Start ePaper RSS Newsletter Kontakt Medienhaus Online werben Mein Mittelhessen   Login Registrieren
Mittelhessen.de
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...
Bookmark VersendenDrucken
18.04.2010, 17:09 Uhr

Lahntal-Goßfelden

Protest gegen Nazis verläuft friedlich


300 bis 500 Menschen demonstrieren in Lahntal


Lahntal-Goßfelden (ky). Zwischen 300 und 500 Menschen haben sich an der Kundgebung des Bürgerforums "Gewaltfreies Lahntal" gegen Neonazis beteiligt, die am Samstag nach einem kurzen Auftakt in Sterzhausen durch Goßfelden gezogen ist. Die Veranstaltung verlief vollständig friedlich und endete mit einem Fest auf der Alten Lahnbrücke.






In einem bunten Zug bewegten sich rund 400 Teilnehmer der Kundgebung gegen Rechtsextremismus durch Goßfelden. (Foto: Koelschtzky)zoomIn einem bunten Zug bewegten sich rund 400 Teilneh... | mittelhessen.de
Die "Laufkundgebung", zu der das Bürgerforum und das Marburger "Bündnis gegen Rechts" eingeladen hatten, begann bei schönstem Frühlingswetter auf dem alten Festplatz in Goßfelden. Der Vorsitzende der Lahntaler Gemeindevertretung, Dirk Geißler, der schon eine Stunde zuvor in Sterzhausen bei einer Kundgebung auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht hatte, begrüßte die Teilnehmer aus Lahntal, Marburg, Gießen und Wetzlar.

Er berichtete, dass es in der Gemeinde einige Diskussionen um die Veranstaltung gegeben habe. Er sei jedoch der Ansicht, dass diese Veranstaltung richtig sei: "Wir wollen nicht erst reagieren, wenn wieder etwas passiert ist. Wir wollen handeln und zeigen, dass im Lahntal für solche Leute kein Platz ist", sagte er.






Die Informationsstände auf der Alten Brücke fanden viel Interesse. (Foto: Koelschtzky)zoomDie Informationsstände auf der Alten Brücke fanden... | mittelhessen.de
Geißler erinnerte an die Vorkommnisse rund um den Jugendclub Sterzhausen, der wegen neonazistischer Umtriebe für einige Zeit geschlossen worden war, und von dem Nazi-Überfall auf zwei Goßfeldener im vergangenen Jahr, der zur Gründung des Bürgerforums geführt hatte. Unter dem Beifall der Demonstrationsteilnehmer, zu denen auch Gemeindevertreter aus Cölbe und Wetter sowie Schüler der Wollenbergschule Wetter gehörten, verlas er die Erklärung gegen rechte Umtriebe, die das Lahntaler Gemeindeparlament im Herbst 2009 einstimmig verabschiedet hatte.






Jost H. Walter und die Sonne sorgten für Festivalstimmung zum Abschluss.zoomJost H. Walter und die Sonne sorgten für Festivals... | mittelhessen.de
In einem bunten Zug bewegten sich die Demonstranten dann zunächst zur Alten Lahnbrücke. Die Veranstalter schätzten, dass rund 500 Teilnehmer mitmarschierten. Polizeisprecher Martin Ahlich sprach von 300 Teilnehmern. Von der Lahnbrücke, dem Ort des Überfalls im vergangenen Jahr, bewegte sich der Zug an der Kirche vorbei den Berg hinauf bis zum Mehrdrusch, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Dort sprach Ulf Immel vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) als Vertreter des Marburger Bündnisses gegen Rechts.

"Lahntal hat kein Problem mit Extremisten sondern mit Nazis"

Immel zeigte sich erfreut über die vielen Teilnehmer und hob hervor, dass sich die Kundgebung gegen Neonazis richte: "Hier wird immer von Extremisten gesprochen. Aber diese Umschreibung nützt nichts. Lahntal hat kein Extremistenproblem, sondern ein Nazi-Problem!"

Zurück an der Alten Lahnbrücke sprach Klaus Opper, Sprecher des Bürgerforums, abschließende Worte. Er erklärte, das Bürgerforum sei offen für alle, die sich gegen Neonazis einsetzten und freue sich über weitere Mitglieder. Auch betonte er, dass das Bürgerforum keine Missverständnisse mit der Polizei wolle, die die Bürger gegen neofaschistische Übergriffe schütze.

Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen klang die Veranstaltung wie ein kleines Festival aus. Für Musik auf der Brücke sorgten der Barde Frank Vömel und Jost H. Walter. Familien ließen sich auf Brücke und der angrenzenden Wiese nieder. Informationsstände des Bürgerforums und der Menschenrechtsorganisation "Amnestie International" fanden viel Interesse, für das leibliche Wohl sorgten ein Imbiss und ein Getränkeverkauf.

Polizeisprecher Martin Ahlich berichtete, die Marburger Polizei habe aus Anlass der Demonstration auch Verstärkung von außerhalb eingesetzt, da man Auseinandersetzungen befürchtet habe. Es habe jedoch keinerlei Zwischenfälle gegeben, alles sei friedlich verlaufen. Eine angekündigte Gegenkundgebung, die der Rechtsextremist Manuel Mann angemeldet hatte, fiel mangels Beteiligung aus. Mann erschien allein mit drei Transparenten um 12 Uhr an der alten Viehwaage in der Kaffeestraße und erklärte um 12.10 Uhr seine Veranstaltung gegenüber den Einsatzkräften der Polizei für beendet.

Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2010
Dokument erstellt am 18.04.2010 um 17:12:15 Uhr
Zurück weitere Meldungen


Kommentare (1)
  • In dem Artikel wird der Redebeitrag der Gruppe d.i.s.s.i.d.e.n.t. aus Marburg verschwiegen. Deshalb hier noch einmal zum nachlesen:

    Gegen jede Extremismustheorie! Für einen aktiven
    Antifaschismus!

    Wir freuen uns, dass sich etwas bewegt im Lahntal! Nur gemeinsam mit
    möglichst vielen Menschen, können Nazis wirkungsvoll bekämpft werden.

    Wir freuen uns, dass es in der Gemeinde Lahntal Menschen gibt, die
    nicht einfach wegschauen, sondern aktiv geworden sind. Das Bürgerforum
    ist dabei ein wichtiger Schritt.

    Dass es in Lahntal ein Naziproblem gibt müsste eigentlich unstrittig
    sein: Übergriffe auf alternativ aussehende Menschen, Naziparolen im
    Jugendclub, eine rechte Spontandemo und Reichskriegsflaggen im Garten.
    Eigentlich müsste es da allen Beteiligten vor Ort leicht fallen, das
    Problem beim Namen zu nennen und klar gegen Nazis Stellung zu beziehen.

    Dass dies nicht immer so ist, es oft sehr lange dauert ist einerseits
    erschreckend, andererseits typisch. Statt das Problem zu benennen, wird
    viel lieber über Jugendgewalt debattiert oder gleich die wenigen
    alternativen und linken Jugendlichen vor Ort mit den Nazis unter dem
    Etikett Extremismus in einen Topf geworfen.
    Beides ist eine Verharmlosung dessen was in Goßfelden oder anderen Orten
    wie Wetzlar oder dem Schwalm-Eder-Kreis passiert.

    Gewalt nicht in ihrem Kontext zu sehen folgt einem allgemeinen Trend,
    links, rechts, Islamismus, Jugendgewalt etc. gleichzusetzen. Dabei
    verschwimmen aber Ursache und Wirkung. Nazis als gelangweilte,
    frustrierte Jugendliche zu verharmlosen wird dem Problem nicht gerecht.
    Die ausgeübten Gewalttaten haben das Ziel, politische GegnerInnen und
    Menschen, die von der nationalistischen Norm abweichen einzuschüchtern
    und ein nationalsozialistisches Klima der Angst aufzubauen, das kein
    Anderssein mehr zulässt. Dabei scheuen Nazis auch nicht vor Mord zurück.
    Mehr als 140 Menschen wurden seit 1990 von Neonazis ermordet. Und der
    Brandanschlag auf das Wohnhaus eines aktiven Antifaschisten in Wetzlar
    zeigt, dass so etwas auch hier in Mittelhessen passieren kann. Trotz der
    tödlichen Gefahr rechter Gewalt schickt sich die Bundesregierung an
    Fördermittel gegen Rechts zum Kampf gegen jeden Extremismus einzusetzen.
    Da passt es, dass der Verfassungsschutz ein immer stärker akzeptierter
    Partner in der Bildungsarbeit wird und landauf landab in Schulen, in der
    Lehrerbildung und vor besorgten BürgerInnen vor Extremisten warnen kann.

    Die Ideologie der Nazis und die daraus folgende Gewalt taucht nicht aus
    dem Nichts auf. Die These vom Extremismus, gegen den die imaginierte,
    demokratische Mitte verteidigt werden muss, verschleiert, dass wir in
    einem zutiefst gewalttätigen Gesellschaftssystem leben. Der Kapitalismus
    ist mitnichten die bestmöglichste und garantiert nicht die
    friedfertigste Gesellschaftsform. Herrschaftsverhältnisse wie Rassismus,
    Sexismus, Antisemitismus, Nationalismus sind fundamentale Bestandteile
    dieses Systems. Gewalt gegen MigrantInnen ist dabei höchste
    Staatsaufgabe. Sie werden in Lager gesteckt, man lässt sie im Rahmen der
    Flüchtlingsabwehr im Mittelmeer ersaufen oder schiebt sie in Ländern ab,
    in denen Verfolgung, Folter und Tod drohen. Rassismus erfahren
    MigrantInnen in erster Linie nicht durch Nazis, sondern von den
    Nachbarn, von der Chefin, auf der Ausländerbehörde.Die Bundeswehr mordet im Auftrag von Demokratie und Freiheit in Afghanistan. Die Polizei
    sichert die herrschende Ordnung mit Knüppel, Wasserwerfer und Pistole im
    Inneren ab. Menschen werden durch die Drohung ihres sozialen Untergangs
    zu den erniedrigsten Arbeiten gezwungen.

    Der Rassismus und Nationalismus der Nazis ist nur die Spitze des
    Eisbergs. Überall in der Gesellschaft sind diese Ideologien anzutreffen.
    Im Lahntal, in Marburg, im Osten wie im Westen.
    Zu allererst muss es Aufgabe sein die Neonazis aktiv in ihre Schranken
    zu verweisen. Es muss ihnen unmöglich gemacht werden andersdenkende
    Menschen anzugreifen und sich hinter der Dorfgemeinschaft zu verstecken.
    Es gilt sie aus der Deckung zu holen und das Offensichtliche zu
    benennen. Es darf keinen Rückzugsort für Nazis im Fußballclub, in der
    Feuerwehr, in der Dorfburschenschaft, im Jugendclub oder sonstwo geben.
    Ebenso muss dafür gesorgt werden, dass Alternativen für die nichtrechten
    Jugendlichen geschaffen werden. Ein selbstorganisierter, nazifreier
    Jugendclub oder Schulprojekte gegen Rassismus wären ein Anfang.
    Wer aktiv auf allen Ebenen mit allen Mitteln gegen Nazis vorgehen will,
    darf nicht bei der Kritik an einzelnen Nazicliquen stehen bleiben.
    Antifaschismus überlassen wir nicht dem Staat.
    In diesem Sinne: Gegen jede Extremismustheorie! Für einen aktiven
    Antifaschismus! ? faşizme karşı omuz omuza (türkisch: Schulter an
    Schulter gegen Faschismus; wörtlich übersetzt)





Mehr aus Lahntal


Lahndeiche werden ausgebaut

Wie Bürgermeister Manfred Apell (SPD) den Gemeindevertretern mitteilen konnte, hat das Regierungspräsidium (RP) Gießen nun den Planfeststellungsbeschluss für die Erhöhung und Erweiterung der Lahndeiche bei Goßfelden und Sarnau erlassen. Dafür wurden... mehr







Bundesliga Trainer 2010/2011

Marburg: Leiharbeit in Intensivstation löst Streit aus
Marburg (bth). Ist es zu vertreten, Leiharbeitskräfte in der Intensivstation und in den Operationssälen des... mehr


Zur Anmeldung


Todesfall beginnt mit Rangelei

Der Notarzt kümmerte sich im Morgengrauen um den Schwerverletzten. Zum ersten Mal seit der verhängnisvollen Schlägerei im Wehrdaer Weg, über die seit zwei Wochen in Marburg diskutiert wird, haben Mitarbeiter der Kneipe "Bremsspur", wo der Streit begann, sich dazu geäußert. Diese Zeitung erfuhr von den Ereignissen am frühen Morgen des 14. August, die zum Tod eines 25-Jährigen geführt haben. (Symbolfoto: Colourbox) Denn genau das ist passiert: Ein 25-Jähriger erlitt im Verlauf der folgenden Auseinandersetzung im Freien derart starke Kopfverletzungen... mehr

Blindgänger: Fachfirmen suchen am Bahnhof

Am Bahnhof wird  nach  Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht.  Auch in der Neuen Kasseler Straße sind die Experten unterwegs (von links): Udo Polzin, Gustav Knobel, Rolf Liebscher und Sascha Pfeiffer.(Foto: Hemberger) Der Vorplatz des Marburger Bahnhof gehört zu einem der belebtesten Orte der Stadt: Tag für Tag halten zahlreiche Stadt- und Überlandbusse vor dem... mehr

Klinik in Wehrda liegt auf Platz vier

Krankenhausdirektor Christian Uloth freut sich über das gute Ergebnis des Diakonie-Krankenhauses. (Foto: Engelhardt) "Das ist ein schönes Ergebnis, über das wir uns natürlich sehr freuen", sagt Christian Uloth, Direktor des Diakonie-Krankenhauses. Seine Einrichtung... mehr

Farbenpracht strahlt beim Sommerfest

Bei Kaffee und Kuchen lauschten die Gäste des Sommerfestes der Gruppe "Balladeire" mit Percussionist Markus Reich (l.).(Fotos: Döhn) Für die gute Laune sorgten auch die farbenfrohen Kunstwerke, die die Kirche schmückten. Unter dem Motto "Sommer - Sonne - farbenfroh" stellte der... mehr

Die Kunst der Verabredung

Eine Lange Tafel voller Suppentöpfe zog sich am 25. April diesen Jahres durch die Weidenhäuser Straße. (Foto: Jonas-Verlag) "Die Kunst der Verabredung" war es, die Erne mit ihrer Aktion pflegte. Mit Aushängen und Flyern hatte sie zum Mitmachen aufgerufen, ohne zu wissen... mehr



Arbeitersiedlung am Rotenberg feiert 100-jähriges Bestehen

mit 1 Kommentar

Die Anlieger der Hausnummern 30 bis 44 am Rotenberg feierten das 100-jährige Bestehen ihrer Häusergruppe. An diesem Tag wurde auch das Straßenschild mit der Aufschrift "Bergelchen? eingeweiht. (Foto: Weber) Elmar Brohl, ehemals Baudirektor der Stadt Marburg, erinnerte in einem Vortrag daran, warum die "englischen Häuschen" - abgesehen von ihrer Bauweise -... mehr

"Grund" greift zum Stromschalter

mit 1 Kommentar

Finanziell könnte die Gemeinde Ebsdorfergrund es sich leisten, das Stromnetz im "Grund" selbst anzubieten, meint das Beratungsbüro  BET aus Aachen.(Foto: Colourbox) Er war der längste Tagesordnungspunkt, und ungezählte Fachbegriffe machten ihn zu einem harten Brocken: Der Vortrag von Ruth Schambach... mehr

Klinik in Wehrda liegt auf Platz vier

mit 1 Kommentar

Krankenhausdirektor Christian Uloth freut sich über das gute Ergebnis des Diakonie-Krankenhauses. (Foto: Engelhardt) "Das ist ein schönes Ergebnis, über das wir uns natürlich sehr freuen", sagt Christian Uloth, Direktor des Diakonie-Krankenhauses. Seine Einrichtung... mehr


Verlagsbeilagen
alle ansehen

Bildergalerien Region Marburg

Leserreporter aus der Region Marburg: UKGM veranstaltet Pflegeseminar
Am 6. Mai fand am Standort Marburg des UKGM ein wissenschaftliches Pflegeseminar statt. Ziel der Veranstaltung war es... mehr

Von Marburg in die weite Welt
Marburg. Dieses Profil bieten die Kaufmännischen Schulen mit einer vollschulischen, 2-jährigen Berufsausbildung an... mehr


Wetter in Marburg
Heute
19°

Sonne
06:40 Uhr

20:08 Uhr
Regen
5%
Wind
9 km/h
aus N



Weimar-Niederweimar: Lückenschluss zu Fuß erkunden
Weimar-Niederweimar (kse). Morgen haben die Bürger zum letzten Mal die Gelegenheit... mehr

Stadtallendorf: "Tolle Stadt, tolle Leute, tolles Wetter"
Stadtallendorf. 45 000 Zuschauer haben gestern die Straßen in Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf) gesäumt. Sie... mehr

Stadtallendorf: Bei Kälte wirds kuschelig
Stadtallendorf (dwe). Am Donnerstag ist der hr-Wetterfrosch Thomas Ranft auf der Aktionsbühne dieser Zeitung zu Gast... mehr


Anzeigen und Anzeigenservice:

Veranstaltungskalender für Mittelhessen

Abo und Abo-Service:

TV - Tipps für heute Abend


Leserreporter

Zm Branchenbuch