Den Stein ins Rollen gebracht haben drei junge Mütter, Alexandra Jost, Susanne Klingelhöfer und Monika Schubert, denen beim Wandern auf der "Steinperfer Runde" Markierungen an den Bäumen aufgefallen sind. "Hinterher wurde uns klar, dass dort die Anlagen hin sollen", erklärte Jost am Freitagabend in der Informationsveranstaltung der Interessengemeinschaft "Pro Natur Steinperf". Der Name sei mit Bedacht gewählt, denn "auch wir sind für erneuerbare Energien, aber im Einklang mit Mensch und Natur", sagte die Sprecherin. Dieser Zielsetzung laufe der geplante Windpark auf dem Hilsberg aber zuwider.
Steinperfer Mütter fürchten um Lebensraum ihrer Kinder
Jost betonte, dass dort eine Fläche von 35 000 Quadratmetern Wald gerodet werden müsse, damit die Räder aufgestellt werden können. Das stelle nicht nur einen Eingriff in die Natur, sondern auch in die Lebensqualität dar: "Unsere Kinder erwartet ein Dorf umzingelt von Windrädern." Dabei könnten sie nicht einfach tatenlos zusehen. Zumal es sich bei den geplanten Anlagen mit einer Nabenhöhe von 135 Metern noch um Prototypen handel. Jost dazu: "Wir wollen aber keine Versuchskaninchen sein." Selbst das Bundesamt für Naturschutz gebe in einem Positionspapier zur Windkraft zu bedenken, dass die Langzeitwirkung solch großer Anlagen noch nicht absehbar sei.
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Fürsprecher finden die drei engagierten Frauen in Steinperf reichlich. Einer von ihnen ist Dieter Theiß, der sich bereits bei den Diskussionen in Holzhausen klar gegen einen Windpark auf dem Hilsberg positioniert hat. Er hatte verschiedene Rechnungen aufgestellt, um den Anwesenden - immerhin gut 170 Personen - zu zeigen, dass es der Gemeinde Bad Endbach lediglich um Geld und nicht um die Menschen gehe. "Normaler Strom wird an der Börse mit fünf bis sechs Cent gehandelt", erklärte Theiß. Windstrom dagegen koste bis zu 23 Cent, weil die Anlagen finanziert werden müssten. Damit werde der Strompreis künftig steigen, prophezeite er. Als noch fataler wertete er aber den Eingriff in das Landschaftsbild. 3,5 Prozent der Fläche des Landkreises für Windenergie bereitzustellen, wie es politisch beabsichtigt sei, bedeute "das Lahn-Dill-Bergland in einen Industriepark umzugestalten", stellte Theiß fest. Im Abstand von einem Kilometer gebe es dann jeweils einen Windpark. Für die derzeit freie Sicht von den Bergen Steinperfs bis zur Sackpfeife hieße das, dass sie künftig von 20 Windkraftanlagen gestört werde, mutmaßte er.Theiß geht davon aus, dass "den meisten Menschen gar nicht bewusst ist, was das bedeutet. Ich bin mal gespannt, was die Biedenköpfer Grenzgänger sagen, wenn bei ihnen Windräder errichtet werden sollen."
Er rief deswegen am Freitagabend zu einer großen Protestaktion auf, die schon in der kommenden Woche starten könne. Dann steht in der Steffenberger Gemeindevertretung ein Beschluss zur Absichtserklärung einer Energiegesellschaft im Lahn-Dill-Bergland an. "Wir sollten mit 100 Leuten dahingehen und zeigen, dass wir dagegen sind."
Paul-Heinz Petri: "Strom kann derzeit gar nicht eingespeist werden"
Unterstützt wird die IG "Pro Natur" auch von Paul-Heinz Petri, der von der Regionalversammlung des Regierungspräsidiums berichtete, an der er als Vertreter der Gemeinde teilgenommen hatte. In dieser Versammlung hätten Vertreter der E.on deutlich gesagt, dass sie derzeit gar nicht in der Lage seien, den durch die Windkraft produzierten Strom in ihre Netze einzuspeisen. "Dafür müssten Leitungen für über 100 Millionen Euro verlegt werden", führte Petri aus. Dieses Geld werde letztlich auf die Bürger umgelegt, die dann teuer für die ungewünschten Räder zur Kasse gebeten würden. Auf wiederum einen anderen Aspekt wies Heinz Dilling hin, den die drei Frauen als Gastredner eingeladen hatten. Er wisse aus seiner Heimat Oberdieten ganz genau, welche Einschränkung der Lebensqualität schon der Bau nur eines Riesenwindrades mit sich bringe, betonte Dilling und verwies auf die Geräuschbelästigung. Diese sei zwar nicht immer wahrzunehmen, sondern hänge von Temperatur, Windrichtung und -stärke ab, "aber man kriegt den Ton nicht mehr aus dem Kopf raus", warnte er und verglich ihn mit dem eines über den Köpfen kreisenden Flugzeuges. Messungen hätten mittlerweile einen Geräuschpegel zwischen 39 und 58 Dezibel ergeben, berichtete Dilling weiter. Zum Vergleich projizierten die Steinperfer die Grenzwerte für Lärmbelästigung in allgemeinen Wohngebieten an die Wand. Der liegt nachts bei 40 Dezibel.
Zum Schluss der Informationsrunde meldete sich Bürgermeister Peter Pfingst zu Wort und teilte ein Stück weit die Bedenken der Versammelten. "Es gibt rechtliche Vorgaben, die wir als Gemeinde umsetzen müssen", betonte er und fügte hinzu, "aber ich glaube, dass die derzeitige Situation bei den regenerativen Energien noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist." Wie Pfingst weiter sagte, soll es in der kommenden Woche ein Gespräch zwischen ihm und seinem Bad Endbacher Amtskollegen Markus Schäfer (CDU) geben, in dem der seine Sicht der Dinge erklären wolle. Eine der Teilnehmerinnen - ein Gast aus Holzhausen - reagierte darauf und appellierte an Pfingst, dass er sich dafür einsetzen solle, dass das Mediationsverfahren öffentlich gemacht werde, "damit wir Bürger das verfolgen können". Denn die Politik habe in der Vergangenheit mit ihren Plänen viel zu oft und lange hinterm Berg gehalten, bekräftigte sie ihren Vorwurf.







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