Das kleinstädtische Bürgertum ein bisschen necken, den Ordnungssinn reizen, das hat der Künstler geschafft, der es wagte, die Toiletten in der Alten Färberei zu beschmieren. Er ist sogar über sein Ziel hinaus geschossen: Das Spiel mit dem Vandalismus war in den Augen der Stadtverwaltung purer Ernst. Alles wurde ordnungsgemäß bereinigt, und somit die Stadt nun zum eigentlichen Zerstörer. Kunst oder Vandalismus, Ordnungsstifter oder Störenfried – alles eine Sache der Perspektive?
Vielleicht ein kleiner Trost für den Verein, der sich die Mühe gemacht hat, den Kieler ins beschauliche Herborn zu holen: Die Stadt hat bei der Karikatur ihrer selbst kräftig mitgewirkt. Das ist nicht nur schade für den Künstler und lustig für die Leser, das ist peinlich für Herborn. Und zwar nicht, weil da jemand mal wieder nicht Kunst von Vandalismus oder Müll unterscheiden konnte, sondern weil Absprachen getroffen und nicht eingehalten wurden.
Es fällt nicht nur schwer, den Vorschlag eines städtischen Mitarbeiters ernst zu nehmen, der Künstler könne den alten, von ihm sorgfältig verwahrten Spiegel und die Klobrille, quasi als Ersatz, mitnehmen – ganz abgesehen davon, dass es sich dabei um Eigentum der Stadt handelt. Diese kommunikative Glanzleistung macht vor allem eines offensichtlich: Da prallen Welten aufeinander, Welten, die einander anscheinend so fremd sind, dass Kommunikation kaum möglich ist, obwohl sie gerade in einem Haus der Kunst von zentraler Bedeutung sein sollte.






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