Stillleben entwickeln Dynamik

AUSSTELLUNG 16 Aktive des Kunstvereins zeigen bis 28. Juli ihre Werke

Arbeiten rund um den Fisch zeigt Renate Bechthold.

"Das Stillleben ist ein oft verkanntes Genre, aber ein sehr spannendes", sagte Ulrike Sott vom städtischen Kulturamt am Freitagabend zur Einführung in die Ausstellung "Stillleben", die noch bis zum 28. Juli Arbeiten von 16 Künstlern des heimischen Kunstvereins im Stadthaus am Dom zeigt.

Zur Vernissage, deren offiziellen Teil Sott, Oberbürgermeister Wolfram Dette und Vereinsvorsitzende Margret Uellenberg gemeinsam gestalteten, kamen gut 100 Gäste.

Sie waren die Ersten, die diese imposante und vielfältige Präsentation, deren Eröffnung traditionsgemäß den Startschuss zur Nacht der Galerien gab, in Augenschein nehmen konnten. Und die Schau mit Werken von Renate Bechthold, Holger Daberkow, Renate Donecker, Lamar Dreuth, Hans-Jürgen Hädicke, Anne Held, Gabriele Hünninger, Holle Klein, Rose-Marie Koch, Ingrid Luitjens Deniz Kuranel, Masanobu Mitsuyasu, Renate Mergehenn, Christian Sämann, Uellenberg und Leonore Vahrson-Freund hat es wahrlich in sich.

Klar, wie gewohnt zeigen sich die Arbeiten des breiten Spektrums an Techniken unter anderem mit Fotografie, Zeichnung, Öl und Objekt auf hohem Niveau. Jedes einzelne Werk ist sehenswert, wobei besonders die gezeigte Vielfalt besticht. Drei Beispiele herausgegriffen: Gleich am Eingang zeigt Bechthold eine Reihe Mischtechniken rund um das Thema Fisch, mal in der Dose, mal als Rollmops, dann wieder nur als Grätenskelett.

In schlichten Tönen des schwarz-weißen Spektrums gehalten vermitteln diese Fischstillleben trotz ihrer naturgemäß unbewegten Motive eine unglaubliche Dynamik, die weitgehend aus dem geschickten Einsatz von Licht und Schatten resultiert. Hut ab, auch vor Sämanns "Stillleben am Goethebrunnen", Assemblage lavierte Feder-Kreide-Zeichnung und Object trouvé. Mit viel Finesse und Gestaltungswitz hat der Künstler verschiedene Materialien in sein anregendes Ensemble eingebunden - auch der Text kommt dabei nicht zu kurz.

Künstler setzen Licht und Schatten geschickt in Szene

Dass Daberkow schon seit Langem gewissermaßen eine ganz eigene Fotosprache hat, ist bekannt, und auch diesmal liefert der Wetzlarer unter anderem mit seinem Bild "Bar", das höchst eindrucksvoll mit Licht und Farbe spielt, einen schönen Beitrag. Kurzum, insgesamt eine gelungene Ausstellung mit durchweg beachtlichen Arbeiten. Eröffnet wurde sie am Freitag von Oberbürgermeister Dette, der etwa die Vielfalt der individuellen Zugänge zum Stillleben als besonders interessant bezeichnete. "Eine glasklare Definition von Stillleben gibt es heute nicht mehr", erklärte Sott in ihrer Einführungsrede, in der sie die Geschichte des Genres nachzeichnete. Seine größte Bedeutung habe es in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts gehabt, die seinerzeit eine Welthandelsmacht waren. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts machte Sott dann einen Bedeutungsverlust aus, nicht ohne zu betonen, dass die Gattung bis heute spannend sei und weiterlebe.

En Detail besprach sie im Anschluss die Arbeiten der heimischen Künstler, bevor Uellenberg den offiziellen Teil mit einer kurzen Ansprache beendete.

Wer die Eröffnung verpasst hat: Die Stillleben sind im Stadthaus am Dom montags von 13.30 bis 18 Uhr, dienstags bis freitags von 9 bis 13.30 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 15 Uhr und sonntags von 10 bis 13 Uhr zu sehen. Eintritt frei.


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