Tiefenbacher werden auf Gift untersucht

WOOLREC Landgericht ordnet medizinisches Gutachten mit Körperproben von sechs Anwohnern an

Seit Jahren sorgen sich die Anwohner in Tiefenbach um ihre Gesundheit. Sie haben Angst auch vor Woolrec-Spätfolgen. (Archivfoto: Gross)

In knapp sechs Wochen dürfte die Ende 2012 stillgelegte Faserfirma aus dem Handelsregister gelöscht sein. Das beabsichtigt das Registergericht in Wetzlar. Für die Anwohner in Tiefenbach ist die "Skandalgeschichte" damit aber noch lange nicht vorbei.

"Die Anwohner, die sich jahrelang vergeblich über die Umweltbelastung beschwert haben, machen sich ernsthafte Sorgen über ihre langfristige Gesundheitsgefährdung und mögliche Spätfolgen", berichtet Rechtsanwalt Matthias Möller-Meinecke, der die sechs Antragsteller vertritt. Ein Jahr lang hat der Jurist für das medizinische Gutachten gekämpft. Jetzt wurde es vom Landgericht Limburg beschlossen. Danach sollen zwei medizinische Gutachter Blut-, Urin-, Spreichel- und Haarproben der sechs Anwohner auf Gifte wie Dioxin, Furanpolyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Pentachlorphenole und Schwermetalle untersuchen. Vorgeschlagen werden die Gutachter von der Landesärztekammer, die Parteien haben dann Mitspracherecht. Möller-Meinecke bewertete den Beschluss der Richter als "wichtigen Erfolg, gerade vor dem Hintergrund, dass sich sowohl die Woolrec GmbH, der Insolvenzverwalter der ehemals ebenfalls auf dem Woolrec-Gelände beheimateten IBC-Anlagen-Service GmbH, die Grundstückseigentümerin und Ehefrau des Geschäftsführers der Woolrec GmbH als auch insbesondere das Regierungspräsidium Gießen mit allen noch zulässigen Mitteln bemüht hatten, diesen Beschluss entweder zu verhindern oder zeitlich zu verzögern". Ständig habe es geheißen, dass schon genug untersucht worden und nie etwas dabei herausgekommen sei, kritisierte der Anwalt im Gespräch mit dieser Zeitung.

Gutachten soll als Beweis in einem Prozess gegen das Land Hessen verwendet werden

Möller-Meinecke verfolgt mit diesem eher selten angewandten Beweiserhebungsverfahren vor allem ein Ziel: Er will es in dem von ihm geplanten Amtshaftungsprozess gegen das Land Hessen wegen mangelnder Aufsicht einsetzen. Damit werde die Beweisaufnahme im späteren Prozess vorweggenommen.

Als Grund für diesen von ihm eingeschlagenen Weg nennt der Jurist eine "Eilbedürftigkeit". Denn nicht ausgeschlossen werden könne, dass es um Leben und Tod geht, oder dass einige der Giftstoffe in einigen Jahren nicht mehr im Körper nachzuweisen seien.


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Kommentare (4)
Man wünscht sich ja, dass nichts gefunden wird. Aber dass RP Gießen mit aller Macht versucht zu verhindern, dass die Wahrheit festgestellt wird, das ist einfach unmoralisch.
So allmählich funktioniert die Vertuschung nicht mehr. Traurig, dass die Menschen die Aufklärung der Folgen des Woolrec-Skandals nur gegen die Behörde durchsetzen können und dafür vor Gericht kämpfen müssen.
Jahrelang hat sich das RP GIeßen geweigert: Als Woolrec noch munter Tiefenbach vergiften durfte, da wurden Außenmessungen auf Schadstoffe abgelehnt, dann wurden Unterrsuchungen von Fichtennadeln auf Dioxine und mehr
Untersuchungen der Anwohner abgelehnt und dann wurde sogar vor Gericht mit aller Kraft dagegen gekämpft, dass die Anwohner untersucht werden. Man muss nicht lang überlegen, warum. Tut das eine Behörde, die immer alles richtig gemacht hat?
Ich bin mir sicher, dass die Wahrheit irgendwann ans Licht kommt, auch über so manche im RP.
Schlimm und furchtbar traurig wie das Regierungspräsidiums mit den Bürgern umgeht. Wieso wollen sie mit allen Mitteln verhindern das die Anwohner untersucht werden? Käme dann vielleicht raus was sie alles falsch gemacht mehr
haben???
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