Keller will weitere Amtszeit

BÜRGERMEISTERWAHL: 59-Jähriger kandiert, um "Offenes zu Ende zu führen"
Dass sich Wolfgang Keller um ... | Foto: Preisler

"Wir besprechen alles und das war keine Frage. Ab und zu wünscht man sich weniger Hektik, aber wir haben das ganz gut gemanagt", so Zita Keller, die als Arzthelferin ebenfalls noch sieben Jahre berufstätig sein will. "Das passt also", erklärt sie. Und Keller, gebürtiger Nauborner, der 1968 mit den Eltern nach Braunfels zog und dort seit 34 Jahren verheiratet ist, fügt lachend hinzu: "Mich alleine zu Hause haben, das möchte sie glaube ich doch eher nicht."

Dennoch hatte sich die Bekanntgabe der Kandidatur des Parteilosen, der diesmal auf CDU-Ticket antritt, über Wochen hingezogen. Laut Keller, weil die Unterstützung durch die CDU unsicher war. "Ganz allein anzutreten, das hätte ich mir vermutlich doch überlegt." Dass es in der eigenen Truppe einen Gegenkandidaten gab, habe ihn "schon ein bisschen enttäuscht", bekennt der ehemalige Luftwaffenoffizier, der sich nach dem Abitur an der Goetheschule 13 Jahre als Zeitsoldat verpflichtet hatte.

Ob er auch im Amt des Bürgermeisters zwei Dutzend Jahre verbleibt, entscheiden die Wähler am 7. Oktober. "Es gibt viele Dinge, die noch offen sind, für die ich einfach eine weitere Amtszeit brauche", sagt Keller und zählt die energetische Sanierung von städtischen Gebäuden und den Brandschutz als Beispiele auf. "Das ist sinnvoll und notwendig." Auch die Betreuung für unter Dreijährige stehe oben auf der Liste. "Da sind wir eigentlich schon zu spät dran", sagt Keller. Es gelte auch eine Lösung für den Kindergarten in der Gartenstraße zu finden. Keller möchte diesen per Anbau in die Neutischeiner Straße integrieren. Er wolle Begonnenes fortführen, damit wirbt der Vater von zwei erwachsenen Söhnen für Sonntag um Stimmen.

Für die erste Legislatur im Chefsessel der Schlossstadt war Wolfgang Keller 2007 nach 16 Jahren von der Stadtverwaltung Weilburg nach Braunfels gewechselt. Zuvor hatte er an der Fachhochschule studiert und im Beruf des Diplom-Verwaltungswirts zunächst im Offenbacher Bürgeramt gearbeitet. Der Wechsel von der Verwaltung an die Rathausspitze sei gerade zu Beginn nicht leicht gewesen. "Man wird mit gesetzlichen Regeln überschüttet und ich habe das Politische als Verwaltungsmensch nicht gekannt, man muss den Ausgleich zwischen ehrenamtlichen Politikern und dem Rathaus finden", sagt Keller nun.

Kritik kommt genau in diesem Punkt und aufgrund des Umgangs mit dem Millionendefizit im Etat aus dem Parlament. Vier der fünf Parteien sprechen sich mittlerweile für Kellers Herausforderer aus. Wie geht der Amtsinhaber mit dieser Situation nach einem möglichen Wahlsieg um? "Die wichtigen Entscheidungen werden vom Parlament getroffen, nicht vom Bürgermeister, der kann die Entscheidungen ja nur vorbereiten", weist Keller die Kritik zurück und sieht die Verantwortung bei den Stadtverordneten selbst. Bei der Kostensteigerung für den Bauhof räumt der Amtsinhaber allerdings Fehler ein. Doch seien die 195 000 Euro Mehrkosten auch in Vergleich mit den Millionen zu setzen, welche die Stadt über die Jahre ohne Probleme für die Bürger investiere.

n Als Bürgermeister "Entscheidungen nur vorbereiten", Ehefrau: Ruhe ist seine Stärke

"Seine Stärke ist, dass er die Ruhe bewahrt." Davon ist Zita Keller überzeugt. Nach Schwächen gefragt, sagt sie: "Ich würde ihn jederzeit wieder heiraten." Der bekennende "Nachtmensch" Keller, der abends am Laptop im Wohnzimmer sitzt oder auch einmal PC-Bestandteile für Vereine zusammenbaut, nennt seinen Führungsstil selbst "kooperativ". Das Verhältnis zu den Fachbereichsleitern sei gut, sie seien Multiplikatoren im Rathaus und in der Stadt.

Übernommen hat Keller neben dem Bürgermeisteramt weitere Funktionen. Er ist Vorsitzender des Vereins Region Lahn-Dill-Wetzlar, der über europäische Mittel entscheidet. Weil das Programm dieses Jahr ausläuft, kümmere man sich um die erneute Bewerbung. Auch der Vorsitz der Gesamtjagdgenossenschaft liegt in seiner Hand. Hinzu kommt die Vorstandstätigkeit für die Königsberger Diakonie. "Es ist jetzt aber auch ein Punkt erreicht, an dem es genug ist", so der Rathauschef.

Als positiven Aspekt hebt Keller nach der Bilanz seiner ersten Amtszeit gefragt das Engagement der Bürger hervor. "Was ich als sehr angenehm empfunden habe, ist, wie viele Menschen ehrenamtlich Aufgaben übernehmen, gerade in der Feuerwehr und der Stadtbücherei." Bei Terminen versuche er dies für alle Stadtteile zu berücksichtigen. Manchmal begleitet ihn seine Frau. Auch ihre Urlaube verbinden beide mit den Partnerschaftstreffen der Stadt.

Und wenn statt dessen doch mal Platz für Freizeit bleibt? Dann ist ein Spaziergang für die Kellers eine gute Wahl oder die Eltern laden die Söhne zu Kaffee und Kuchen ein. Denn der 28-jährige Christian arbeitet in Frankfurt bei Rhein-Main-Media, der 22-jährige Martin hat sich wie sein Vater als Soldat verpflichtet und kommt nur am Wochenende von Würzburg heim. Dessen Arbeit bei der Bundeswehr sei auch mit Sorgen verbunden, denn ein Auslandseinsatz sei immer möglich, so Keller. "Soldat sein bedeutet heute etwas anderes. Ich bin aber stolz, dass ich ein sehr gutes Verhältnis zu beiden Söhnen habe."

Wenn tatsächlich die ganze Familie zusammenkommt, ist Keller nicht mehr als Bürgermeister, sondern als Spezialist für die Walnuss-Mandarinen-Rolle gefragt, wie Zita Keller verrät. Derzeit stellt sich ihr Mann jedoch nicht der Herausforderung in der Küche, sondern als Kandidat. Ein Selbstläufer sei die Wahl nicht, sagt Wolfgang Keller. Es komme auf die Wahlbeteiligung an. "Ich will keine Prognose abgeben", so der 59-Jährige.

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Dokument erstellt am 03.10.2012 um 16:47:00 Uhr
Letzte Änderung am 05.10.2012 um 14:33:47 Uhr
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