Obwohl wie üblich die Polizei mit vor Ort war, brauchten die Beamten nicht einzugreifen. Die Besitzer der Pferde waren zwar kurzfristig über die Aktion informiert, zogen es aber offensichtlich vor, bei der Hitze lieber zuhause zu bleiben. Die zurzeit vorherrschenden hochsommerlichen Temperaturen in Verbindung mit jahrelangen Ermahnungen gaben denn auch letzten Endes den Ausschlag für die amtliche Beschlagnahmung. Tierpflegerin Annett Hoffmann weiß schon gar nicht mehr wie oft sie die Besitzer der Ponys besucht hat, um sich von deren Pflege und Haltung ein Bild zu machen. "Es waren immer die gleichen Situationen", so die Veterinäramts-Mitarbeiterin. Entweder waren die Hufe in einem katastrophalen Zustand, kein ausreichend und sauberes Trinkwasser vorhanden, oder die Tiere standen in sengender Sonne, ohne jede Möglichkeit sich im Schatten vor dieser Dauerbestrahlung und Mücken schützen zu können.
Ermahnungen nutzten nichts
Genau dieses Bild veranlasste zum Wochenanfang Amtsleiter Joachim Stumpf den Startschuss für die Wegnahme zu geben. Da einige der Tiere auch unter Hufrehe litten und deshalb der besonderen Betreuung durch Hufpfleger bedürfen, und eine der armseligen Kreaturen bis auf die Kochen abgemagert war, schien Eile Geboten. Dazu kam, dass drei dominante Stuten den einzigen und viel zu schmalen Zugang zu den halbverfallen Ställen blockierten und so dem Rest der Herde nichts anderes übrig blieb als auf der schattenlosen Weide zu campieren. Claudia Eggert machte deutlich, dass jedes Weidetier eine Unterstellmöglichkeit dringend braucht und falls vorhanden auch garantiert annimmt. Nicht der Regen sei das Problem, sondern die Sonne. Das gelte natürlich auch für andere Weidetiere. Dass die sogenannten Robustrassen wie beispielsweise schottische Rinder oder Island-Pferde darauf locker verzichten könnten, sei ausgesprochener Quatsch. Wenn sie eine solche, im Übrigen strafbare Haltung irgendwo erkenne, setze sie erstmal auf die Einsicht der Besitzer. Wenn dies nichts fruchte, führe deren Verweigerungshaltung wie hier bei der Westerwälder Herde bis zur Wegnahme der Tiere und unter Umständen zu gerichtlich verhängtem Tierhaltungsverbot und einer saftigen Geldbuße. Wir bleiben dran, versprach die Veterinärin "wenn es um das Wohl der Tiere geht, gibt es keine Toleranz".
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