Gewitter sorgt für große Schäden

UNWETTER Scheune brennt ab / Blitz spaltet Kirchturmdach / Überflutung auf der A 45

Keller waren überflutet, die Feuerwehr musste pumpen. Wie hier in Hermannstein waren auch Unternehmen betroffen. (Foto: Heiland)

In Oberlemp schlug der Blitz ins Kirchturmdach ein, Ziegel flogen umher. Das Dach ist einsturzgefährdet. (Fotos: Pöllmitz)

Überflutete Garage in Waldsolms. (Foto: Feuerwehr)

Kein Durchkommen mehr am Morgen in der Wetzlarer Brühlsbachstraße: Städtische Arbeiter machten einen Durchlass frei, damit das Wasser abfließen konnte. (Foto: Rühl)

Vermutlich nach einem Blitzschlag fing diese Scheune in Greifenstein Feuer. (Foto: Sebastian Herr)

80 Feuerwehrleute löschten den Brand, die Scheune ist abbruchreif. (Foto: J. Fritsch)

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Unwetter sucht Mittelhessen heim

In der Leitstelle des Lahn-Dill-Kreises in Wetzlar gingen ab 6 Uhr am Morgen Dutzende Notrufe ein, vor allem aus Wetzlar, Aßlar und Solms, wie Vize-Kreisbrandinspektor Wolfgang Blicker berichtete. Feuerwehren rückten vor allem aus, um vollgelaufene Keller leer zu pumpen. Auch Unternehmen waren betroffen. Um Notrufe und Einsätze besser und schneller nach ihrer Dringlichkeit einstufen zu können, besetzten einige Feuerwehren zusätzlich die Funkstellen in ihren Gerätehäusern, so etwa in Wetzlar, Aßlar und Waldsolms. Ein Überblick über Schäden und Einsätze:

- In Greifenstein ging am Morgen eine Scheune in Flammen auf, in die nach Angaben der Polizei vermutlich der Blitz eingeschlagen hatte. Kurz nach sechs Uhr wurden die Feuerwehren alarmiert. Als sie eintrafen, stand die Scheune in der Ortsmitte komplett in Flammen, wie Vize-Gemeindebrandinspektor Björn Sattler berichtet.

Wasser auf der A 45-Brücke sorgt für Sperrung und Auto-Stau bis Ehringshausen

Die Feuerwehren aus Greifenstein und Beilstein erhielten Unterstützung durch die nachalarmierten Wehren aus Allendorf, Rodenberg, Rodenroth und Odersberg. Insgesamt waren etwa 80 Feuerwehrleute im Einsatz. Sie hatten nach ungefähr einer halben Stunde den Brand unter Kontrolle. Das benachbarte Wohnhaus konnten sie schützen.

In der Scheune verbrannte auch gelagertes Heu und Stroh. Tiere seien nicht in dem Gebäude gewesen, berichtete Sattler. Weil die Giebelwände nach dem Brand einsturzgefährdet waren, rückte das Technische Hilfswerk (THW) aus Dillenburg und Wetzlar mit schwerem Gerät an, um sie Stück für Stück abzutragen.

Menschen wurden bei dem Einsatz nicht verletzt. Über die Höhe des Sachschadens konnte die Polizei noch keine Angaben machen. - Auf der Autobahn 45 sorgte das Gewitter am Morgen zwischen 7 und 8 Uhr für Verkehrsbehinderungen. Auf der Lahntalbrücke bei Lahnau konnte das Abfluss-System die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, so dass nach kurzer Zeit die Fahrbahn unter Wasser gestanden habe, berichtete Polizeisprecher Guido Rehr. Die Brücke ist derzeit halbseitig gesperrt, weil sie erneuert wird. Wegen des Wassers musste eine der noch freien Fahrspuren gesperrt werden. Die Autobahnmeisterei spülte das Kanalsystem der Brücke, danach konnte das Wasser von der Fahrbahn ablaufen. Nach Angaben der Polizei staute sich derweil der Berufsverkehr in Richtung Süden zurück bis Ehringshausen.

- In Wetzlar sorgte Starkregen für Behinderungen und Überflutungen. Im Bereich von Bergstraße und Frankfurter Straße drückten die Wassermassen in der Kanalisation Gullydeckel nach oben. Für kurze Zeit stand an einigen Stellen das Wasser 20 Zentimeter hoch auf der Straße. "Wir sind einfach nur dankbar, dass es so wenig Schäden im Wald gegeben hat", sagt der Wetzlarer Revierförster Thomas George. "In zwei Stunden haben wir 46 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das ist so viel, wie es sonst im Sommer in einem ganzen Monat regnet. Die Regenüberlaufbecken in der Friedenstraße haben es nicht mehr geschafft und sind übergelaufen."

- In Waldsolms gab es Schäden durch Sturm und Regen: Zwischen Brandoberndorf und Hasselborn fegte eine Gewitterböe einen Baum um, dieser fiel auf die Kreisstraße. Die Strecke musste gesperrt werden, bis die Feuerwehr den Baum zersägt und weggeräumt hatte. In Kraftsolms und Griedelbach liefen Keller voll.

- In Albshausen legte ein Blitzschlag die Stromversorgung der Bahnschranke lahm, wie Vize-Kreisbrandinspektor Wolfgang Blicker berichtete. Die Schranke war über eine Stunde lang geschlossen, bis der Schaden behoben war.

- In Oberlemp schlug der Blitz ins Kirchturmdach ein und beschädigte es so schwer, dass es einsturzgefährdet ist. Die Feuerwehr war unter der Leitung von Aßlars Stadtbrandinspektor Michael Wagner vor Ort und suchte mittels Wärmebildkamera nach eventuellen Glutnestern. Die Ortsdurchfahrt wurde gesperrt, die Familie Rinker im Nachbarhaus musste ausziehen.

Zwischen 7.15 Uhr und 7.30 Uhr beobachtete Nachbar Peter Künz den Einschlag: "In Sekundenbruchteilen fuhr der Blitz den Kirchturm hinunter wie ein Finger durch eine Sahnetorte, dass die Ziegel nur so flogen." Ortsvorsteher Herbert Roßkothen sah den Einschlag vom Frühstückstisch aus: "Gleißend helles Licht und ein lauter Knall, und ich habe noch gedacht 'Die haben ja einen Blitzableiter'".

Kirchmeisterin Christina Rumpf verständigte Bauhof, Feuerwehr und Rentamt und rief einen Dachdecker, der sich einen ersten Eindruck verschaffen sollte. "Das Problem ist, dass über den Glocken ein Boden eingezogen ist, der erst geöffnet werden muss, um bis ganz in die Spitze zu gelangen", so Rumpf. "Ich bin seit 36 Jahren Küsterin, wir haben unsere Kirche damals beim Schwertransport behütet und es ist nichts passiert. Und jetzt schlägt der Blitz ein", sagt Annemarie Lipkowski.


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Kommentare (1)
Vom Schlossberg gleich weiter zum nächsten Einsatz nach Greifenstein. Hut ab liebes THW und danke für euere Bereitschaft.
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