Unterschiede einfach wegtanzen

INKLUSION Erste inklusive Disco für Menschen mit und ohne Handicap war gut besucht

"After Work & All Together" war das Motto der ersten inklusiven Disco am Montag im Kulturzentrum "Franzis". Über hundert Gäste mit und ohne Behinderung trafen sich zum gemeinsamen Tanzen und Klönen. (Foto: Boller)

Zum ersten Mal hatte das Stephanus-Werk der Diakonie Lahn-Dill gemeinsam mit der Stadt Wetzlar, der Kulturloge Lahn-Dill, der Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg und dem Kulturzentrum "Franzis" zu dieser Musikveranstaltung eingeladen.

Die inklusive Disco war das Ergebnis eines Prozesses, der von Menschen mit Behinderung angestoßen wurde, die sich eine Disco wünschten, die sie selbst mitgestalten können. Denn Discobesuche sind eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Für Menschen mit einer Behinderung ist es allerdings oft nicht einfach, eine reguläre Dis-cothek zu besuchen.

Barrierefreiheit ist oft gar nicht oder an vielen Orten nur bedingt gegeben, die Freiheit, sich im Rollstuhl auf der Tanzfläche zu bewegen, erst recht nicht. Bewegtes Licht ist für viele Betroffene ebenfalls nicht geeignet.

Diese Art der Hindernisse waren aber kein Thema im Kulturzentrum "Franzis" in Wetzlar. Die Gäste fingen sofort an zu tanzen und zu feiern. Die Stimmung war nicht nur auf der Tanzfläche von Beginn an großartig.

Die DJs Dirk Bepperling von der Diakonie und Yannic Krauß von der Lebenshilfe sorgten an den Plattentellern für das passende "Discofeeling". Mit einer Mischung aus Rock und Pop, Funk und Techno sowie aktuellen Hits aus den Charts wurde jeder Musikgeschmack bedient.

Gemeinsam Spaß haben, tanzen, Hemmungen und Vorurteile ablegen

Das Zusammensein von Menschen mit und ohne Handicap sorgte zudem ganz nebenbei dafür, Vorurteile aufzulösen. Nicht-Behinderte nahmen Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen in dieser zwanglosen, entspannten Atmosphäre anders wahr und ließen die Hemmschwellen leichter hinter sich.

Den Inklusionsgedanken sah die Vorsitzende des Behindertenbeirats, Stadträtin Bärbel Keiner, an diesem Abend bestätigt: "Ich hatte Bedenken, dass nur Menschen mit Handicap kommen, aber es war schön zu sehen, dass Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam Spaß hatten." Keiner und die Behindertenbeauftragte der Stadt, Ulrike Agel, waren in Vertretung von Oberbürgermeister Manfred Wagner gekommen.

Der Sozialpädagogin im ambulant betreuten Wohnen der Lebenshilfe, Heike Grotstollen, die gemeinsam mit Bewohnern eine der treibenden Kräfte war, ging es in erster Linie darum, "eine barrierefreie Disco für Wetzlar zu schaffen.

Auch beim Preis gab es Barrierefreiheit: Weil auch die Geldfrage eine Barriere sein kann, wurde auf Eintrittsgeld komplett verzichtet.

Von Beginn an stieß die Idee auf offene Ohren und Unterstützung. Sowohl bei der Stadt Wetzlar, als auch bei Mitarbeitern des Kulturzentrums "Franzis", wo die Veranstaltung stattfand.

Die "Afterwork-Party" am frühen Abend soll es künftig regelmäßig geben. Über Tanzstile und Musikrichtungen hinweg ist jetzt jeden zweiten Montag im Monat von 18 bis 22 Uhr Disco, Tanz, Party und gute Laune angesagt. Die nächste inklusive Disco findet am Rosenmontag, 8. Februar, statt. Musik- und Tanzbegeisterte sind eingeladen, verkleidet zu kommen.


NEU: Die mittelhessen.de News-App. Jetzt kostenlos für Apple und Android laden!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2016
Kommentare (0)
Mehr aus Region Wetzlar