Dass andere Parteien keinen Gegenkandidaten aufgestellt haben – von den Gründen einmal völlig abgesehen – ist ihr gutes Recht. Doch zerstört es den Urgedanken der Demokratie. Frei übersetzt heißt Demokratie: Die Macht liegt beim Volk. Im Falle Lohra aber hat das Volk fast keine Wahl. Und das mag zurecht für Wahlverdrossenheit sorgen. Die Bürgermeisterwahl in Bad Endbach hat demonstriert, was das für die Wahlbeteiligung bedeuten kann: Nicht einmal ein Viertel der Wahlberechtigten ging zur Urne. Ein Alptraum für jeden Demokraten. Noch schlimmer wäre es, wenn aufgrund der geringen Mobilisierung in einem Wahlkampf, der keiner ist, mehr Wähler gegen als für Gaul votieren würden. Dann folgt eine Neuwahl. Die drückt auf den Geldbeutel einer ohnehin schon klammen Kommune.
Dabei beweist die politische Landschaft in Lohra durchaus Kampfeswillen. Als Beispiel sei hier nur die Debatte um die Vergabe der Stromkonzession genannt, die sich nun fast schon endlos hinzieht. Ihre Basisaufgabe, für politische Vielfalt, für Wahlmöglichkeiten in einer Demokratie zu sorgen, haben die einzelnen Parteien in Lohra dagegen nicht wahrgenommen. Das Argument, man sei mit Gauls Arbeit zufrieden, zieht hier nicht. Denn das Selbstverständnis einer politischen Partei sollte sein: Wir können es noch besser.
Nun sind die Bürger am Zug. Sie müssen den Parteien zeigen, dass sie Demokratie vorleben. Mit einem klaren Votum. Nicht Pro oder Contra Gaul. Sondern mit dem Gang zur Urne. In der Hoffnung, dass sie beim nächsten Urnengang wieder eine echte Wahl haben.






Kommentare (8)




Volker Macha: "Mut den Namen auszuschreiben" ist gut, es wäre geradezu tollkühn und riecht schon von hier aus nach Verfolgung, wo das offensichtliche Vernügen daran bereits latent ausgebaut zu sein scheint..
Meinungen werden sich nicht dadurch ändern lassen, daß man seiner Namen habhaft wird, sondern durch mehr Bodenhaftung und direkterer Beteiligung der Menschen, um die es geht. Wir brauchen keine Anwälte, Lehrer und Physiker in der Politik, sondern ein paritätisches Gremium, das beratend zur Seite steht, damit die Philosophie und Ausrichtung neu definiert werden kann: Was sind die Staatsziele? Nach meiner Meinung ist das oberste Ziel das Wohl der Familie, dem Hort der Menschen - dem sich alles unterzuordnen hat, auch und erst recht die Unternehmen und das Kapital, das durch Lobbyismus und Gewogenheiten alles korrumpiert und den Spieß so umdreht, daß der Schwanz mit dem Hund wedelt: Heute haben 5-10% der Bevölkerung mehr zu sagen als der "Rest" von 90% der Wähler, weil immer die gleichen Leute aufgestellt werden, die nebenbei in den Aufsichtsräten hocken - den Rest an "Deomokratie" machen Koalitionen perdue und schräge Gepflechte, wie "Schwesterparteien".