Auch wenn die frühere Euphorie über den europäischen Gedanken spürbar abgenommen habe, sei Europa doch auch ein Gutteil unseres Wohlstandes geschuldet, erklärte der Direktor des Europabüros des Deutschen Städte- und Gemeindebundes in Brüssel, der dort die Interessen der rund 12 500 deutschen Städte und Gemeinden vertritt. Unter der Überschrift "Herborn und Europa" zeigte der Festredner vor mehreren hundert Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Vereinswelt auf, wie viele Verbindungen es zwischen kommunaler und EU-Ebene gibt, welche Rolle sie spielen und dass sie keineswegs eine Errungenschaft der jüngeren Vergangenheit sind: Mit Blick auf die Hohe Schule und die "Corvin´sche Druckerei" mit ihrer länderübergreifenden Bedeutung könne man guten Gewissens von einer jahrhundertealten Beziehung sprechen, so Nutzenberger.
Heute seien es Firmen wie Rittal und Sell, die dank ihres hohen Exportanteils den Namen Herborns nach Europa und in die ganze Welt trügen, sagte der Lobbyist. Der hohe Anteil von 46,7 Prozent aller Beschäftigten im produzierende Gewerbe sei zudem ein großer Vorteil für die Stadt, berge aber mit dem Facharbeitermangel künftig auch Probleme.
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Nutzenberger: Bloß nicht das Geld für die Partnerschaften kürzen
Die Herborner Verwaltung komme ihrerseits kaum um Europa herum, müsse sie doch mittlerweile fast alle größeren Aufträge europaweit ausschreiben. Nutzenberger sprach sich in diesem Zusammenhang entschieden dafür aus, die Energieversorgung trotz dieser Vorgehensweise weiter in kommunaler Hand zu belassen.
Bezogen auf den Einfluss Europas auf die Umweltpolitik nannte der Direktor des Europabüros die Wasser-Rahmenrichtlinie als Beispiel, die auch das Sauerland und den Lahn-Dill-Kreis der "Flussgebietseinheit" Rhein zuweise, der als Referenz auch bezüglich der hiesigen Wasserqualität gelte.
Eindringlich appellierte Nutzenberger an die Verantwortlichen, die finanziellen Mittel für die Städte-Partnerschaften nicht zu kürzen. "Wenn man die Grundlagen austrocknet, nimmt man der kommunalen Ebene einen erheblichen Anteil der Möglichkeiten, die Völker zusammenzuführen", warnte der Referent. Ganz im Gegenteil müsse man die Vermittlung europäischer Sprachen und den Lehrlingsaustausch fördern sowie die Wirtschaft in stärkerem Maße für diese Ziele begeistern, forderte er im Verlauf der Feierstunde, die die Herborner Kantorei unter der Leitung von Regina Zimmermann-Emde mit klassischen, geistlichen und modernen Liedern angemessen feierlich gestaltete. Sogar einige historische Trinklieder gegen Ende des Programms ließen die Sänger hören.
Dass Herborn sich seiner Verantwortung für den europäischen Gedanke gerne stellt, hatte Bürgermeister Hans Benner (SPD) schon eingangs in seiner Begrüßung unterstrichen. Angesichts der Saaldekoration und der Stellwände mit Kurzvorstellungen der Herborner Partnergemeinden bedauerte das Stadtoberhaupt, dass wegen der Sparzwänge auch der ausländischen Kommunen niemand von dort zu der Feierstunde habe anreisen können. Doch auch ohne auswärtige Gäste ergaben sich nach dem offiziellen Teil viele interessante Gespräche zwischen den Besuchern - ganz im Sinne von Bürgermeister Benner und Stadtverordnetenvorsteher Jörg Michael Müller, die mit dem Empfang "bei einem Glas Sekt, ansprechender Musik und etwas Zeit für gute Gespräche" nicht nur Rückschau auf das vergangene Jahr hielten und einen Ausblick auf 2012 wagten, sondern auch das Kennenlernen und Miteinander der Bürger fördern wollten.
























