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12.02.2011, 20:40 Uhr

Rauschenberg-Schwabendorf

Schneider bleibt Antwort schuldig


Bauern diskutieren mit dem Präsidenten


Rauschenberg-Schwabendorf (ky). Über die Zukunft der Landwirtschaft in der Region haben gut 50 Landwirte auf Einladung des Kreisbauernverbandes am Freitagabend in Schwabendorf mit dem hessischen Bauernverbandspräsidenten Friedhelm Schneider diskutiert. Wiederholt kam es zu hitzigen Auseinandersetzungen.






Jungbäuerin Nadine Reichel überreicht Friedhelm Schneider einen Kaktus. Das strahlende Lächeln ist nur vordergründig, die Bauern sind unzufrieden. (Foto: Koelschtzky)zoomJungbäuerin Nadine Reichel überreicht Friedhelm Sc... | mittelhessen.de
Die Themen, die der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Erwin Koch, dem hessischen Bauernpräsidenten vorgegeben hatte, lauteten: "Wie kommen die Schweinemäster nach dem Dioxin-Skandal wieder zu kostendeckenden Preisen?" und "Milchproduktion in benachteiligten Regionen - ein Auslaufmodell?". Mit Schneiders Referat zeigten sich die beiden Gruppen von Landwirten jedoch unzufrieden.

Da Schneider betonte, der Dioxin-Skandal sei hauptsächlich ein Problem zu niedrig angesetzter Grenzwerte und einer durch die Medien aufgeheizten Stimmung, fragten die Schweinemäster, warum der hessische Bauernverband dann nicht entschiedener aufgetreten sei. "Wir wurden nicht mehr gehört", sagte Schneider. Er erklärte, es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Verbraucher bestanden.
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Diskussion gerät außer Kontrolle

Für die Schweinemäster empfahl er, auf den Export nach Asien zu setzen. Dort könnten die Schlachtbetriebe derzeit sogar das "fünfte Viertel" der Schweine-Ohren, Schwänze und Füße vermarkten, die sonst nicht verkäuflich seien.

Auf die Frage der Schweinehalter, warum sie dann so wenig Geld für ihre Schweine von den Schlachtbetrieben bekämen und jetzt sogar noch 20 Cent pro Schwein für "Werbemaßnahmen" bei den Schlachtbetrieben bleiben sollten, hatte Schneider keine Antwort. Er empfahl den Bauern, auf bessere Preise zu setzen.Eine Absage erteilte er der Forderung eines Landwirtes, der Bauernverband solle sich für eine Umverteilung der Prämien stark machen.

Der Landwirt fordert, die Gelder, die pro Hektar Fläche gezahlt werden, sollten in die sogenannte "zweite Säule" für Landschaftspflege, Naturschutzmaßnahmen und Zahlungen an benachteiligte Gebiete wie die hiesige Region umverteilt werden. Die Flächenprämie, die zudem noch höher sei in Gegenden, in denen die Bedingungen besser seien, fördere nur die Großbetriebe, so der Landwirt. "Die Flächenprämie muss bleiben", meinte dagegen Schneider kategorisch. Aus der zweiten Säule würden sich nur Kommunen und Naturschutzverbände zu bedienen suchen, "da bleibt für den Bauern nichts".

Mehrfach außer Kontrolle geriet die Diskussion erwartungsgemäß beim Thema Milch. Die Milcherzeuger aus dem Landkreis berichteten, auch die Prognose des hessischen Milchausschusses gehe davon aus, dass nach Auslaufen der Quotenregelung im Jahr 2015 in Hessen keine Milch mehr produziert werden könne. "In benachteiligten Gebieten wie hier, mit flachen Böden und Hanglagen, gibt es aber keine andere Verwertung", räumte auch Schneider ein. Er meinte, die Milcherzeuger müssten "sich besser aufstellen", um konkurrenzfähig zu bleiben.

Schneider setzt auf Export

Auch hier setzte er auf den Export, der den Milchpreis oben halten werde. Daran zweifelten die Milchviehhalter jedoch und warfen dem Bauernverband vor, die Quote, die ihren Absatz gesichert habe, ohne Gegenleistung "der Molkereiindustrie in den Rachen geworfen zu haben". Die Mehrheit der Milcherzeuger im gesamten Bauernverband sei gegen eine Aufgabe der Quote gewesen. "Aber nicht die Mehrheit der Milchmenge" konterte Schneider. "Demokratie geht immer noch nach Menschen, nicht nach Betriebsgröße", schallte es aus dem Saal. Beleidigungen flogen hin und her, bis Koch die Situation wieder beruhigen konnte.

Schneider empfahl den Bauern, der Molkereiindustrie zu vertrauen. Er verwies immer wieder auf die Mitbestimmungsrechte der Bauern in den genossenschaftlichen Molkereien. Dagegen brachten die Bauern vor, dass diese Mitbestimmung tatsächlich nicht mehr existiere. "Alles Wichtige ist in GmbHs ausgegliedert, deren Geschäftsberichte wir nie zu sehen bekommen", kritisierten sie. Es gebe keine Chance mehr für die Bauern, ihre Rechte wieder zu bekommen.

Dagegen hielt Schneider, die Bauernvertreter in den Aufsichtsräten vernachlässigten ihre Arbeit. "Dann zeigt doch mal, was ihr drauf habt. Ihr reißt immer nur das Maul auf", rief er, was zu erneuten Tumulten im Saal führte.

"Thema verfehlt - fünf. So ging das zumindest früher in der Schule", meinte schließlich ein Milcherzeuger. Zum Abschluss der Veranstaltung überreichte die Milcherzeugerin Nadine Reichel vom Jungendverband des BDM (Bundesverband Deutscher Milchviehhalter) Bauernverbandspräsident Schneider dann auch einen Kaktus.

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Dokument erstellt am 12.02.2011 um 20:42:06 Uhr
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