Insgesamt konnten sie etwa 80 Meter neue Höhlenbereiche und Gänge erkunden, nachdem sie in den vergangenen Wochen zunächst den Einstieg in die Halle gesichert hatten. In diesem Schlot war im November vergangenen Jahres der Vorsitzende des Vereins eingeklemmt worden und konnte erst nach vielen Stunden von den Rettungskräften unverletzt befreit werden.
Trotz des glimpflichen Ausgangs hatten die Forscher die Erkundung an dieser Stelle zunächst eingestellt, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Allerdings schien ihnen gerade dieser Schlot als besonders vielversprechend auf der Suche nach einer Fortsetzung des Höhlensystems, wie der Uckersdorfer Ingo Dorsten gestern bei der Bekanntgabe der Entdeckung erklärte: Der Schlot, der einige Meter nach oben führt, habe sich "als besonders höffig" gezeigt, sagte er unter Verwendung eines alten Begriffs aus der Bergmannsprache, der vom Wort "hoffen" abstammt. Deshalb haben die Mitglieder der Speläologischen Arbeitsgemeinschaft Hessen an mehreren Wochenenden im Sommer, als die Wasserverhältnisse in der Höhle die weitere Erforschung zuließen, einige Zentner Zement mit Steinen zu stabilen Stützmauern verarbeitet, die laut Dorsten einen sicheren Durchstieg möglich machen sollten.
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Der Schlot liegt im westlichen Bereich des Höhlensystems in einem Teil, den die Forscher erst im Herbst vergangenen Jahres nach jahrelanger Grabungsarbeit entdeckt hatten. Der damals vorgefundene Gangabschnitt, der bis zu 15 Meter hoch und fünf Meter breit ist, endete in einer großen Halle, in der große Felsblöcke den Weg versperrten. Diese in der Fachsprache als "Verbruch" bezeichnete Auffüllung erschien den Forschern zunächst unüberwindlich. Erst nachdem sie die Lage dieser Bereiche vermessen hatten, konnten sie gezielt nach möglichen Fortsetzungen suchen.
Schon während der Sicherungsarbeiten an dem Durchstieg wurde den Forschern klar, dass sich wenige Meter oberhalb dieses Schlotes eine größere Halle befinden musste: "Es hallte wie in einem großen Kirchenschiff, wenn man laut hinein rief", sagte Oliver Heil, der an den Arbeiten maßgeblich beteiligt war. "Uns allen war klar, das da oben ein großer Hohlraum sein muss." Am Samstag wagte sich ein siebenköpfiges Forscherteam unter Leitung von Ingo Dorsten dann an den Durchstieg und wurde für die mühevolle Arbeit belohnt: Sie standen am Grund einer riesigen Halle, deren Ende ihre hellen Helmlampen kaum erfassen konnten.
Wie kommt 13 000 Jahre alte Vulkan-Asche in die Höhle?
Nachdem die Gruppe eine fünf Meter hohe senkrechte Wand mit Hilfe eines Bohrhammers und Bergseilen sicher bestiegen hatte, konnten die sechs Männer und eine Frau mit der Erkundung des "Neulandes", wie sie es nennen, beginnen. Dabei achteten sie besonders darauf, dass sie die empfindlichen Lehm- und Tropfstein-Formationen nicht beschädigten: Schließlich sind sie seit vielen Millionen Jahren die ersten Menschen, die ihren Fuß in diese unbekannte Welt setzen. "Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man bei solch einer Entdeckung dabei sein darf", berichtete Annette Dorsten, die schon seit zehn Jahren die Breitscheider Höhlen erforscht.
Wie schon in anderen Bereichen des Herbstlabyrinth-Adventhöhlensystems fanden die Forscher in der Halle große Mengen vulkanischer Asche und Bims, die vom letzten großen Vulkanausbruch in der Eifel vor rund 13 000 Jahren stammen, dem sogenannten Laacher-See-Ausbruch. Außerdem seien große Basaltgerölle vorhanden - besonders interessant, weil sie nach Meinung der Experten wie der Bims einst von der Oberfläche eingespült worden sein müssen, was für einen ehemals vorhandenen direkten Zugang spricht, der allerdings heute nicht mehr zu erkennen ist. "Alles Weitere wird die jetzt folgende Vermessung zeigen", sagte Dorsten zum weiteren Vorgehen. "Wir müssen erst feststellen, in welcher Lage dieser neue Teil der Höhle zu dem Rest liegt. Erst dann können wir abschätzen, wo möglicherweise weitere Fortsetzungen existieren", erklärte der Höhlenforscher. Ohnehin würden mit jeder neuen Entdeckung eine Fülle wissenschaftlicher Fragen aufgeworfen, die erst nach und nach beantwortet werden könnten. Gerade deshalb und nach den Erlebnissen dieses Wochenendes ist das Herbstlabyrinth - Adventhöhlensystem eine der spannendsten Höhlen in Deutschland, die auch in Zukunft noch viele Überraschungen bereithält.























