Ladendiebstahl wird wegen Pfeffersprays teurer

GERICHT 19-Jähriger Wohnsitzloser warf Beute über den Zaun

Das Amtsgericht Wetzlar. (Foto: Reimund Schwarz)

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Michaela Friedrich-Rödig belegte den geständigen Heranwachsenden wegen des versuchten Diebstahls mit Waffen mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, die unter Anrechnung der siebenwöchigen U-Haft auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Strafe fiel deshalb so hoch aus, weil der Mann während der Tat ein Pfefferspray bei sich trug, das in seiner Jackentasche steckte. "Allein das Mitführen einer Waffe, zum Beispiel eines Taschenmessers, wirkt strafverschärfend, weil die Möglichkeit des Einsatzes besteht", erläuterte Anklagevertreter, Oberstaatsanwalt Uwe Braun.

Eine aufmerksame Ladendetektivin hatte an einem Tag Anfang Januar gegen Mittag den Angeklagten in einem Wetzlarer Baumarkt beobachtet, wie er Waren aus einem Regal nahm und damit in der Freifläche verschwand. Wie sie beobachtete, warf der Mann die Waren über den Zaun nach draußen - in der Absicht, sie später dort auszusammeln.

Zur Bewährung nach Frankreich

Die Polizei nahm den jungen Mann vorläufig fest. Das Diebesgut, mehrere LED-Flexbänder und Baustoffkartuschen im Wert von über 120 Euro wurde sichergestellt. Bei der Durchsuchung kamen Pfefferspray, Seitenschneider und Teppichmesserklinge zum Vorschein.

Die Wetzlarer Justiz schickte den angeblich bei Bekannten im nördlichen Kreisgebiet lebenden 19-Jährigen in U-Haft, von der er jetzt zum Prozess vorgeführt wurde. Der anwaltlich vertretene Angeklagte räumte die Straftat ein, will allerdings das mitgeführte Pfefferspray nur unbewusst mitgeführt haben, es sei abends zum Eigenschutz bestimmt. Diese Aussage wertete die Richterin als Schutzbehauptung.

Als gelernter Installateur habe er in Deutschland Arbeit gesucht, allerdings keine gefunden. Nach einem Abstecher über Frankreich, wo er rumänische Landsleute besucht habe, war er kurz vor Weihnachten ins Kreisgebiet gekommen. Unklar blieb, wo er genau in dieser Zeit nächtigte und wovon er lebte. Nach dem Prozess will er sich wieder nach Frankreich begeben. Das Gericht folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft und hob den Haftbefehl auf, so dass der nach Erwachsenenrecht verurteilte junge Mann das Gerichtsgebäude in Freiheit verlassen konnte. (hu)


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