
Eigentlich, so erzählt der Katzenfurter zu Hause in seinem Arbeitszimmer, wollte der örtliche Verein für Heimatgeschichte nur "mehr Action", sich einem breiten Publikum präsentieren und den Menschen einen besonderen Service anbieten: die Übertragung alter Handschriften ins Neudeutsche.

Und da war Kopp die erste Adresse. Er hatte vor zwölf Jahren mit der Familienforschung begonnen und ist seitdem auch in der regionalen Genealogischen Arbeitsgemeinschaft aktiv.
Um die dazugehörigen Urkunden zu verstehen, musste er die Schriften lesen können, in denen sie abgefasst sind. Und so begann es. Dann fragte jemand bei ihm an, ob er auch ein bestimmtes Familiendokument aus alten Tagen lesen kann.
Kopp hat sich reingekniet, sich nach und nach diverse Schriften, vor allem altdeutsche, angeeignet. "Da ist das Sütterlin die jüngste."
Sicherlich, der Heimatforscher hat nicht alles im Kopf. Aber er weiß, wo er nachschlagen kann. Dafür steht ihm eine umfangreiche Bibliothek zur Verfügung, gleich gegenüber dem Schreibtisch. Denn auf dem Weg zum Erfolg lauern allerlei Stolpersteine. Abkürzungen etwa, die heutzutage ungebräuchlich sind. Zum Glück gibt es ein Fachlexikon mit 27 000 Begriffen.
Oder lateinische Worte irritieren, zudem sie oft auch noch falsch geschrieben sind. Da braucht es mitunter Fantasie, sie zu verstehen.
Auch "ausgestorbene" Worte und Redewendungen machen Arbeit. Oder Begriffe wie "Mayer" für Verwalter. Mayer mit y, ai oder ei? "Ist egal", meint der Fachmann, "es wurde eh’ meistens lautmalerisch notiert, es gab keinen Duden oder so."
"Aber", schränkt er ein, "entscheidend ist, dass man sich in die Art zu schreiben hineinarbeiten, sie verinnerlichen muss." Mehrere Anläufe sind oft nötig, bis "es" klappt und er etwas übersetzen kann; ja, übersetzen, denn manchmal sei es so, als hätte man es mit einer Fremdsprache zu tun.
Der 20 Seiten starke Text von Pfarrer Henn aus Greifenstein über den Ersten Weltkrieg war so ein Fall. "Am Anfang saß ich davor wie das Kind vorm Dreck", sagt der 79-Jährige. Zumal, "wenn jemand so eine Klaue hatte". Aber dann hat er sich reingearbeitet und am Ende war es nur ein Wort, das er nicht deuten konnte.
n Viele Schätze gehen verloren, weil man die alten Texte nicht mehr lesen kann
Wobei: Nicht immer ist die schöne Schrift auch am besten lesbar, stellt Kopp fest und zeigt ein Blatt, beschrieben mit einer gestochen scharfen Handschrift. Der Inhalt? "Den kennt nur er", verweist Kopp achselzuckend auf den Schreiber .
Heute ist der Katzenfurter in Kirchenbüchern ab 1630 zu Hause, weiß etwa, was da am 10. Juni 1680 eingetragen wurde. Es geht um den Tod des Johann Seibhard von Daubhausen, er wäre "beinahe 100 Jahre" alt geworden; "ein schönes Alter zu dieser Zeit", steht da. Nun, das gilt heute auch noch.
Der agile Rentner hat sich in die Solmser Gerichts- und Landordnung - im Nachdruck von 1773 - ebenso vertieft wie ins Protokoll einer Gemeinderatsversammlung des Bürgermeisteramtes Aßlar, das den Sitz in Ehringshausen hatte. Am 20. August 1826 haben die hohen Herren getagt und wichtige Beschlüsse gefasst.
Den Familienstammbaum der Huttels hat er auch ergründet; oder besser den der Hodels, wie sich der Ahnherr 1631 noch schrieb. Da wird berichtet: "Uff Montag den 24. October 1631" (ließ) "Ulrich Hodel dem Wäber, Cristina siner Ehefrouwen Einen Sohn toufft: Johannes." Gewiss, wenn man weiß, was dort in verschlungenen Krakeleien steht, ist es auch für den Laien nachvollziehbar.
Leider, leider, so Kopp. Denn weil immer weniger Menschen diese Schriften lesen können, werden oft Briefe, Dokumente weggeworfen, ohne zu wissen, was es ist. "Manch kleiner Schatz dürfte so verloren gehen", bedauert der Schriftkundler.
Spricht’s, wirft einen kurzen Blick auf die Notizen des Besuchers und meint: "Auch in die könnte ich mich mit der Zeit einlesen." Nun, das wäre im Fall der Fälle ebenso hilfreich wie spannend. Denn wenn die Notizen nicht schnell genug "ins Reine" gebracht werden, fällt es auch dem Verfasser schwer, noch alles richtig zu lesen...
Kopp reagiert prompt und irgendwie klingt es triumphierend: "Da sehen Sie mal, wie schwer das ist, wenn etwas vor 400 Jahren geschrieben wurde ..."
n Kontakt: & (0 64 49) 3 81.







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