Granteln über Deutschland

KABARETT Urban Priols Jahresrückblick unterhält rund 1000 Besucher

Das Publikum hatte erkennbar Spaß an den Ausführungen des Kabarettisten. (Foto: Rühl)

Wort- und gestenreich macht Priol klar, was er meint. (Foto: Rühl)

Das Weizenbier gehört ebenso zu den Markenzeichen Priols wie die Frisur und bunte Hemden. (Foto: Rühl)

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Die Stadthalle war mit rund 1000 Besuchern ausverkauft, als der gebürtige Aschaffenburger schonungslos das gesellschaftliche und politische Leben durch den Kakao zog.

Drei Stunden schimpfte er am Freitagabend auf die Politik, in Bayern, Deutschland oder Europa. Doch auch die USA, Nordkorea oder China bekamen ihr Fett weg. Der satirische Jahresrückblick erzeugte Lacher und viel Applaus, hin und wieder Kopfschütteln und auch -nicken.

"Ich habe mir das Programm im Fernsehen angeschaut", so ein Besucher, "denn ich wollte wissen, was auf mich zukommt." Doch die 60-Minuten-Version im ZDF war nur ein Ausschnitt.

Priol begann einige Minuten nach 20 Uhr, denn er habe erst noch die Nachrichten geschaut, um zu wissen, ob er sein Programm aktualisieren müsse. Natürlich kamen die Parteitreffen der letzten Tage in seiner Kritik vor. Und natürlich blieb das Thema Flüchtlinge nicht aus. Der Präsident der EU-Kommission, Junker, habe noch im Frühjahr mit Bundeskanzlerin Merkel darüber gesprochen, dass Europa eine Obergrenze für Flüchtlinge braucht. Merkel habe abgewunken. Zehn Jahre lang habe sie es versäumt, ein Einwanderungsgesetz in den Bundestag zu bringen.

Priol regte sich auch über Eurogruppenchef Dijsselbloem auf. Die Niederlande seien das europäische Land mit den größten Steuerflüchtlingsfirmen. Weil beispielsweise IKEA seinen offiziellen Sitz in Holland habe, zahle das Unternehmern trotz vier Milliarden Euro Umsatz nur 50 000 Euro Steuern. "Die Holländer nehmen es mit den Flüchtlingen leicht. Die haben schon viele Steuerflüchtlinge", so der Kabarettist.

Die Skandale bei VW, DFB und FIFA waren ebenso sein Thema wie die Bundeswehr und Minister de Maizière

Jeden Montag werde über Pegida-Treffen berichtet. "Warum wird nicht über die Menschen berichtet, die den Flüchtlingen helfen?", fragte Priol, erregte sich über "besorgte Bürger". Dies sei sein persönliches Wort 2015. In breitem Sächsisch sagte er, wenn das so weitergehe, gebe es bald in und um Dresden kaum noch jemanden, der Deutsch spreche.

Die misslungene Olympiabewerbung Hamburgs, der VW-Skandal, der DFB und die FIFA, alle kamen in seinem Rückblick vor, auch Finanzminister Wolfgang Schäuble und die Griechenland-Krise. Priol machte sich lustig über die Ausrüstung der Bundeswehr: Wenn Deutschland seine nicht funktionierenden Gewehre und Flugzeuge in Konfliktzonen an beiden Seiten liefere, sei dies ein Beitrag zur Friedenssicherung.

Nicht nur CDU und CSU nahm er aufs Korn, auch SPD, Linke, die Grünen und die AFD hatten angesichts der bissigen Worte nichts zu lachen. An Innenminister Thomas de Maizière biss sich der Kabarettist besonders fest. Der habe Afghanistan zum sicheren Herkunftsland erklärt. Auch habe er den Nachzug von Frauen und Kindern aus Syrien stoppen wollen. Damit setze er die Menschen den Schleppern aus, fördere die CDU, was sie im Bundestag abgelehnt habe: aktive Sterbehilfe.

Zum Schluss war nochmals die Kanzlerin dran: Das ZDF habe einen Film über Angela Merkel gezeigt. Deren Rolle spielte Iris Berben als hartherzige Kanzlerin. Als ihr ein Schild auf den Kopf fällt, wacht sie im Krankenhaus auf und ist plötzlich menschlich und gütig. "Seitdem suche ich nach dem Schild, das unserer echten Kanzlerin auf den Kopf gefallen ist." Um die Kurve zum "Positiven" zu bekommen, berichtete Priol, die EU-Kommission sei besorgt, dass überall in Europa neue Grenzzäune gezogen werden. Sie habe sich dafür ausgesprochen, dass sie eine einheitliche Höhe haben.

Priol verabschiedete sich mit den Worten "2016 wird sicher genauso bescheuert wie 2015. Machen wir das Beste daraus." Angesichts der Resonanz des Publikums steht schon jetzt fest, dass der bayerische Kabarettist am 7. Januar 2017 wiederkommt.


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