Am Freitagabend werden die Marburger Stadtverordneten abstimmen, ob sie die großzügige Privatspende ihres Ehrenbürgers wollen oder nicht. Nachdem SPD, Grüne und CDU im Finanzausschuss Anfang der Woche Ja gesagt haben, deutet alles darauf hin, dass das schon im Haushalt verbuchte Geld auch dort bleiben wird. Die Wogen der vergangenen Tage scheinen geglättet.
Wie es sich für Beschenkte ziemt, sollen die Parlamentarier anschließend ein Dankeschön an den edlen Gönner schicken. Doch am Glauben an die edelen Absichten Pohls hapert es bei einigen Kommunalpolitikern massiv - nicht erst seit die Millionen auf dem Stadtkonto eingegangen sind.
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Für die einen ist Pohl, Chef der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) und einer der größten Gewerbesteuerzahler, der eherne Wohltäter. Bei nicht wenigen Marburgern jedoch gilt er als der Strippenzieher hinter den Kulissen der Universitätsstadt. Das Marburger Nordviertel, im Volksmund längst "Pohl-City" genannt, gehört dem 83-Jährigen quasi. Dort baute er im Jahr 2000 ein Fünf-Sterne-Hotel, eine Straße ließ der Witwer nach seiner verstorbenen Frau benennen, in direkter Nachbarschaft folgten 2011 für 50 Millionen Euro ein Schulungszentrum für die 37 000 Vermögensberater plus Verwaltungsbau.
Schlagzeilen mit üppigen Spenden und Freunden aus der Politik sind an der Tagesordnung
Dem Glaspalast fiel ein denkmalgeschütztes Haus zum Opfer. Auch das sorgte für Spekulationen über den Einfluss Pohls auf die Stadtoberen. Zum Imperium der Familie gehören außerdem Restaurant, Biergarten, Café und Feinkostgeschäft. Und beinahe wöchentlich, so scheint es, kommt eine weitere Errungenschaft hinzu.
Pohl selbst will zu seiner Spende kein Wort verlieren. Außer, dass das Geld für gemeinnützige Zwecke eingesetzt werden soll. Ürsprünglich wollte er als Absender anonym bleiben. Das scheiterte jedoch, als Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) im Parlament in Erklärungsnöte geriet.
Schlagzeilen mit üppigen Spenden, aber auch mit prominenten Politiker-Freuden sind bei Pohl geradezu an der Tagesordnung. Und nicht selten gibts zumindest ein Geschmäckle. Ein Rettungswagen fürs Rote Kreuz, 100 000 Euro für die Wiederaufnahme des Fährbetriebs auf der Lahn, eine Stiftung für die Philipps-Universität und eine für die Krebsforschung sind moralisch aller Zweifel erhaben. Aber gemessen etwa an den Parteispenden, die die DVAG jedes Jahr vor allem an CDU und FDP verteilt, geradezu Kleckerbeträge. Ein ums andere Mal scheiterten danach verschärfte Gesetzesbestimmungen für den Umgang mit Finanzprodukten - sicherlich zur Zufriedenheit der Vermögensberater.
Der DVAG-Beirat ist eine illustre Runde einflussreicher (Alt)Politiker, von Duz-Freund und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl über Thüringens Ex-Ministerpräsident Bernhard Vogel und Hessens früheren Finanzminister Karl Starzacher, bis zu Frankfurts Noch-OB Petra Roth. Bevor er Außenminister wurde, gehörte auch Guido Westerwelle dazu. Genauso prominent besetzt ist mit Ex-Kanzleramtschef Friedrich Bohl und Ex-Finanzminister Theo Waigel der Aufsichtsrat. Udo Corts wurde von Pohl im April 2008 in den DVAG-Vorstand geholt. Ein Jahr zuvor noch hatte Corts als hessischer Wissenschaftsminister dem Milliardär den Ehrenprofessorentitel verliehen.
Der Stadtverordnete Hermann Uchtmann, Vorsitzender der Marburger Bürgerliste, fasst das künftige Pohl-Problem für sich so zusammen: "Bin ich noch frei in meinen Entscheidungen? Objektiv gesehen vielleicht, moralisch nicht. Ich kann nicht mehr unabhängig entscheiden, wenn Geld geflossen ist."






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