Neuer Glanz für die Nordfassade

DOM Mauerwerk wurde für 350 000 Euro saniert

Diplom-Restauratorin Avoie Sitter bei der Arbeit. An den Strebepfeilern mussten ganze Segmente erneuert werden.

Der Turmstumpf und die Nordfassade erstrahlen in neuem Glanz. (Fotos: Volkmar)

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Rund sieben Monate waren die Restauratoren tätig, um das Mauerwerk von Grund auf zu sanieren. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 350 000 Euro.

Nachdem im letzten Jahr das Mauerwerk neben dem Westportal bis zum Turmstumpf für rund 260 000 Euro saniert und konserviert wurde, konnte jetzt ein weiterer Bauabschnitt an Wetzlars Wahrzeichen vor Witterungs- und Umwelteinflüssen und einem langsamen Verfall gerettet und der Nachwelt erhalten werden.

Bei der Abschlussbegehung durch die Wetzlarer Dombauverwaltung gab es viel Lob für die Arbeit der Sanierungsspezialisten der Erfurter Firma Nüthen. "Sie haben eine handwerkliche Meisterleistung vollbracht", erklärte Heidrun Rücker vom städtischen Planungs- und Hoch-bauamt. Die Diplom-Ingenieurin leitet seit über 20 Jahren alle baulichen Arbeiten am Dom.

Der Mörtel zwischen den Steinen hatte tiefe Risse oder fehlte ganz

"Wie alle großen Bauwerke wird auch der 800 Jahre alte Dom eine Dauerbaustelle bleiben. Dabei stehen die Sanierung- und Sicherungsmaßnahmen im Vordergrund", erklärte Architekt Andreas Schmidt. Dabei verwies der stellvertretende Vorsitzende der Dombauverwaltung auf die unterschiedliche Bauweise der neuen Stiftskirche im 13. und 14. Jahrhundert. Aus Kostengründen wurden bei der Westfassade neben behauenen Sandsteinquadern rote und grüne Schalsteine eingebaut - ein rund 400 Millionen Jahre altes und für die heimische Region charakteristisches Material. "Langfristig erweist sich der Schalstein als besonders anfällig, wenn er im verstärkten Maße der Witterung ausgesetzt ist", erklärte Geologe Enno Steindlberger aus Mainz, der die Sanierung am Heidenportal des Domes von 2002 bis 2006 begleitet hat. Bei der Sanierung wurde der Stein am Heidenportal in einem neuen, aber sehr aufwendigen Verfahren konserviert. Weil das Verfahren so teuer ist, kann es nur auf kleinen Flächen zum Einsatz kommen.

Im Gegensatz zu dem rund 60 Meter hohen Südturm konnte der Nordturm aus Geldmangel nie fertiggebaut werden und blieb als 18 Meter hoher Turmstumpf, in dem eine Wendeltreppe verläuft, unvollendet. Hier waren jetzt die Restauratoren aktiv.

Beim Ortstermin erläuterten Chefrestaurator Franz Josef Schörmann und Heidrun Rücker den Umfang der durchgeführten Arbeiten. Der Mörtel zwischen den Steinen an der waagrechten Fläche am oberen Abschluss des Stumpfes hatte tiefe Risse oder fehlte ganz. Hier wurden die Fugen geöffnet und mit flüssigem Blei dauerhaft versiegelt. So war es auch eine besondere Herausforderung an die Restauratoren, die filigran gearbeitete gotische Bauzier im oberen Teil der Fassade und das Blendwerk, das diesen Strebepfeiler auf einer Länge von 15 Meter umgibt, zu restaurieren. Auch die Stein-Ersatzmasse "Terranova", die bei der Renovierung vor 40 Jahren nach dem damaligen Stand der Technik zum Ausbessern verwendet wurde, musste größtenteils wieder entfernt werden, weil auch hier Risse und Hohlstellen sichtbar waren. Verschiedene Profilelemente aus "Terranova" wurden ausgebaut und in Naturstein ersetzt. Zum Schluss wurden alle Fugen mit einem Kalkmörtel geschlossen. "Eine zeitaufwendige Arbeit in luftiger Höhe und winterlichen Temperaturen", erklärte die Diplom-Restauratorin Avoie Sitter. Das Ganze wurde auf einer Länge von 16 Meter mit einem Schutz aus Kupferblech überdacht. Hier hat die heimische Firma Norbert Schäfer (Hohenahr) einen wertvollen Beitrag zur Dom-sanierung geleistet.

Wegen des Hessentages 2012 mussten einige Sanierungsarbeiten verschoben werden, wie Ulrich Bahr, Vorsitzender der Dombauverwaltung, erzählt. "Aber jetzt wurde es höchste Zeit. Durch die bröckelnden Steine und Mörtel bestand nicht nur die Gefahr durch Steinschlag, auch der fortschreitende Verfall musste schnell gestoppt werden. Und so wurden in den Jahren 2013 und 2014 über 600 000 Euro in die Restaurierung und Sanierung der West- und Nordfassade des Wetzlarer Wahrzeichens investiert. Die Dauerbaustelle wird bleiben, denn 2016 steht der Turmstumpf im Heidenhof an.

Zwar gehört der Dom zu gleichen Teilen der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, aber auch die Stadt Wetzlar und der Dalberg'sche Fond haben in der Dombauverwaltung Sitz und Stimme. Ein Vertrag aus dem Jahr 1982 regelt den Bauunterhalt. Danach haben die beiden Konfessionen jeweils fünf Zwölftel zu tragen, auf die beiden anderen Vertreter entfallen jeweils ein Zwölftel der Bausumme.


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