Wetzlar radelt hinterher

ADFC-RANKING Stadt will in Radwege und Konzept investieren
Die scharfkantigen Stahlträger ... | Foto: Lugauer

Im Ranking der Städte unter 100 000 Einwohner landete Wetzlar - bei 252 Teilnehmern - auf Rang 229 mit einem Wert von 4,22. Besser radeln lässt es sich laut ADFC in der Nachbarstadt Gießen. Sie landete mit einem Wert von 3,89 auf dem 156. Platz.

Unterdurchschnittlich ist nach Ansicht der Umfrageteilnehmer in Wetzlar unter anderem die Akzeptanz der Radler als Verkehrsteilnehmer, der Winterdienst auf Radwegen und die Führung durch Baustellen. Zudem gibt es Konflikte mit Fußgängern. Bemängelt wurden Hindernisse auf Radwegen und deren zu geringe Breite. Zudem fehlen Abstellanlagen wie sie beispielsweise am neuen Bahnhofsvorplatz installiert wurden. Auch die gute Erreichbarkeit des Stadtzentrums sahen viele für nicht gegeben. Zudem gab es Kritik an der Wegweisung.

Schon seit etlichen Jahren weist die Ortsgruppe Wetzlar des ADFC immer wieder auf Schwachstellen hin, bringt Wünsche und Forderungen in die städtischen Gremien, macht Vorschläge, wo und wie Beschilderungen und Wegführungen verbessert werden können. Zudem mahnen die Mitglieder, mehr für die Sicherheit der Radler zu tun.

Helmut Weil vom Wetzlarer ADFC-Vorstand bennent als neuralgischen Punkt unter anderem die Kreuzung Bergstraße/Frankfurter Straße. Wer hier als Radler die Fahrbahnseite wechselt lebt wahlweise gefährlich oder verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung. Auch am Friedrich-Ebert-Platz müsste eine Spur für die Radler markiert werden, damit sie problemlos Richtung Nauborn gelangen.

Einen Widerspruch zwischen der Beschilderung durch die Stadt und der Straßenverkehrsordnung sieht der ADFC im Bereich Buderusplatz/Karl-Kellner-Ring.

Die Stadt meint, Radtouristen unterwegs auf dem Lahnradweg R 7 aus Richtung Inselstraße könnten problemlos den linksseitigen Radweg bis zum Union-Kaufhaus nutzen, um dann wieder zur Lahn zu gelangen. Das geht aber nach Ansicht des ADFC nur, wenn das Zusatzzeichen "Radverkehr frei" angebracht wird.

Generell sorgt dieser Bereich durch Wegeführung und Beschilderung immer wieder für Verwirrung bei den Radtouristen. An der Eisenbahnbrücke, auch das ein ADFC-Kritikpunkt, befindet sich zwar ein Schild (1,8 Meter Höhe) und erfahrungsgemäß können sogar sehr groß gewachsene Radler in normaler Haltung die Stelle durchfahren. Gerade bei Ortsfremden und bei schlechtem Wetter ist aber ein Aufrichten just an dieser Stelle höchst gefährlich. Die scharfen Kanten wirken auf jeden Radtouristen höchst bedrohlich, was auch während einer Kontrollbefahrung der hessischen Radfernwege vom ADFC Hessen bemängelt wurde. Ein in Warnfarben lackiertes Polster würde hier Abhilfe schaffen.

Wetzlar liegt hinter Gießen und vor Marburg

Das Auf und Ab in Wetzlar bedingt durch die topografische Lage macht das Radeln generell nicht so komfortabel wie beispielsweise auf Sylt. Dennoch ließe sich, so Weil, der Weg zur Jugendherberge durch eine andere Wegführung besser meistern als bisher. Momentan leiten Schilder die Nutzer auf einem Weg, der über die Friedenstraße steil hinauf, garniert mit Hindernissen, zur Brühlsbacher Warte führt. Laut ADFC gebe es ab Brühlsbachstraße eine naturnahe Alternative mit gleichmäßiger Steigung. Weitere Infos dazu gibt es unter www.radwz.de/adfc.

Aber auch weiter lahnabwärts in der Stadt Solms, die wegen zu geringer Beteiligung nicht im ADFC-Ranking auftaucht, könnte der Radler komfortabler unterwegs sein. Momentan radelt man durch Abgase, alternativ gebe es aber eine Ausweichmöglichkeit.

Die Wetzlarer Politik kennt die Probleme und die Wünsche der Radfahrer - und will Verbesserungen. Bereits zum Hessentag wurde kräftig in neue Radwege investiert.

Auch der jüngst verabschiedete Haushalt für dieses Jahr hat eine radlerfreundliche Komponente. Rund 500 000 Euro, so Sportdezernent und Bürgermeister Manfred Wagner (SPD), stehen zur Verfügung. Das Geld ist unter anderem bestimmt für die Erarbeitung eines Fahrradkonzepts. Es soll ämterübergreifend touristische und breitensportliche Aspekte berücksichtigen. Auch soll es leichter werden, mit dem Rad zur Arbeitsstelle zu kommen. Lücken im Radwegenetz sollen geschlossen werden, die Beschilderung wird optimiert, ebenso die Verbindung von Dalheim zum Dillfeld. Die Rad-Mitnahme im öffentlichen Personennahverkehr steht ebenfalls auf der Agenda. Wagner verwies auch auf den Auftrag des Parlaments an den Magistrat, eine Stelle für einen ehrenamtlichen Radverkehrsbeauftragten zu schaffen.

Dass es sich auszahlt, in den Radverkehr zu investieren, zeigen laut ADFC Städte wie Frankfurt und Kassel. Durch systematische Radverkehrsförderung steigen dort immer mehr Personen auf das Fahrrad.

Übrigens: Etwas besser als Wetzlar schnitten die anderen Lahn-Dill-Kreis-Städte Dillenburg (163) und Herborn (182) ab. Und: Die Universitätsstadt Marburg landete mit einem Wert von 4,28 auf Rang 237.

Link zum Thema
Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2013
Dokument erstellt am 13.02.2013 um 16:39:00 Uhr
Letzte Änderung am 14.02.2013 um 13:54:10 Uhr
Kommentare (0)
Facebook Kommentare
Mehr aus Region Wetzlar
Orte
Wählen Sie Ihren Ort
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Verlagsbeilagen

Obduktion ergibt keine Hinweise auf Gewalteinwirkung: Vermisster Andreas Kleiber ertrank in der Dill

Herborn (red). Der Tote in der Dill, den Angler am 4. Mai bei Herborn fanden, ist der seit dem 26. April vermisste ... mehr

ERKLÄRUNG Kritiker sollen seine Familie außen vor lassen: Klingelhöfer entschuldigt sich

Mittenaar-Bicken. Gerrit Klingelhöfer bricht sein Schweigen: Der parteilose Mittenaarer Bürgermeister, gegen den die ... mehr

"FALL KLINGELHÖFER" "Zum Teil verjährt": Braun: Schaden liegt bei 65.000 Euro

Mittenaar-Bicken/Ehringshausen (jöw). 65.000 Euro - so viel Geld soll Mittenaars heutiger Bürgermeister Gerrit ... mehr

Olympiasieger Schumann: «Fuentes nie kennengelernt»

Olympiasieger Düsseldorf (dpa) - Olympiasieger Nils Schumann hat 13 Jahre nach seinem Triumph bei den Sommerspielen 2000 in Sydney ... mehr

12 000 Tickets für das Pokalfinale der Frauen verkauft

Pokal-Botschafter Köln (dpa) - Für das Pokalfinale der Frauen am Pfingstsonntag sind bislang 12 000 Tickets verkauft worden. Dies ... mehr

Fünf Personen aus brennendem Haus gerettet

Gladenbach-Mornshausen. Ein Wohnhausbrand im Gladenbacher Stadtteil Mornshausen hat Dienstagmittag ein Großaufgebot ... mehr
Die Frühlingsfotos unserer Leser
Wetter in Wetzlar
Heute
wolkig
19°
Sonne
05:34 Uhr
21:12 Uhr
Regen
10%
Wind
7km/h
aus S