Schüler (12) löst mit Pfefferspray Polizei-Einsatz aus

48 Humboldt-Schüler klagen über Atemnot und Hautreizungen

Die verletzten Schüler werden zunächst vor Ort notärztlich versorgt. 15 von ihnen müssen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Da zunächst unklar ist, wie viele Verletzte in Aßlar versorgt werden müssen, rücken Rettungswagen aus der gesamten Region an.

Noch auf dem Schulgelände wurden die verletzten Schüler behandelt. (Foto: Waldschmidt)

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Weitere Kinder und Jugendliche wurden vor Ort im Gebäudeinnern und auf dem Schulhof durch Rettungswagenbesatzungen betreut.

Der Vorfall hat bei den Rettungskräften Großalarm ausgelöst. Vier Notärzte und rund 20 Rettungs- und Einsatzwagen sowie die Aßlarer Feuerwehr und drei Notfallseelsorger waren an der Schule im Einsatz. Zahlreiche besorgte Eltern hatten sich auf dem Schulgelände eingefunden. Sie wurden von den Notfallseelsorgern informiert und betreut.

Nach Angaben von Schulleiter Uwe-Arno Hintz wurde der Unterricht sofort abgebrochen und die Schulbusse vorzeitig nach Aßlar beordert. Hunderte Schüler verfolgten die Rettungsarbeiten. Noch am Nachmittag waren die Rettungskräfte und die Polizei in der Alexander-von-Humboldt-Schule (650 Schüler) weiter im Einsatz.

Die genauen Umstände und das Motiv der Pfefferspray-Attacke sind derzeit noch nicht bekannt. Der Junge wurde sofort nach der Tat von Mitarbeitern der AGGAS (Arbeitsgruppe gegen Gewalt an Schulen) der Kriminalpolizei Wetzlar befragt. Die betroffenen Schüler klagten über Atemnot, Augenbrennen, Hustenreiz und Panikattacken.

Wie Kreisbrandinspektor Rupert Heege, der den Einsatz der 76 Rettungskräfte in der Aßlarer Schule leitete, mitteilte, dauerten die Rettungsarbeiten rund drei Stunden. Da nach den ersten Meldungen nicht klar war, wie viele Personen von der Spraywirkung betroffen waren, ging die Einsatzleitung zunächst von einem so genannten MANV, einem „Massenanfall von Verletzten“ aus. In dessen Folge wurden alle verfügbaren Rettungskräfte nach Aßlar beordert. Der Einsatz habe laut Heege in etwa die Dimension erreicht wie der Unfall an der Autobahnraststätte Katzenfurt, wo am 3. März ein Kleintransporter in das Tankstellengebäude gerast war und ein Mitarbeiter ums Leben kam.

Zunächst 
herrscht Unklarheit über die Zahl der Verletzten

Wie die Polizei ergänzend mitteilte, habe in Aßlar keine allgemeine Gefahrenlage bestanden. Nach den bisherigen Erkenntnissen hatte der zwölfjährige Schüler während der Pause vor Mitschülern in einem Schulflur an einer von ihm mitgebrachten Handtaschendose mit Pfefferspray hantiert.

Durch das Versprühen war es bei den im Umfeld stehenden Mitschülern zu Hautreizungen und Atemproblemen gekommen. Auch litten einige unter schweren Panikattacken, die durch Pfefferspray ausgelöst werden können.

Die Schulleitung hatte daraufhin die Alarmierung vorgenommen. Die Überprüfungen zur Herkunft des mitgebrachten Pfeffersprays dauern noch an. Wie die eingesetzten Kräfte anschließend beurteilten, waren das Verhalten der Schulleitung und die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte optimal.

Noch nicht bekannt ist, wie der Zwölfjährige an das Pfefferspray gekommen ist. Das Mittel ist frei verkäuflich, darf aber nur im Notwehrfall benutzt werden. Im Grunde ist es zur Abwehr von Tieren gedacht. Auch die Polizei benutzt das Spray, sie hat eine Ausnahmegenehmigung der zuständigen Innenministerien.

Pfefferspray ist laut Wikipedia ein Reizstoff, der gegen Menschen und Säugetiere wirkt. Mit dem Begriff ist meist ein Reizstoffsprühgerät mitsamt dem enthaltenen Wirkstoff Oleoresin Capsicum „OC“ gemeint. Es wird als Distanzwaffe verwendet. In den USA, Kanada und in Russland dient es als Bärenabwehrmittel.

Da die Reizstoffsprühgeräte in Deutschland nur als Abwehrmittel gegen Tiere verkauft werden dürfen, ist auf allen Abwehrsprays der Hinweis „Nur zur Tierabwehr“ aufgedruckt.
Da der Zwölfjährige strafunmündig ist, wird gegen ihn nicht polizeilich ermittelt. Auf seine Eltern kommen jedoch die Kosten für den großangelegten Rettungseinsatz zu.
Nicht betroffen von der Aufregung um den Pfefferspray-Angriff waren diejenigen Schüler der Humboldt-Schule, die am Mittwoch ihre Abschlussarbeiten für Haupt- und Realschule schreiben mussten. Die Prüfungen fanden in einem separaten Gebäudeteil statt und wurden nicht unterbrochen.

Das Schulamt hat mitgeteilt, dass der Unterricht am Donnerstag wieder nach Plan abgehalten werden kann.


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