Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin befangen, denn ich besitze ein Pferd - ein altes und treues Pferd. Wir sind in den 23 Jahren, die wir uns kennen, ungezählte Kilometer durch Wälder, Felder und Wiesen geritten. Schön war das. Damals habe ich 1250 Deutsche Mark für das Pferd bezahlt. Eine Pferdesteuer gab es nie. Hätte es sie gegeben, hätten mich diese schönen Erinnerungen bei einer Steuer von 750 Euro bisher satte 17 250 Euro gekostet.
Noch gibt es eine solche Steuer nicht, und ich hoffe, dass es sie nie geben wird. Ich hoffe, dass die Stadtverordneten und Gemeindevertreter die Zusammenhänge erkennen und auf sich wirken lassen. Nicht nur wegen meines eigenen Geldbeutels.
Natürlich gibt es Pferdebesitzer, die sich die Zusatzausgabe spielend leisten könnten. Aber nur die Wenigsten sind Herrenreiter: Gerade Mädchen und junge Frauen sind die glühendsten Pferdefreunde. Viele, die sich ein Pony oder Pferd leisten, sparen sich die Anschaffung und Haltung vom Munde ab. Für die wäre es eine Strafe.
Zudem: Andere Sportarten, die die Akteure weniger Geld kosten, werden wie selbstverständlich nicht besteuert, sondern Jahr für Jahr gefördert. Es fließt mit Recht öffentliches Geld für Kunstrasenplätze und Laufbahnen. Warum aber sollten die Reitsportler nun für das Defizit in den Kassen herhalten?
Und noch eins: Im nördlichen Lahn-Dill-Kreis gibt es nur noch wenige Landwirte, in der Dillenburger Kernstadt keine einzigen mehr. Die ehemaligen Landwirtschaftsflächen, auf denen keine Pferde grasen, nimmt sich nach und nach der Schwarzdorn. Es sind so viele, dass die durchziehenden Schaf- und Ziegenherden das alleine nicht schaffen könnten. Wo man hin schaut, sieht man heute auf solchen Flächen Pferde grasen. Sollen deren Halter für ihre vierbeinigen Landschaftspfleger nun auch noch Steuern zahlen?






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