Kleinlaster rast in Tankstelle - ein Toter

Trümmerfeld an der Raststätte / Shop der Tankstelle komplett zerstört

Vermutlich weit mehr als 50 Meter geradeaus gefahren ist der Sprinter auf seinem Weg zur Tankstelle. Ein Sachverständiger wird den genauen Unfallhergang rekonstruieren.

Ein Kleintransporter ist in den Verkaufsraum der Tankstelle der Raststätte Katzenfurt gerast.

Bild 1 von 2
Tankstellenmitarbeiter stirbt bei Unfall

8.38 Uhr, die Sonne scheint den Autofahrern in die Augen, die auf der Autobahn A 45 auf dem Weg von Herborn in Richtung Wetzlar sind. Von dort kommt auch der silberfarbene Mercedes Sprinter aus dem Lahn-Dill-Kreis. Sein 27 Jahre alter Fahrer fährt auf die Verzögerungsspur der Autobahnraststätte Katzenfurt. Aber er verzögert so gut wie nicht. Fast ungebremst und beinahe in gerader Linie schießt der Transporter auf die Tankstelle zu. Zwischen der Mittelinsel mit den Zapfsäulen und dem Tankstellenshop knallt das Vorderrad auf den Bordstein. Der bremst die rasende Fahrt nicht.

Fotostrecke

Der Wagen reißt einen Blumenkübel um, dann kracht und splittert alles. Der Sprinter durchschlägt die Front des Shops aus Glas und Aluminium, schiebt Regale und Waren vor sich her und kracht in die Verkaufstheke. Der Mann, der dort stand, wird auf der Stelle getötet, seine Kollegin verletzt, ebenso wie der Fahrer des Sprinters. Weitere Menschen sind geschockt. Keiner weiß im ersten Moment, was geschehen ist.

Hubschrauber bringt den Fahrer des Unglücksautos in Siegener Klinik

Die Notrufe, die wenig später bei der Leitstelle des Lahn-Dill-Kreises eingehen, sind erschreckend. Sie zeichnen kein klares Lagebild: eine Explosion, ein Bus, der in die Raststätte gerast sein soll, heißt es.

Umgehend schickt die Leitstelle alle verfügbaren Rettungswagen und einen Rettungshubschrauber nach Katzenfurt. Die Feuerwehren aus Ehringshausen und Herborn treffen ein. Sie finden den Unfallort völlig verwüstet. Draußen liegt alles voller Scherben, Abfalleimer, Bruchstücke der Fensterrahmen, Blumenerde, Autosicherungen und Rosen aus der Auslage.

Rettungssanitäter und Notärzte helfen den Verletzten. Für den 59 Jahre alten Mann, der hinter der Theke gestanden hatte, können sie nichts mehr tun. Der Sprinter-Fahrer ist im Führerhaus eingeklemmt. Das Auto steht hinten an der Wand, da wo die Regale mit den Zigaretten sind. Eine 55 Jahre alte Frau aus Katzenfurt wird draußen von Notarzt und Sanitätern behandelt.

Von der Decke des Raums hängen Kabel, zerstörte Lampen und Teile der Verkleidung. Feuerwehrleute bahnen sich den Weg durch Trümmer und verstreute Verkaufsware. Sie räumen Regalteile, Chipstüten und Zeitschriften weg, schauen unter den Sprinter, um sicher zu sein, dass da nicht noch ein Verletzter oder Toter eingeklemmt ist.

Draußen startet der Rettungshubschrauber mit dem Sprinter-Fahrer an Bord. Der ist schwer verletzt und wird zur Behandlung nach Siegen geflogen.

Spurensicherer der Polizei machen erste Aufnahmen. Aber wie das beispiellose Unglück geschehen ist, weiß auch eine Stunde nach dem Unfall keiner so ganz genau.

Unbestätigte Vermutungen, Ahnungen kursieren an der Unfallstelle: Der Fahrer des Sprinters könnte gesundheitliche Probleme, vielleicht ein Blackout gehabt haben, mutmaßen einige. Einen anderen Grund kann niemand für die ungebremste Unfallfahrt ausmachen.

Die Raststätte ist für den kompletten Verkehr gesperrt, weil nicht klar ist, ob Brandgefahr besteht. Der Strom wird abgestellt. Noch ist unklar, ob der kaputte Transporter einfach rückwärts aus dem Verkaufsraum gezogen werden kann. Ein Statiker muss herbei, um zu klären, ob das Tankstellengebäude einsturzgefährdet ist. Der Sprinter hat eine tragende Säule umgerissen. Das Technische Hilfswerk aus Dillenburg kommt und stützt das Gebäude provisorisch ab. Die Feuerwehr räumt danach alles raus, was herumliegt. Dann wird das Unglücksauto herausgezogen. Es dauert Stunden.

Der Schaden ist noch nicht berechnet. Er dürfte aber mehrere hunderttausend Euro betragen.

In der Umgebung spricht sich das schreckliche Unglück rasch herum. Trauer herrscht um den 59-Jährigen aus einem Greifensteiner Ortsteil, der seit vielen Jahren an der Kasse stand.


Die ganze Zeitung auf Smartphone oder Tablet: Testen Sie jetzt gratis unsere E-Paper-App.
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Mehr zum Thema
Kommentare (3)
Herrn Thielmann kann ich nur zustimmen. Deshalb wiederholt meine Frage, ob sich bei solch tragischen Ereignissen die FB- und Kommentarfunktion abschalten lässt, wie z.B. letztens bei dem Mord in Herborn. Wir sind mehr
informiert durch den Artikel (Print & online) und alle weitere Spekulationen sollten dem Strassengewäsch überlassen bleiben....
Fragt herzlichst,
Udo Reuschling
"Bild mögen: gefällt mir" - Diesen facebook-Button finde ich bei der Fotostrecke mehr als unangebracht!!!
Ich würde mir wünschen dass die Ursache dieses tragischen und gleichermaßen völlig unverständlichen Unfalls nach Bekanntwerden veröffentlicht wird.

Ich möchte an dieser Stelle auch mein tiefes Mitgefühl an alle mehr
Angehörigen und Beteiligten aussprechen. Unverhoffter geht es nicht......
Mehr aus Region Wetzlar