Am 23. August 1910 ließen sich die Schwager Christian Balzer und Adolf Nassauer mit der offenen Handelsgesellschaft Balzer u. Nassauer oHG ins Handelsregister des Herborner Amtsgerichts eintragen. Dem voraus ging der Erwerb von Gebäuden und Grundstücken an der damaligen Dillstraße 27 (heute Walter Rathenau-Straße).
Ursprünglich habe man überlegt, den Familienbetrieb in Dillenburg anzusiedeln, berichtet der ehemalige Geschäftsführer Karl Pape in der Firmenchronik. Das rege Geschäftsleben in Herborn und die Tatsache, dass zwei Eisenbahn-Nebenstrecken in die Hauptstrecke Siegen-Frankfurt mündeten, habe letztlich den Ausschlag für die Bärenstadt gegeben.
Adolf Nassauer nahm mit zwei Pferden den Fuhrbetrieb auf und transportierte das Material direkt an die Baustelle, was eine für die damalige Zeit revolutionäre Geschäftsidee war. Bereits ein Jahr nach der Firmengründung fehlte es an Lagerplatz, so dass ein benachbartes Wiesenstück erworben wurde. Nachdem Firmengründer Nassauer im Ersten Weltkrieg getötet worden war, lenkte sein Kompagnon Christian Balzer die Geschicke des durch den Krieg arg gebeutelten Herborner Unternehmens.
Als Karl Pape 1919 in die Chefetage einstieg, tendierte der Lagerbestand gegen Null. Auf einen Großbrand 1930, dem Bürogebäude und Lagerhallen zum Opfer fielen, folgte die Weltwirtschaftskrise, und mit ihr kam es zum Erliegen der Bautätigkeit.
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Obwohl sich Christian Balzer unmittelbar nach dem verheerenden Feuer an den Wiederaufbau machte, hielt die Krise die Firma lange im Griff. Zum 25-jährigen Firmenbestehen 1935 wurden Installationsartikel, Sanitär-Einrichtungen und Spenglerbedarf ins Sortiment genommen.
In vierter Generation arbeiten heute 155 Mitarbeiter im Unternehmen
Im gleichen Jahr trat auch Adolf Nassauer (der Jüngere) als Teilhaber in die Firma ein, aber schon bald musste er in den Zweiten Weltkrieg ziehen, für den auch alle "feldtauglichen" Fahrzeuge requiriert wurden. Lediglich ein Lkw der Marke "Sauer" und zwei DKW blieben in Herborn.
Die verkauften Waren seien meist durch Kuh- und Pferdefuhrwerke abgeholt worden, erinnert sich Frank Nassauer, der 1952 als Lehrling in die Firma kam, später von seinem Vater Adolf II in die Führung übernommen wurde und sich erst vor zwei Jahren aus den operativen Geschäft zurückzog.
Am 7. Februar 1946 stieg die Dill über die Ufer und flutete neben der gesamten Herborner Altstadt das Firmengelände von Balzer+Nassauer, so dass das Wasser zwei Meter hoch auf dem Gelände und in den Gebäuden stand.
Gründer Christian Balzer starb 1951 81-jährig, der langjährige Prokurist Karl Pape folgte ihm, nachdem er gerade erst das Rentenalter erreicht hatte, drei Jahre später.
Der Familienbetrieb dehnte sich ständig aus, und mit der Erweiterung vergrößerte sich auch der Fuhrpark immer mehr. Ein neues Verwaltungsgebäude entstand zum 50. Geburtstag, und um die Stellung auf dem Westerwald halten zu können, wurde 1973 in Nisterau vor den Toren Bad Marienbergs eine Niederlassung mit Schwerpunkt im Sanitär- und Heizungssortiment eröffnet. Ein großflächiges Ladenlokal für die Sanitär- und Fliesenausstellung, die so genannte "Bäderstraße" in Herborns Westerwaldstraße, zog 1983 in eigene Räume auf dem Firmengelände.
Nacheinander waren auf dem nochmals vergrößerten Areal zwischen Bahn und Straße ein neues Stahllager mit drei Kranbahnen, ein Holzlager, Fliesenlager sowie Bedachungs- und Baustofflager entstanden. Schlusspunkt war ein 3600 Quadratmeter großes Sanitär und Eisenwarenlager mit Verladerampe.
Adolf Nassauer konnte das Werk noch in Augenschein nehmen, bevor er 1983 78-jährig starb. Im Jahr darauf kam es noch einmal zu einer Überschwemmung mit erheblichen Sachschäden, jedoch 1985 wurde der 75. Geburtstag volksfestartig gefeiert.
Der heutige zweite Geschäftsführer Rüdiger Nassauer trat in das Unternehmen, es entstand ein Holzlager mit Ausstellung im "Rosenwäldchen", und 1995 kam ein Stahllager in Dillenburg dazu.
Im Jubiläumsjahr präsentiert sich das Traditionsunternehmen auf 20 000 Quadratmetern mit SB-Markt und Schaugarten, einer Verkaufsstätte für Baustoffe, Holz und Eisenwaren, sowie einem Energiezentrum. 1997 eröffnete B+N in der Au ein Stahllager, seit 2008 lenken Rüdiger Nassauer und Alexander Schneider die Geschicke der Baustoffhandlung mit 155 Mitarbeitern in vierter Generation. Die Feiern haben gestern mit einer After-Work-Party für Geschäftspartner begonnen. Am Samstag (4. September) ist die Öffentlichkeit ab 9 Uhr zum Handwerkertag mit Messe geladen und tags darauf ab 10 Uhr zum "Tag der offenen Tür".








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