Offene Fragen beunruhigen

UMWELT 100 Teilnehmer bei Info-Abend der BI Pro Klein-Altenstädten

Das Publikum folgte aufmerksam den Ausführungen und nutzte in den Pausen die Zeit zum Erfahrungsaustausch.. (Foto: Pöllmitz)

Claudia Enderle-Bährens erläuterte den Zuhörern einige der chemischen Vorgänge. (Foto: Pöllmitz)

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BI- Sprecherin Evelyn Maier-Tewes hatte den Abend unter die Überschrift "Was ist los am Eulingsberg?" gestellt und erinnerte: "Wir treffen uns seit dem Sommer 2015 regelmäßig, nachdem wir erfahren hatten, dass die Firma Buderus eine Erweiterung der Deponie plant."

In kurzer Zeit wurde ein schriftlicher Einwand formuliert und mit Besuchen von Haus zu Haus auf das Vorhaben aufmerksam gemacht. So war es möglich, dass binnen kurzer Zeit 237 Einwendungen beim RP in Gießen eingingen.

Am 20. und 21. Juli fand der Erörterungstermin in der Stadthalle Aßlar statt. Als bitter wird empfunden, dass bis heute keine Antwort vorliegt, ob und wie berechtigt die Bedenken sind, die in Fragen wie diesen formuliert wurden: "Müssen wir Angst haben vor austretendem Zyklon B/Blausäure-Gasen?", "Müssen wir uns um unser Grundwasser sorgen?", "Werden wir zusätzlich zur hohen Grundbelastung von Staubimmissionen betroffen sein?" und "Können wir das Gebiet um die Hohe Straße noch als Naherholungsraum nutzen?"

Insbesondere Chrom, Cadmium, Nickel und Vanadium können in die Luft gelangen

Daniel Schoeßler zeigte anhand von Bildern, dass die Deponie um rund 50 Prozent erweitert wird, zeigte, wo die Gichtgasschlammdeponie liegt, deren Umlagerung vom RP zur Bedingung für die Erweiterung gemacht wurde, und wie Buderus die Umlagerung gestalten will.

"155 000 Kubikmeter zum Teil cyanidbelasteter Abfall auf 20 000 Quadratmetern Fläche sollen unter freiem Himmel mit Zement gebunden werden", erläuterte Schoeßler. Es seien zwar Proben genommen worden, genaue Ergebnisse habe man aber noch nicht. Was in den Boden oder in die Luft gelange, sei nicht klar. Die Aktion soll dieses Jahr beginnen und fünf Jahre dauern.

Claudia Enderle-Bährens erklärte die damit verbundenen chemischen Reaktionen und mögliche Belastungen vor, während und nach der Behandlung mit Kalk.

Ihr Fazit: Leicht freisetzbare Cyanide bilden in feuchter Luft ebenso Blausäuregas wie Eisencyankomplexe, die unter dem Einfluss des UV-Lichts zerfallen; Blei und weitere Schwermetalle gelangen durch die lockere Haldenhaltung in den Feinstaub und durch einen pH-Wert-Anstieg kann es bei Auswaschungen zu Reaktionen mit Chromverbindungen im Bereich Nord kommen, dessen Oberfläche nicht abgedeckt ist. Insbesondere Chrom, Cadmium, Nickel und Vanadium gelangen in die Luft, die Chemikalien wirken krebserregend, schädigen das Erbgut und die Fortpflanzung.

Holger Grasse von der BI "Reine Luft" in Wetzlar erläuterte die Auswirkungen von Feinstaub, der in die Lungenbläschen geraten kann. Heilpraktiker Zwenn Löderbusch thematisierte die möglichen Folgen für den menschlichen Körper. Nerven, Knochen, innere Organe, Schleimhäute, Haut und Haare, Immunsystem - einfach alles werde betroffen.

"Wer will einen solchen Abfallberg vor der Tür, der noch dazu giftig?", fragte Manfred Frank, der dazu aufrief, sich in der BI zu engagieren, die sich jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Gasthaus Zipp trifft.

Die Zuhörer taten ihren Unmut kund und es wurde sogar vorgeschlagen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, da der Verdacht bestehe, dass die Menschen in der Region leichtfertig einer Gefahr ausgesetzt werden.


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