
Jährlich fährt die Gemeinde Hüttenberg mit ihrem Hallenbad mindestens 150 000 Euro Miese alleine bei den reinen Betriebskosten ein. In Zeiten leerer Kassen kann sich die Kommune dies nicht mehr leisten und versucht, die Finanzierung und den Betrieb des Bades auf andere Füße zu stellen.

Einspringen soll dabei ab dem kommenden Jahr der neue Trägerverein. Um die Aufgabe schultern zu können, braucht der Verein nach groben Berechnungen etwa 1000 Mitglieder, die jeweils mit einem Jahresbeitrag von maximal 100 Euro die Existenz des Schwimmbads in der Hauptstraße sichern helfen.
Geht der Plan auf, dann übergibt die Gemeinde den Betrieb des Bades an den Trägerverein. Ins Hallenbad dürfen danach nur noch Vereinsmitglieder (eine Familienmitgliedschaft soll maximal 160 Euro kosten), die dann nicht mehr extra Eintritt zahlen müssen.
Seit Monaten lässt der Trägerverein kaum etwas unversucht, um die anvisierte 1000 Mitglieder in seinen Reihen zu sammeln. So wird das Anliegen zum Teil mit Humor auf Plakaten dargestellt, die im öffentlichen Raum aufgehängt werden.
Alleine von einem von Schriftführer Michael Breuer entworfenen und ausgearbeiteten Motiv mit traurigen Kindern in einem aufblasbaren Planschbecken hat der Verein fast 250 Exemplare drucken lassen, die jetzt in Schulen, Kindergärten und Geschäften in allen Hüttenberger Ortsteilen hängen. Besonders großformatig wirbt das Motiv in der Mitte der Kreisverkehrsinsel an der Rechtenbacher Hessenstraße für den Eintritt in den Trägerverein.
Der Einsatz der fleißigen Werber zahlt sich mittlerweile aus: Nachdem die Mitgliederzahl im Sommer länger bei etwa 400 stagnierte, geht es jetzt deutlich aufwärts. Aktuell hat der Trägerverein knapp 670 Mitglieder, 333 davon sind Einzelmitgliedschaften und 309 Familienmitgliedschaften, wie Kassiererin Tatjana Friedrich berichtet. Dazu kommen noch vier Mitgliedschaften von Institutionen oder Vereinen sowie weitere gut 20 gerade erst beim Vorsitzenden Thomas Birkenstock eingegangene Anmeldungen von Bürgern.
Birkenstock freut sich, dass die meisten Bürger den Ernst der Lage erkannt haben und nun ihre Beitrittserklärungen abgeben. Schwimmbadnutzer, die weiter abwarten, riskierten den Fortbestand des Bades ohne Grund, betont der Vorsitzende, denn schon bei durchschnittlich nur einem Besuch alle zwei Wochen sei der Mitgliedsbeitrag nicht höher als die bisherigen Eintrittspreise. Und wer einmal pro Woche oder häufiger Schwimmen gehe, der profitiere von der Umstellung auch finanziell deutlich.
Der Beitrag werde außerdem erst fällig, wenn der Trägerverein das Hallenbad wirklich übernimmt. Für Birkenstock sind die 1000 angestrebten Mitglieder vor allem als ein Ansporn zu verstehen. "Wir brauchen nicht eine bestimmte Mitgliederzahl, wir brauchen eine bestimmte Summe, die der Trägerverein aufbringen muss", sagt der Vorsitzende. Er geht davon aus, dass der neue Verein etwa 750 Mitglieder werben kann. "Das ist unser Ziel."
Jetzt gelte es, alle noch zaudernden Bürger zum Beitritt zu motivieren, denn: "Wir haben schon ziemlich viel erreicht, sind aber von unserem Ziel noch einen Schritt entfernt. Wir hoffen, dass auch die Leute, die jetzt noch zögern, ihre Beitrittserklärung jetzt möglichst bald abgeben."
In der Hüttenberger Gemeindeverwaltung in Rechtenbach werden gleichzeitig verschiedene Finanzierungsmodelle für das Hallenbad durchgerechnet. Als Leiter der Abteilung Zentrale Dienste macht sich Markus Stein darüber Gedanken, wie die Kommune ein Schwimmbad weiter betreiben kann, wenn ihr finanziell das Wasser bis zum Hals stehen sollte. Auch für Stein sind die oft beschworenen 1000 Mitglieder im Trägerverein dabei nicht ausschlaggebend. Viel wichtiger seien die mindestens 80 000 Euro jährlicher Zuschuss vom Verein, die von den Hüttenberger Parlamentariern im Rahmen der so genannten Weidenhäuser Beschlüsse eingefordert worden seien.
Stein ist bei der praktischen Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Trägerverein flexibel. War ursprünglich immer die Rede davon, dass die Gemeinde von den beiden mit Abstand größten Kostenfaktoren das Personal bei sich behält und der Verein die Energiekosten aufbringt, kann er sich das auch umgekehrt vorstellen. Vorteil wären, dass die Gemeinde dann die Mehrwertsteuer einsparen könne. Über diese und andere Alternativen müsse man in der gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Vertretern des Trägervereins beraten. Die nächste Sitzung findet heute (Mittwoch) statt.
Auch Bürgermeister Heller (CDU) relativiert die Bedeutung der Mitgliederzahl ein wenig: "Es bedeutet nur: Wenn die Zahl ,1000' erreicht ist, dann wird auch sicher die Einsparung erreicht, die wir uns vorstellen." Aber Heller betont auch: "Über die Schließung des Bads entscheidet die Gemeindevertretung."
n Am Freitag treffen sich die Mitglieder des Trägervereins zur Versammlung
Der Bürgermeister appelliert: "Ich weiß nicht, was es noch anzuwarten gibt. Wenn das Bad am 2. Januar wirklich nicht mehr aufmacht, dann ist das Geschrei sicherlich sehr groß."
n Das Parlament entscheidet am 5. November oder spätestens am 3. Dezember über die Zukunft des Hallenbads. Am Freitag (26. Oktober) kommt der Trägerverein um 19.30 Uhr zur Mitgliederversammlung in den Bürgerstuben zusammen.
Weitere Informationen und Beitrittsformulare gibt es auf der Homepage des Trägervereins unter www.huettenberger-hallenbad.de







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