Köhnlein schließt Leuner Lücke

ULMTALRADWEG 1,5 Kilometer bei Biskirchen sollen Radler von der Straße holen

Im Wald ist Schluss: Von Greifenstein kommend endet der Ulmtalradweg im Moment kurz vor der Grenze zu Leun am Outdoorzentrum. Dessen Chef Manfred Köhnlein will die Lücke in den kommenden Wochen auf eigene Faust schließen. (Foto: Reeber)

"Es ist wichtig, dass wir die Radler von der Straße runter bekommen", sagt Leuns Bürgermeister Joachim Heller (parteilos). Daher begrüße er Köhnleins Baupläne, durch die künftig kein Radler mehr die Straße nutzen muss. Heller räumt ein, dass der Lückenschluss auf Leuner Gelände zwar seit Jahren diskutiert wird, aber nichts passiert ist. "In dem Teilstück liegen allein vier Brücken. Die hätten wir sanieren müssen." Dabei wäre ein "mittlerer fünfstelliger" Betrag aufgelaufen, sagt Heller. Das könne die klamme Stadt Leun nicht schultern.

Das tut nun der Chef des Outdoorzentrums, allerdings versucht Köhnlein, die Kosten niedrig zu halten. Schotter für die Oberfläche hat er über die Stadt kostenlos organisiert, sagt er. Außerdem hoffe er auf viele freiwillige Helfer, die zum Beispiel beim Freischneiden des Weges auf der alten Trasse der Ulmtalbahn helfen. Die Gesamtkosten stünden aber noch nicht fest.

Für den Bau hat Köhnlein 1,5 Kilometer Bahndamm gepachtet

So sehen die Pläne aus: Beginn des Lückenschlusses ist am Schützenhaus in Biskirchen, das Radfahrer aus Richtung Lahntalradweg halbwegs sicher über Feldwege und Nebenstraßen erreichen können. Von dort geht auf der Bahntrasse bis zum Doberg an der Gemarkungsgrenze zu Greifenstein. Hier endet das Stück der Bahnstrecke, das Köhnlein von der Stadt Leun gepachtet hat. 300 Meter fehlen bis zum Ausbauende des Ulmtalradweges aus Norden. Sie sollen Radler über Waldwege überbrücken.

Köhnlein möchte den Weg mit einer Decke aus feinem Schotter belegen. Das sei günstiger und brauche weniger Pflege als eine Asphaltdecke. Außerdem sollen an der Neubaustrecke Schilder stehen, die den Weg als Privatgelände ausweisen und die Nutzung damit auf eigene Gefahr und Haftung erlauben. "Alles andere wäre zu gefährlich für mich."

Apropos Gefahr: Natürlich können Radfahrer auch heute schon durchs Ulmtal rollen. Die Fahrt zwischen Outdoorzentrum und Schützenhaus zwingt Radler mangels Radweg aber auf die Landesstraße. 2500 Fahrzeuge sind hier am Tag unterwegs, davon über 100 Lastwagen, so eine Zählung des Verkehrsministeriums aus dem Jahr 2010. "Zu uns kommen viele Schulklassen auf dem Rad", sagt Köhnlein. "Wenn wir das vorher wissen, holen wir sie in Biskirchen ab und fahren mit dem Auto und eingeschaltetem Warnblinker davor und dahinter."

Der Lückenschluss Richtung Lahntal - er wird auch im Rathaus von Greifenstein sehnlich erwartet. "Tourismus ist ein wichtiges Standbein für uns", sagt Bürgermeister Martin Kröckel (parteilos). Da sei die durchgehende Verbindung nach Biskirchen zum Lahntalradweg mit rund 50 000 Radlern im Jahr wichtig. "Der Radtourismus boomt", sagt Kröckel. "Gerade eine solche Strecke auf einer alten Bahntrasse hat einen besonderen Reiz."


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