Ein Lkw voller Woolrec-Akten

GERICHT Erst im Spätsommer ist klar, ob es zum Prozess gegen die Köpfe kommt

Einen Lkw, aber ganz sicher nicht diesen, füllen die Gerichtsakten im Verfahren rund um die ehemalige Faserfirma Woolrec in Tiefenbach. (Symbolfoto: Gross)

Ursprünglich hieß es einmal, das Landgericht Gießen könne womöglich schon mit Ende des Frühjahrs entscheiden, ob es zum Prozess kommt oder nicht. Doch das ist ausgeschlossen. Was den Fall so aufwendig macht, ist sein Ausmaß. Es handele sich um eine "Lkw-Ladung Akten", die die Verteidiger von Gäth und Fritsch momentan für ihre Stellungnahmen durcharbeiteten, berichtete der Vizepräsident und Pressesprecher des Landgerichts Gießen, Patrick Liesching, auf Nachfrage dieser Zeitung. Drei Verteidiger hätten bereits umfangreiche Stellungnahmen zu den Anklagepunkten der Staatsanwaltschaft angekündigt. Bis Ende Mai haben sie noch Zeit, die Akten zu sichten, sagte Liesching.

Anschließend fahre der Akten-Lkw zurück nach Gießen, wo die Prüfung inklusive der abermaligen Sichtung Sache des Gerichts sei. "So dass nicht vor dem Spätsommer" mit der Entscheidung zu rechnen sei, ob der Prozess eröffnet wird, so Liesching. Beinahe zwei Jahre hatten Polizei und Staatsanwaltschaft gegen Gäth und Fritsch ermittelt. Ausgelöst durch die Anzeige eines besorgten Anwohners der Tiefenbacher Faserfirma Anfang 2012. Im Dezember dann erhob die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Anklage gegen den Gießener Professor für Abfallmanagement und in der Folge auch gegen Edwin Fritsch.

Vorgeworfen wird ihnen der unerlaubte Umgang mit Abfällen in mindestens 50 Fällen. Bei den 50 Fällen handelt es sich um Unbedenklichkeitsbescheinigungen, die der Abfall-Professor allmonatlich für das von Woolrec gefertigte Woolit ausgestellt hatte.

50 Fälle stehen für 50 Gutachten, die Woolit Unbedenklichkeit attestierten

55 Zeugen sind in der Anklageschrift aufgeführt, dazu viele Gutachten. Die Staatsanwaltschaft geht von besonders schweren Fällen aus, weil Gäth und Fritsch aus Gewinnsucht gehandelt hätten. Das Strafmaß dafür reicht von sechs Monaten bis zu zehn Jahren Haft.

Ob es sich um eine große oder eher kleine Lkw-Ladung Akten handelt, sagte Liesching übrigens nicht.


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Kommentare (3)
Herr Gäth hat in Anwesenheit von Herrn Witteck und anderen RP-Verantwortlichen beim Runden Tisch in Braunfels gesagt, bei Woolrec würde Dämmwolle verarbeitet wie es sie im Baumarkt gibt. Da bleibt einem doch die Spucke mehr
weg, oder?
Wollten Sie nicht auch schon immer krebserzeugende Fasern, die in ganz Deutschland seit 2000 verboten sind, Atomkraftwerksmüll und Schwermetall-Emaillemüll im Baumarkt kaufen?
10 Jahre Lügen, 10 Jahre Verarschung, 10 Jahre Giftmüll!
Wie sagt die Staatsanwaltschaft? Aus Gewinnsucht.
Und diejenigen im RP, die dies zugelassen haben? Wie leben die damit? Wie gut muss man eigene Schuld verdrängen können?
Wundert es jemand, dass wir Tiefenbacher immer noch eine Riesenwut im Bauch haben????
Wir Tiefenbacher haben zehn Jahre lang unter dem Giftmüll von Woolrec gelitten, da haben wir jetzt auch noch ein paar Monate Geduld. Hauptsache, die Schuldigen werden bestraft. Ich finde aber, es ist eine Schande und mehr
traurig, daß die Staatsanwälte gegen die Damen und Herrn im RP Gießen nicht mehr ermitteln. Das war letztes Jahr doch so schnell eingestellt worden, nachdem die Umweltministerin Hinz schon verkündet hatte, daß gegen die Mitarbeiter vom RP nicht mehr ermittelt wird. Aber irgendwann kommt alles heraus!
Besser es dauert noch und ist gründlich. Ganz gründlich. In diesem LKW voller Akten stecken sicher auch noch einige andere faule Eier drin. Und dann: Sanieren, und endlich mal ernsthaft schauen welche Schäden bei Mensch mehr
und Umwelt in Tiefenbach angerichtet wurden. Gerechte Strafe für die die das getan haben.
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