Gießens Oberbürgermeisterin saß zusammen mit drei weiteren Befürworten der Landesgartenschau (LGS) 2014 in Gießen auf der Bühne im kleinen Saal der Kongresshalle. Im Gegensatz zu vielen Protestkundgebungen auf der Straße und in der Fußgängerzone gab es im Saal fast nur Zustimmung. Unter den etwa 300 Zuhörern waren mehr als 80 Prozent Befürworter. Dies zeigte ein Meinungsbild per Handzeichen, das Moderator Klaus Pradella vor Beginn der Diskussion eingeholt hatte. Vertreter der Bürgerinitiative gegen die LGS hatten die Beteiligung an der Diskussionsrunde abgesagt und auch das Angebot, ihre Argumente auf dem Podium vorzutragen und zu vertreten, ausgeschlagen.
Absage der Gartenschau würde die Stadt 7,7 Millionen Euro kosten
Vor der Diskussion mit den Besuchern gab Michael Bassemir vom Büro der Landesgartenschau eine Einführung in den aktuellen Stand der Planung und einen Überblick über den finanziellen Rahmen. Eine Absage der LGS werde die Stadt rund 7,7 Millionen Euro kosten. Mit dem einstimmigen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, die Schau durchzuführen, und mit den großen Mehrheiten für die Folgebeschlüsse seien viele rechtsverbindliche Zusagen gegeben worden. Bei deren Wegfall werde es zu Schadenersatzforderungen kommen, erläuterte er.
Finde die LGS dagegen statt, werde es zur Sanierung des Bahnhofsvorplatzes, zur Aufwertung des Kirchenplatzes und zum Bau der seit Jahrzehnten gewünschten Brücke über die Lahn als Verbindung zwischen Nord- und Weststadt kommen, so Bassemir.
In zwei Wochen könne mit den Baumfällungen begonnen werden, da dann die Gutachten des Rechtsamts und des Hessischen Städtetags über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens, das die Bürgerinitiative "Stoppt diese Landesgartenschau" anstrebe vorliegen sollen, ergänzte Dietlind Grabe-Bolz. Sollte das Volksbegehren für unzulässig angesehen werden, werde umgehend mit den Arbeiten begonnen. Bereits in der kommenden Woche solle außerdem mit den Vorarbeiten zum Bau der Brücke über den Neuen Teich begonnen werden, so Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich. Hierbei seien noch keine Baumfällungen erforderlich, so die Dezernentin, die für die LGS federführend verantwortlich zeichnet.
"Mit jedem Tag, um den sich der Beginn der Arbeiten verzögert, verlieren wir Kapazitäten im Zeitplan zu bleiben", warnte der Geschäftsführer der LGS, Ludwig Wiemer. Zurzeit sei der Zeitplan noch problemlos einzuhalten, ergänzte er.
Auf dem Podium sprach Wilfried Behrens für den Förderverein Landesgartenschau. Der früherer Manager des größten Gießener Kaufhauses ließ keinen Zweifel daran, dass nach seiner Ansicht die Stadt einen nachhaltigen Gewinn aus der LGS ziehen werde.
"Schöne Dinge ziehen schöne Dinge an", sagte Behrens. Er kündigte an, dass der Förderverein nach dem Ende der Schau seine Aktivitäten noch verstärken werde, um die positiven Effekte zu erhalten.
Nach kurzen Statements von Mitgliedern der Parteien, die im Stadtparlament nach wie vor für die LGS eintreten, gab es die Möglichkeit zu Fragen. Den Vorwurf, die Stadt habe noch kein Baurecht für den Bereich geschaffen, konterte Heinrich Brinkmann mit dem Hinweis, dass die neuen Teiche offiziell nicht existieren, da bereits die damalige Stadtregierung im Zuge der Hessentagsvorbereitungen 1968 ohne den Segen der zuständigen Ämter gehandelt hätten.
Mit dem deutlichen Hinweis der Oberbürgermeisterin, dass der freiwillige Baustopp bei entsprechender Aussage der Gutachten beendet sei, endete die Debatte.
Die Gegner der Landesgartenschau hatten in der Diskussion an diesem Abend – bis auf eine allgemeine Ablehnung von Baumfällungen – wenig Schlüssiges zu bieten.


















