Den Dialekt bewahren, alte Handwerksgeräte für die Nachwelt erhalten, die Heimatgeschichte dokumentieren - dies sind einige Beweggründe, warum sich Helmut Bernhardt seit mehr als einem Vierteljahrhundert ehrenamtlich in Weidenhausen engagiert und in dieser Zeit zusammen mit seinen Kollegen vom Heimatverein Bemerkenswertes auf die Beine gestellt hat.
Der gebürtige Frankenbacher zog nach seiner Heirat 1961 in den heutigen Gladenbacher Stadtteil. Drei Jahre später begann er seine Tätigkeit bei den Burger Eisenwerken in Herborn. Dort war er bis 1997 für die Entwicklung, Konstruktion, Prüfung und Zertifizierung von Juno-Produkten zuständig.
Seit 1984 hängt sein Herz am Heimatverein. "Der ist sozusagen in unserem Esszimmer entstanden, dort fand die dritte Sitzung statt", erinnert sich Helmut Bernhardt. Auch die Einladung zur ersten Vorstandssitzung der "Heimatfreunde Weidenhausen" - so der damalige Name - hat er aufgehoben. Die Vereinsgründung sei ein schönes Erlebnis gewesen. "Innerhalb kürzester Zeit hatten wir 130 Mitglieder, mit einem solchen Zuspruch hatte keine gerechnet", erzählt der 75-Jährige.
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Die Brauchtumspfleger übernahmen sogleich Verantwortung. Weil alle anderen Ortsvereine das finanzielle Risiko scheuten, organisierte der Heimatverein in Eigenregie die 1986 anstehende 650-Jahr-Feier von Weidenhausen. Die Euphorie sei damals sehr groß gewesen, ein "richtiger Ruck" sei durchs Dorf gegangen.
"Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass wir das Fest so positiv abgeschlossen haben", erzählt Bernhardt. Die Vorbereitungen hätten allen Beteiligten sehr viel abverlangt. In dieser Zeit sei er kaum Zuhause gewesen.
"Bei all unseren Projekten steht immer das Wir im Vordergrund, ohne Teamarbeit gibt es keinen Erfolg", betont Bernhardt. Das habe sich vor allem bei der Realisierung des Regionalmuseums gezeigt. Viele Tausend Arbeitsstunden steckten die Helfer des Heimatvereins in den Umbau der alten Hofreite aus dem 18. Jahrhundert.
Sechs große Ordner voll mit Akten über das ehrgeizige Vorhaben stehen mittlerweile bei Bernhardt zu Hause. "Das Museumsprojekt hat von der Entstehung bis heute drei Bürgermeister erlebt", erzählt der 75-Jährige. Bereits Ende der 80er Jahre sei er bei Siegfried Dellnitz im Rathaus vorstellig gewesen und habe nach Möglichkeiten der Umsetzung gefragt. Bis zum ersten Spatenstich mussten die Heimatfreunde jedoch noch viel Überzeugungsarbeit leisten und Durchhaltevermögen beweisen.Regionalmuseum in Weidenhausen wird seit der Eröffnung 2008 gut angenommen
Die Idee für ein Museum, das die Entwicklung von Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie im südlichen Hinterland seit dem 19. Jahrhundert dokumentieren soll, entstand bereits kurz nach der 650-Jahr-Feier von Weidenhausen. "Wir hatten dazu eine wunderschöne Ausstellung mit alten Exponaten konzipiert", erinnert sich Bernhardt. Bei Organisatoren und Besuchern kam daraufhin der Wunsch auf, die Leihgaben möglichst auf Dauer sichtbar zu machen.
Nach der Jubiläumsfeier sei jedoch ein "luftleerer Raum" entstanden. "Wir haben nur Absagen für unsere Idee bekommen", so Bernhardt. Selbst ein Museumskonzept auf wissenschaftlicher Basis sowie zwei Symposien mit vielen Fachleuten führte nicht zum gewünschten Ziel. "Als die Gretchenfrage gestellt wurde, wer Geld dafür hat, haben alle nur den Kopf gesenkt", erzählt der Vorsitzende.In ihrem Bemühungen ließen Bernhardt und seine Mitstreiter aber nicht nach. Sie organisieren jedes Jahr Veranstaltungen, von denen das "Sauplasterfest" und verschiedene Märkte stets Besucherscharen nach Weidenhausen locken. "Wir wollen das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Weidenhausen bereichern", umschreibt Bernhardt die Ziele des Heimatvereins. Dazu sollen in diesem Jahr unter anderem auch ein "Plattschwätzkurs" für Kinder und ein Dickwurzfest beitragen.
Besonders gerne erinnert sich der Weidenhäuser an das zweite August-Wochenende 2008 zurück. Das Regionalmuseum, eine gelungene Verbindung von Tradition und Moderne, wurde eröffnet. "Wenn es mir mal nicht so gut geht, gehe ich hier auf den Hof, schalte das Licht an und freue mich darüber, was wir in Weidenhausen bewirkt haben", erzählt Bernhardt mit Stolz.
Glücklich und dankbar ist er auch, dass die aufwändigen Umbauarbeiten ohne größere Zwischenfälle über die Bühne gegangen sind. "Alle Wunden konnten mit Heftpflaster behoben werden", sagt er mit einem Schmunzeln. Das Regionalmuseum erfreut sich steigender Beliebtheit. Obwohl es noch keine festen Öffnungszeiten gibt, zog es im Vorjahr 3000 Besucher in das Gebäude.
Spätestens im nächsten Jahr will Helmut Bernhardt seine Ankündigung wahr machen und den Vorsitz im Heimatverein abgeben. Aus der Verantwortung wird sich der 75-Jährige aber bestimmt nicht zurückziehen. "Der Heimatverein und das Museum liegen mehr sehr am Herzen. Ich möchte, dass es positiv weiter geht", sagt der engagierte Weidenhäuser, der 2009 mit dem Landesehrenbrief, 2010 mit der silbernen Ehrenplakette der Stadt Gladenbach und 2011 mit dem Otto-Ubbelohde-Preis ausgezeichnet worden ist.
Den Preis der Dr.-Berthold-Leinweber-Stiftung nimmt Helmut Bernhardt am Samstag, 18. Februar, in Empfang. Die Feierstunde beginnt um 16 Uhr im Haus des Gastes in Gladenbach. "Jeder ist dazu herzlich willkommen", betont der Preisträger. Das musikalische Rahmenprogramm wird von Weidenhäuser Künstlern gestaltet.





















