Polizei darf kein Freiwild werden

WEISSER RING Außenstellenleiter Ingbert Koppe gibt sein Amt an Werner Hain weiter

Gewalt gegen Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter ist kein Kavaliersdelikt: Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte beim Tag der Kriminalitätsopfer in Wetzlar eine Verschärfung der entsprechenden Gesetze. (Foto: Volkmar)

Wechsel in der Führungsspitze mit Blumen und Geschenken. Ingbert und Irmtraut Koppe (v.l.) , Landesvorsitzender Horst Cerny, Heidi und Werner Hein und Rüdiger Schuch (2.v.r). (Foto: Volkmar)

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Beuth fordert eine umgehende Verschärfung des Strafrechts für Gewalt gegen Polizisten. Seit 15 Jahren veranstaltet die Opferhilfsorganisation "Weißer Ring-Lahn-Dill" den speziellen Tag. Im Kuppelsaal der Volksbank Mittelhessen in Wetzlar konnte der neue Leiter der Außenstelle Lahn-Dill der Hilfsorganisation, Werner Hain, rund 70 Gäste aus Politik, Polizei und Staatsanwaltschaft begrüßen, unter ihnen der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer (CDU).

"Jährlich werden über 800 000 Menschen Opfer von Gewalt. Unter den Folgen leiden auch die Angehörigen. Dabei müssen die Geschädigten auf staatliche Hilfe oft lange warten. Mit unserer ehrenamtlichen Arbeit wollen wir die Betroffenen unterstützen, finanziell und bei der Durchsetzung ihres Rechts", so Werner Hain zur Arbeit seiner Organisation. "Dabei arbeiten wir auch eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen."

Lob gab es von Minister Beuth für die ehrenamtliche Arbeit des Weißen Rings, der in Hessen über 4000 ehrenamtliche Mitarbeiter hat. "Sie leisten eine vorbildliche Arbeit zum Wohle der Opfer, die staatliche Stellen in dieser Intensität nicht leisten können." Bei über 400 000 Straftaten in Hessen und einer Aufklärungsquote von 59,5 Prozent handelt es sich in vielen Fällen um Taten gegen die Staatsgewalt. Bei den Übergriffen sei die Hemmschwelle deutlich gesunken. Dies gelte auch für Angriffe auf Rettungsdienste und Feuerwehr. In diesem Zusammenhang erinnerte der Minister an die Krawalle bei der Einweihung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt vor einem Jahr. Dort hätten organisierte Gewalttäter regelrecht Jagd auf die Polizei und ihre Einrichtungen gemacht. Mit Molotowcocktails, Steinen und Eisenstangen seien sie auf Polizei und Einsatzkräfte losgegangen und hätten dabei über 150 Beamte so schwer verletzt, dass einige heute noch dienstunfähig seien.

"Der tödliche Angriff auf einen Polizeibeamten am Heiligen Abend in Herborn war eine Tat, die mich tief bewegt hat", so der Minister. Und nur wegen der Kontrolle einer Fahrkarte wurde ein Familienvater von vier Kindern ermordet.

Beuth bezeichnete die rohe Gewalt als die Spitze eines Eisberges, die man nicht hinnehmen werde. War ein Angriff auf die Polizei früher eher die Ausnahme, so werde er heute offenbar als Kavaliersdelikt angesehen. Dabei gebe es dringenden Handlungsbedarf. Denn "jeder Angriff auf die Polizei ist ein Angriff auf unseren Rechtsstaat". Und den gelte es mit allen Mitteln zu schützen.

"Die Hessische Landesregierung hat für die Sicherheit und die Arbeit ihrer Polizei in Punkto Ausstattung, Überwachungstechnik und moderne Medien bei der Strafverfolgung viel getan. Aber was wir brauchen ist der Rückhalt in der Gesellschaft. Nur wenn sie geschlossen hinter denen stehen, die für ihre Sicherheit den Kopf hinhalten, kann ein Umdenken gelingen", so Minister Beuth, der dem "Weißen Ring" und der Bürgerinitiative "Pro Polizei Wetzlar" für ihre gute Zusammenarbeit dankte.

Landrat Wolfgang Schuster thematisierte das Flüchtlingsthema und betonte, dass dank der Mithilfe ungezählter Ehrenamtlicher Aufnahme und Unterbringung überwiegend problemlos funktioniert hätten. Schuster dankte auch seinen Mitarbeitern sowie dem Land Hessen für die Unterstützung.

Gewalt gegen Sachen und Polizei werde als legitim angesehen, so auch der Landesvorsitzende des Weißen Rings, Horst Cerny, der bei seinem Grußwort an die 68er erinnerte, die sich in gewisser Weise heute wiederholten. "Ja, die Gewaltschwelle sinkt radikal, gegen die Polizei und die Bürger, so sei bei vielen der Wohnungseinbruch nur noch eine Bagatellsache, so Cerny, als er die großen psychischen Belastungen der Betroffenen ansprach.

Werner Hain ist neuer Chef des Weißen Rings

"Für wahr, du hast als ehrenamtlicher Außenstellenleiter über 15 Jahre vorbildliche Arbeit geleistet, und vielen Opfern von Gewalt mit Rat und Tat zur Seite gestanden", lobte Horst Cerny in seiner Laudatio Ingbert Koppe, den er in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete. Danach führte der Landesvorsitzende mit Werner Hain als Außenstellenleiter und Rüdiger Schuch als dessen Stellvertreter die "Neuen" in ihre Ämter ein.


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