2011 war für Matthias Carras ein Jahr, das Neues gebracht hat - nicht nur privat.
Anfang Oktober ist sein sechstes Studioalbum erschienen, "Ansonsten gehts mir gut" heißt es. Acht Titel darauf hat er selbst geschrieben, zum ersten Mal in seiner Karriere. "Das war eine Riesenherausforderung für mich", sagt er. Eine, die er in seinen Augen gemeistert hat. "Das Album ist dadurch ehrlicher geworden", lautet sein Fazit. "Ausgereifter und erwachsener" würden viele sagen. Texte und Musik seien meist parallel entstanden, auf längeren Autofahrten zum Beispiel. "Wenn ich die Melodie dann zuhause noch wusste, konnte sie ja nicht ganz schlecht sein", sagt der 47-Jährige und lacht.
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Auf das Album folgte im Herbst eine Promotion-Tour: Autogramme geben in großen Elektronikmärkten, die CD bei Radiosendern vorstellen, Auftritte, Auftritte, Auftritte. Bis kurz vor Weihnachten war Matthias Carras unterwegs.
Sein Alltag ist anders als bei den meisten Menschen. Und der 47-Jährige möchte es genau so haben. "Wenn jeder Tag gleich ablaufen würde, würde mich das schrecklich langweilen." Er brauche die Abwechslung, müsse auf der Bühne stehen. "Sonst werde ich unleidlich."
Matthias Carras heißt eigentlich Matthias Blöcher, ist in Wehrda geboren und in Wallau aufgewachsen. "Carras" sei zwar ein Künstlername, klar, aber nicht gänzlich aus der Luft gegriffen. "Es ist der Mädchenname meiner Mutter", sagt der Sänger.
Seine Karriere beginnt Anfang der 90er Jahre. 1991 veröffentlicht er seine erste Single, ein Jahr später ist er Gast in der ZDF-Sendung "Schlager `92" mit Dieter Thomas Heck. Erinnern kann er sich noch sehr gut daran, sagt er. "Ich als absoluter Neuling stand auf derselben Bühne wie Karat". Fürchterlich aufgeregt sei er gewesen. Etwas, das sich bis heute noch richtig gelegt habe. "Lampenfieber habe ich immer", sagt Carras. Ob ihm 100 oder 10 000 Menschen zuschauten, spiele dabei keine Rolle.
Am 28. August kommt im gleichen Jahr die Single "Ich bin dein Co-Pilot" heraus. "Und dann gings ab", sagt der Sänger. Er fährt von Auftritt zu Auftritt, ist Gast in der ZDF-Hitparade, veröffentlicht sein erstes Album. Seinen Beruf als Einzelhandelskaufmann gibt er auf, um sich ganz der Musik zu widmen.
Eine Phase tiefen Zweifels ist jetzt überwunden
Doch mit dem Erfolg kommen auch die Zweifel. "Ich habe mich oft gefragt, ob ich die Erwartungen erfüllen kann, die an mich gestellt wurden", sagt er. Wie viel von Matthias Blöcher steckt in Matthias Carras? "Wer bin ich eigentlich?" Der Entschluss aufzuhören mit allem - er habe ihn an vielen Abenden gefasst. In die Tat umgesetzt hat er ihn nicht."Mir war immer klar, dass das, was ich mache, auch das ist, was ich machen will", sagt der 47-Jährige. Also ändert er das, was ihn stört. "Ich habe mir viele Sachen nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Schließlich muss ich auf der Bühne stehen und die Texte repräsentieren, kein anderer."
Seit ein paar Monaten habe er das Gefühl, "dass die Talsohle durchschritten ist, in jeglicher Hinsicht". Für Februar stehen 14 Auftritte fest, die meisten im Ruhrgebiet. Dort werde er auch oft auf der Straße angesprochen und müsse Autogramme geben. Oft auf nackter Haut, einmal auch im Supermarkt auf einer Banane. "Gehört dazu", sagt der 47-Jährige und grinst.
Im Großen und Ganzen sei er zufrieden, wenn er zurückschaue, sagt Matthias Carras. Vieles - wie die Moderation bei einem Privatsender - hätte er lassen sollen. Musikalisch würde er aber immer wieder die Schlager-Richtung wählen. "In Deutschland verbindet man Schlager immer noch mit den Flippers", sagt Carras. Zu unrecht, wie der 47-Jährige findet. "Wenn meine Titel englische Texte hätten, würde man sie in den internationalen Charts finden."
Etwa 200 Tage im Jahr ist er unterwegs, meist in kleineren Sälen, immer ganz nah an seinen Anhängern. Den harten Kern - um die 60 Damen - kenne er mittlerweile mit Namen. Und wenn er mal einen Texthänger hat, "muss ich nur der ersten Reihe auf die Lippen schauen". Seine Fans könnten nicht nur alle Lieder, sondern auch die Anmoderationen auswendig.
Wenn Matthias Carras zuhause in Biedenkopf ist, verbringt er täglich drei bis vier Stunden vorm Computer: Fanarbeit. Bei facebook hat er drei Profile, eins bei wer-kennt-wen. Insgesamt ist er mit über 25 000 Menschen befreundet. "Ich versuche, alle Anfragen persönlich zu beantworten", erzählt der 47-Jährige. Manchmal arte das schon in Stress aus. Allein zu seinem Geburtstag im Dezember habe er 3000 Glückwünsche bekommen. Sich bei allen persönlich zu bedanken - "unmöglich".
Seine Fans kommen aus dem gesamten Bundesgebiet, sogar aus Frankreich und Australien habe er schon Post bekommen. Die Schattenseiten hat er allerdings auch kennen gelernt. Als sein jüngster Sohn noch klein war, campierte eine Frau drei Tage im Auto vorm Haus. "Das war nicht spaßig", erinnert er sich. Es gab Zeiten, da musste er seine Handynummer alle sechs Wochen wechseln.
Seit Ende letzten Jahres ist privat noch ein Termin dazugekommen. Enkelkind Leni besucht den 47-Jährigen nämlich mehrmals die Woche. An diesen Tagen haben die Fans allerdings das Nachsehen. "Dann bleibt der Computer nämlich aus", versichert Carras.




















