Heimat erFAHREN: Nichts für schwache Waden

HEIMAT ERFAHREN Serie bietet Radtouren mit Erlebnischarakter - Teil 4: Greifenstein

Greifenstein und seine Ortsteile sind bergig. Mit jedem Meter Höhengewinn ändert sich daher auch die Aussicht, wie hier auf Holzhausen.

Der privat angelegte, aber für jedermann befahrbare Radweg von Manfred Köhnlein ist ein wenig schwierig zu finden, aber prima zu fahren. Lediglich Fußgänger sind - das Schild beweist es - nicht erwünscht.

Heimat erfahren: Greifenstein (Grafik: Steinhaus)

Und hierher führt die Route: Nach Greifenstein mit der alles überthronenden Burg aus dem 13. Jahrhundert.

Der "Fantasie-Fisch" ist eines der größeren Stücke - und das wohl imposanteste - im Skulpturengarten von Siegfried Fietz bei Allendorf. Er liegt nur ein paar Schritte vom Ulmtalradweg entfernt.

Ein Traum von einem Radweg: Weil der Ulmtalradweg der ehemaligen Bahntrasse folgt, verläuft er oft in Dammlage oder auf Viadukten, wie hier bei Allendorf. Das ermöglicht tolle Aussichten ins Tal. (Fotos: Reeber)

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Greifenstein erFAHREN

Das ist nichts für schwache Waden: Wer Greifenstein mit dem Rad erfahren will, der muss strampeln - es gibt keine sanfte Abkürzung. Am Ende der Tour durch den östlichen Teil der Gemeinde hat das Navigationsgerät 509 erstrampelte Höhenmeter erfasst. Die Beine und der Po brauchen kein GPS, um zu wissen: Das kommt hin.

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Doch der Reihe nach: Zum Einstieg in das Beine-Po-Training Greifenstein empfiehlt sich ein Bahnhof im Tal, zum Beispiel in Stockhausen - der Anreise wegen. Hier geht es erst einmal gemächlich bis Biskirchen, wo der Weg sich ins Ulmtal wendet. Als offizielle Radroute ausgeschildert ist die Landstraße Richtung Allendorf, doch die ist wegen des starken Verkehrs nur etwas für Fahrer ohne Angst und mit Großstadterfahrung. Allen anderen rät Peter Fuess, Kreisvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), zur Alternative: Dem Privatradweg.

Hintergrund: Die Trasse der ehemaligen Ulmtalbahn soll nach Wunsch vieler Radler von Beilstein bis Biskirchen zum Radweg werden. Die Gemeinde Greifenstein arbeitet mit Hochdruck daran, nur in Leun tut sich gar nichts. Daher ist mit dem wunderbaren Ulmtalradweg an der Grenze von Greifenstein zu Leun Schluss, Radler werden von hier auf die oben erwähnte Landstraße geleitet. Manfred Köhnlein, Chef des Outdoorzentrums, wollte das nicht hinnehmen und hat gut zwei Kilometer der alten Trasse zwischen dem Ausbauende an der Gemarkungsgrenze und dem Biskirchener Schützenhaus gepachtet und zum Radweg gemacht - auch als sichere Zufahrt zum Outdoorzentrum.

Um den Einstieg in diesen Weg zu finden, sollten Radler den Biskirchener Sportplatz ansteuern, ihn rechts liegen lassen und raus ins Feld radeln. Nach gut einem Kilometer beginnt der Weg, sanft steigend mit vielen reizvollen Blicken in die Natur. Kurz vor dem Outdoorzentrum mündet das private Stück Ulmtalradweg dann in die offizielle Route.

Kilometersteine am Wegesrand, alte Mauern und Viadukte sind stille Zeugen der Eisenbahngeschichte

Das klare Plus der Ulmtalroute ist ihre Geschichte: Überall sind Überbleibsel der Eisenbahn zu sehen. Man rollt vorbei an Kilometersteinen und alten Mauern und über Viadukte. Das macht die Fahrt ungemein abwechslungsreich. Gleichzeitig ist die Steigung auch für ungeübte Fahrer gut zu meistern, lobt Peter Fuess.

Zur Rast bietet sich neben dem Outdoorzentrum mit viel Getier und gutem Essen der Skulpturenpark von Siegfried Fietz bei Allendorf an, der am 26. Juli offiziell öffnet. Hier sind allerlei Kunstwerke aus Holz zu bestaunen, zum Beispiel der Fantasie-Fisch, den Fietz aus einem Seitenarm der 1000-jährigen Eiche bei Nenderoth gemacht hat. An vielen Stellen der Strecke lohnt sich die Rast auch einfach auf freier Strecke. Es gilt: Anhalten, wo es schön ist.

In Holzhausen ist es mit der radlerischen Herrlichkeit zunächst vorbei. Der Radweg auf der Bahntrasse endet, die Gemeinde arbeitet am Lückenschluss bis nach Beilstein. 2016 soll der letzte Abschnitt gebaut werden, berichtet Bürgermeister Martin Kröckel (parteilos).

Solange muss, wer nicht umdrehen will, auf der Straße durch Holzhausen fahren. Das ist nicht schön, weil eine Hauptstraße eben kein Radweg ist, aber auch nicht gar so schlimm. Am Ortsausgang geht es außerdem wieder auf einen die Landesstraße begleitenden Weg. Gemächlich rollt man zur Ulmtalsperre, wo nach einem kurzen Anstieg auf der anderen Seite des Dammes ein schöner Rastplatz wartet.

Hier muss jeder Radler jetzt eine Entscheidung fällen: Auf der Straße nach Beilstein und von dort nach Greifenstein hoch? Oder zurück nach Holzhausen und den Anstieg von hier aus wagen? Die Route über Beilstein ist deutlich länger, daher werden die meisten Radler den Weg durch Holzhausen wohl bevorzugen. Mitten durchs Dorf geht es, über den Ulmbach und dann rechts, einen kurzen steilen Anstieg zum Friedhof hinauf als Vorgeschmack auf das, was jetzt folgt: viel Beinarbeit!

Dennoch: Diese Route, durch den Wald und die Klinik Elgerhausen ist die beste Möglichkeit, nach Greifenstein zu kommen. Die dichten Bäume schützen vor Wind und Sonne, es ist wenig Verkehr und es gibt viele Bänke zum Ausruhen - aber auch viele Schlaglöcher.

Zehn bis 25 Minuten - je nach Kondition - dauert der Aufstieg, an dessen Ende sich die Türme von Burg Greifenstein aus dem Wald erheben. Oben gibt es keine bevorzugte Route. Den kleinen Ortsteil können Radfahrer auf eigene Faust erkunden. Die Burg ist ohnehin fast überall zu sehen. Wem weniger nach Stein und Glocken ist, der fährt einfach umher und genießt die Aussicht auf Herborn, Sinn und Ehringshausen bis zum Dünsberg im Westen und zum Stoppelberg im Süden.


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