Stuttgart-21-Erde kann kommen

BAHN RP erlaubt Verfüllung des Steinbruchs Malapertus mit dem Aushub

Eine der Stellen, an denen die Bahn Aushub ihres Mammutprojekts "Stuttgart 21" auf die Reise zu Lagerplätzen schickt: An der Ulmer Straße in der baden-württembergischen Landeshauptstadt entsteht ein Bahntunnel unter der Erde, ein Umschlagplatz über der Erde. (Foto: A. Kilgus, Bahnprojekt Stuttgart-Ulm)

Das Tochterunternehmen von HeidelbergCement hatte bereits im Juni vorigen Jahres bei der Bergaufsicht des RPs den Antrag dafür gestellt. Jetzt hat die Behörde die Erlaubnis gegeben: Der Erdaushub darf demnach in den nördlichen Bereich des ehemaligen Kalksteinbruchs gekippt werden. Damit würde der ehemalige Tagebau auch rekultiviert, die Fläche wieder nutzbar.

Im Wetzlarer Rathaus gibt es schon länger Pläne, auf dem Areal Flächen für Landwirtschaft, Naturschutz und Naherholung zu schaffen. Ein über die Leader-Region Lahn-Dill-Wetzlar mit EU-Geld gefördertes Konzept ist in Arbeit.

Die Genehmigung regelt auch, dass die Heidelberger Sand & Kies für sogenannte betriebstechnische Zwecke, zum Beispiel das Befestigen von Böschungen und Wegen, Bauschutt in den Steinbruch bringen darf. Das könnte auch Schutt sein, der in Wetzlar beim Abriss der Türme auf dem HeidelbergCement-Gelände anfällt, wo der Ikea-Markt entstehen soll. Eine Unternehmenssprecherin hatte vor kurzem erklärt, dass HeidelbergCement die Möglichkeit prüfe.

Keine Antwort gibt es bislang auf die Frage, die vor allem in Garbenheim viele Einwohner am meisten interessieren dürfte: Wo wird die Erde aus Stuttgart von der Schiene auf den Lkw umgeladen? Anwohner des Bahnhofs und der Kreisstraße in Garbenheim fürchten, dass das vor ihrer Haustür geschehen könnte, die Kipper anschließend den Weg durch den Ort bis zur B 49 nehmen, wie Ortsvorsteher Waldemar Droß berichtet.

RP-Sprecherin Ina Velte teilt aber mit: Laut Heidelberger Sand & Kies gebe es noch keine Verhandlung oder Festlegung zum Ort des Umschlagplatzes. Für den Transport sei allein die Bahn zuständig. Aber: Das RP habe in der Genehmigung vorsorglich festgelegt, dass das zuständige Immissionsschutzdezernat in diesem Punkt mitreden muss.

Wo die Container von der Bahn auf den Lkw geladen werden, ist noch unklar

Fest steht bislang: Die Erde wird aus Stuttgart in sogenannten Wechselcontainern per Bahn angeliefert. Lastwagen übernehmen diese Container. "Die Anfahrt des Tagebaus selbst wird zwingend über das Wetzlarer Kreuz von Norden und nicht durch die nahe gelegenen Ortslagen erfolgen", erklärt Velte. Hermannstein beispielsweise dürfte damit von der Route ausgeschlossen sein.

Garbenheims Ortsvorsteher Droß ist froh über die Ankündigung, dass die Transporte nicht durch geschlossene Orte gehen sollen - seinen Stadtteil sieht er trotzdem nicht aus der Schusslinie: Auch wenn die Lastwagen mit den Containern ausschließlich die B 49 oder die kurze Strecke zwischen Wetzlar und Garbenheim nehmen würden, bleibe eine Belastung für den Ort.

Alle Details des Transports könnten Bahn und Heidelberg Sand & Kies aber erst jetzt mit der vorliegenden Genehmigung klären, teilt das RP mit. Darin sei auch festgelegt, welcher Aushub genau in den Steinbruch darf und wie die Verfüllung überwacht wird.


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Kommentare (3)
Warum wird denn der Bauschutt von Stuttgart 21 durchs halbe Land gekarrt?
Warum wird dieser nicht in Stuttgart deponiert?
Und wer bezahlt die Kosten für die Reinigung des Bauschutts, wenn dieser mit Altlasten mehr
kontaminiert wird.

Für Lärmschutz ist kein Geld da, aber die Reinigung von verunreinigtem Schwäbischen Dreck schon.

Wo leben wir denn
"Stuttgart- 21-Erde kann kommen"

Seit Monaten beobachten wir die Verladung des Aushub's von Stuttgart 21. Dabei handelt es sich teilweise um Gestein aus Tunnelbohrungen (Fildertunnel) aber auch um Erdmassen aus dem mehr
ehemaligen Kopfbahnhof.
Erinnern Sie sich noch an die "Dampflokzeit"? Damals war zwischen den Gleisen immer eine schwarze Spur zu sehen, die sich durch herabtropfendes Öl von Dampf- und Diesellokomotiven gebildet hatte. Im Lauf der Jahre versickerte dieses Öl immer tiefer im Erdreich. Wie tief, weiß niemand so ganz genau. Aber auch diese ölverseuchte Erde wird am Stuttgarter Nordbahnhof verladen und auf die Reise geschickt. Wo sie letztendlich landet, weiß keiner so ganz genau. Vielleicht bei Ihnen!
Und das nennt man dann großspurig "Renaturierung"!
Ich möchte diesen Müll jedenfalls nicht vor meiner Haustür haben.
Man sollte erstmal die Lücke im Lärmschutzwall der B49 bei Dalheim zwischen Tunnel und bestehenden Lärmschutzwänden auffüllen.
Seites Hessen Mobil wäre alles genehmigt, nur seitens der Stadt fehle dafür das Geld.
Warum mehr
nicht diese "kostenlose" Erde dafür nutzen ?
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