Der Erfinder und Gründer der "Alzpoetry" ist der New Yorker Schriftsteller Gary Glazner, der sich seit 2004 in Seniorentagesstätten in den USA engagiert. Vom 13. bis 22. Juni besucht er Deutschland, Anfang der Woche war er zusammen mit dem Marburger Poetry-Slam-Künstler Lars Ruppel in der Mittelpunktschule Breidenbach. Ruppel ist es auch, der "Alzpoetry" seit 2009 in Deutschland umsetzt.
Mithilfe von Gedichten und Liedern sollen bei den Demenzkranken Erinnerungen an einmal gelernte Verse oder Situationen geweckt werden. Die Texte ermöglichen es, einen emotionalen Zugang zu den Patienten zu finden. Mit der Idee, Schulklassen in das Projekt einzubinden, gelänge es, so Glazner, die Schüler mit den Senioren in Kontakt zu bringen und ihnen zugleich eine im Schulalltag eher ungewohnte Funktion von Gedichten zu zeigen.
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Gemeinsam besuchten er, sein Kollege Ruppel und die elf Zehntklässler die Demenzkranken - mit Zungenbrechern, Liedern und Gedichten im Gepäck, die sie zuvor im Klassenraum einstudiert hatten.
"Schmetterling" von Wilhelm Busch bekommt Geruch, Form und Farbe
Das schöne Wetter nahm Ruppel zum Anlass, mit den Demenzkranken über die Natur und ihre Erinnerungen daran zu sprechen, bevor alle gemeinsam das Lied "Alle meine Entchen" anstimmten. Einzelne Schüler rezitierten zunächst allein und dann gemeinsam mit den Senioren altbekannte Zungenbrecher. Immer wieder arbeitete Ruppel dafür, die Demenzkranken in den Gedichtvortrag einzubinden. So bat er die Heimbewohner, das von den Schülern vorgetragene Heinz Erhardt-Gedicht "Die Kuh" Zeile für Zeile nachzusprechen. Oder er ließt sich ihre schönsten Erinnerungen schildern, um daraus ein Gedicht zu improvisieren. Dass ein Gedicht nicht nur ein akustisches Erlebnis ist, wurde am Beispiel von Wilhelm Buschs "Schmetterling" deutlich. Bevor Ruppel die Reime sprach, verteilte Jan Niclas Belz Blumen an die Senioren - und das Gedicht bekam so Geruch, Form und Farbe. Zum Abschluss stimmten die jungen Leute im Kreis der Alten Schillers "Ode an die Freude" an, bevor sie den Heimweg antraten.
Bei den Zehntklässler kam der Ausflug ins Haus Maria gut an. Das sei einfach etwas anderes als der gewohnte Schulalltag, so die einhellige Meinung derjenigen, die zum ersten Jahrgang an der MPS gehören, der den Realschulabschluss macht. "Mir hat der Besuch gut gefallen, besonders, weil ich auch bald diesen Weg einschlagen werde", sagte beispielsweise Anita Reimer. Sie will nach dem Schulabschluss eine Ausbildung zur Altenpflegerin beginnen.
Auch Schulleiterin Petra Caspers-Naujoks, die an Lars Ruppel herangetreten war und die "Alzpoetry" im Haus Maria initiiert hatte, zeigte sich von dem Projekt sehr angetan und hofft. Sie hofft, dass Workshop und Heimbesuch in den nächsten Jahren wiederholt werden können.







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