neue Perspektiven und Dinge zu hören, die wir aus dem Unterricht so nicht kannten. Außerdem war es auch lebendiger als sonst, man kann sich dadurch Zusammenhänge besser merken, weil es sehr interessant präsentiert wird", sagte Vanessa.

Ihre Mitschülerin Yvonne befand den Zeitzeugen-Vortrag als hilfreich für den Unterricht, weil die Geschichte so besser zu verstehen sei. Vorträge dieser Art bräuchten aber auch Zeit. Geschichtslehrerin Susanne Baade bestätigte diesen Wunsch: "Wir wollen das regelmäßig machen." (hil)


Die ganze Zeitung auf Smartphone oder Tablet: Testen Sie jetzt gratis unsere E-Paper-App.
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Kommentare (0)
Mehr aus Region Wetzlar