Lichter leuchten für die Demokratie

GESELLSCHAFT 1000 Menschen gehen in Wetzlar gegen Hetze und Extremismus auf die Straße

Sie gingen im Demonstrationszug mit: (v.l.) Bürgermeister Manfred Wagner, Oberbürgermeister Wolfram Dette, Landrat Wolfgang Schuster, Kreis-Sozialdezernent Stephan Aurand und Stadtverordnetenvorsteher Udo Volck. (Foto: Rühl)

1000 Menschen versammelten sich mit auf dem Domplatz. Mit Laternen und Luftballons setzten sie am Abend ein Zeichen gegen Extremismus und für Weltoffenheit. (Foto: Rühl)

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1000 Menschen demonstrieren für "Herz statt Hetze"

Mit Laternen, Kerzen und unzähligen Luftballons setzten sie ein deutliches Zeichen. "Herz statt Hetze" war das Motto der Kundgebung, zu der Gewerkschaften, Kirchen und das Bündnis "Bunt statt Braun" aufgerufen hatten. Ganze Familien gingen im Zug mit, Politiker, Gewerkschafter, Vertreter von Kirchen- und Moscheegemeinden.

Die Versammlung stand im Zeichen der Terroranschläge in Paris am Vorabend. "Wir lassen uns von Extremisten nicht sagen, wie sich unsere Gesellschaft zu entwickeln hat", sagte Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) während seiner Ansprache am Buderusplatz. Mit Blick auf die rechte Demo warnte er davor, dass Ängste und Sorgen der Bevölkerung von Extremisten missbraucht würden. "Diskutiert mit uns! Aber lauft nicht denen hinterher, die keine demokratische Gesellschaft wollen!", forderte Dette die Menschen auf. Landrat Wolfgang Schuster (SPD) sagte während der Abschlusskundgebung auf dem Domplatz, es gehe den anderen Demonstranten nicht um die Flüchtlinge, sondern darum, den Staat neu zu justieren. Die Nazis sollten nicht mehr das letzte Wort haben, so der Landrat. "Dafür sind wir hier." Im Lahn-Dill-Kreis leben nach Angaben Schusters 20 Prozent Menschen mit Migrationsanteil. Die Arbeitslosenquote liege im Nordkreis bei 4,6 und in Wetzlar bei 5,0 Prozent. Menschen, die in den Kreis gekommen sind, würden mit ihrer Arbeit zum Steueraufkommen beitragen. Das letzte Wort sollten deshalb immer die Demokraten haben.

"Wir haben uns nicht vorstellen können, dass wieder ein Zug mit Fackeln durch die Stadt geht"

Der grüne Landtagsabgeordnete Marcus Bocklet sagte, die Landesregierung werde ein Programm starten, um die Flüchtlinge zu integrieren. Wer vor Krieg oder brutalen Regimen fliehe, brauche Schutz.

Die Wetzlarer SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Schmidt sagte, die Gesellschaft bestehe aus vielen verschiedenen Menschen unterschiedlicher Nationalität, unterschiedlicher Parteien und Haarfarbe. Das zeige, dass niemand, der geflohen ist, allein sein müsse. Schmidt dankte allen, die helfen in kommunalen Verwaltungen und als Ehrenamtliche.

"Wir haben uns nicht vorstellen können, dass so viele Jahre nach den Nationalsozialisten heute wieder ein Zug mit Fackeln durch die Stadt geht", sagte Bürgermeister Manfred Wagner (SPD). In Wetzlar lebten Menschen aus 115 Nationen. "Das zeigt, dass wir bunt sind und miteinander leben können."

Die Wetzlarer Landtagsabgeordnete Mürvet Öztürk (Grüne, fraktionslos) sagte: "Wir stehen heute alle gegen Hass. Wir sind bunt, wir sind vielfältig. Und das war Wetzlar immer." Mit Blick auf die Anschläge von Paris sagte sie, auch islamische Gemeinden seien betroffen. Rechtsextreme würden aus den Anschlägen Profit schlagen. "Aber wir lassen uns nicht einschüchtern."

"Es geht niemand über die Erde, den Gott nicht liebt. Es ist traurig, dass es immer noch Leute gibt, die das nicht begreifen", sagte Superintendent Roland Rust, der für die evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar sprach. Im Anschluss trafen sich etwa 300 Menschen zu einer Andacht im Dom, die der Dompfarrer Peter Kollas und sein evangelischer Kollege Pfarrer Björn Heymer hielten.


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