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14.09.2010, 17:20 Uhr

Lahntal-Goßfelden

"Wir sind schon weit gekommen"


Goßfeldener feiern zweites Brückenfest


Lahntal-Goßfelden (ky). Zum zweiten Mal hat das Bürgerforum "Gewaltfreies Lahntal" auf der Alten Brücke in Goßfelden das Brückenfest gefeiert. "Wir sind schon weit gekommen, aber es ist wichtig, wachsam zu bleiben", lobte Ortsvorsteher Wilfried Lies die Initiativen gegen rechte Gewalt.






In Lahntal geankert: Barde Frank "Guiness? Vömel brachte etwas Seeräuberstimmung zum Brückenfest. (Foto: Koelschtzky)zoomIn Lahntal geankert: Barde Frank "Guiness? Vömel b... | mittelhessen.de
Auf der Alten Brücke waren vor etwas mehr als einem Jahr zwei Goßfeldener von Neonazis angegriffen und zusammengeschlagen worden (diese Zeitung berichtete). Das war der Auslöser zur Gründung des Bürgerforums, das sich eine friedliche Gemeinde und Aufklärung über neofaschistische Umtriebe auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Alte Lahnbrücke, vorher Treffpunkt von Gruppen aus dem rechtsextremen Umfeld in Lahntal und aus dem Landkreis, war nun zum zweiten Mal Schauplatz eines friedlichen und bunten Festes mit viel Kultur. Zur Eröffnung betonte Dirk Geißler (SPD), Vorsitzender der Lahntaler Gemeindevertretung, dass die im Zusammenhang mit rechter Gewalt verabschiedete Resolution des Parlaments nur der Rahmen sei, der täglich mit Leben gefüllt werden müsse.
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"Die Arbeit muss vor Ort geleistet werden, und das tut das Bürgerforum, indem es Flagge zeigt", lobte er. Auch von konkreten Erfolgen dieser Arbeit wusste er zu berichten: "Ich weiß in Sterzhausen von drei Fällen, in denen sich Anhänger rechter Gruppierungen von der rechten Szene gelöst haben", berichtete er. "Das ist euer Erfolg, macht weiter so."

Es sei der richtige Weg, Menschen, die die falsche Richtung eingeschlagen hätten, zurück in die Gesellschaft zu holen, betonte Geißler.

Ortsvorsteher Wilfried Lies erinnerte an die friedliche Kundgebung gegen Rechts im April in Goßfelden. "Ich war als Polizist im Einsatz, und ich war stolz auf mein Dorf und froh über diese friedliche Veranstaltung", sagte er. Seither sei es in Goßfelden nicht mehr zu Sachbeschädigungen oder Gewalt in größerem Ausmaß gekommen, meinte er. "Es ist gut, dass ihr diese Stimmung aufrechterhaltet und wachsam bleibt", betonte Lies. "Wir sind ein friedliches Dorf, und wir wollen es bleiben."

In Vertretung des Bürgermeisters sprach Michael Meinel (Grüne), der dem Bürgerforum für seine Arbeit dankte. Dass mit dem Rückgang öffentlicher Aktionen die Probleme nicht vom Tisch sind, wussten vor allem die jüngeren Teilnehmer des Festes zu berichten.

Die Neonazi-Gruppen seien nach wie vor vor allem unter Schülern aktiv, berichteten sie. Inzwischen trügen die Anhänger, die zum Teil erst elf oder zwölf Jahre alt seien, nicht mehr die auffällige Kleidung, die sie als Rechte ausweise. "Aber sie nennen andere Drecksjude, malen überall in der Schule Hitler-Bildchen hin und hören rechtsradikale Musik", sagten Schüler der Wollenbergschule in Wetter.

Zusammenhalt gegen Rechte

Informationen über neofaschistische Gruppen und Umtriebe und über die Anfänge rechter Gesinnung im Alltag boten Informationsstände des Deutschen Gewerkschafts-Bundes (DGB) Marburg und des Bürgerforums. Aber bei all dem kam der Spaß nicht zu kurz. Für Unterhaltung sorgte das Bluegrass-Duo "Blue Pony" aus Marburg. Die traditionelle ländliche Musik aus den USA wurde gespielt, wenn die Feldarbeit getan war und man sich in der Scheune traf, sagte Ute Kohlhauer, die mit Geige, Mandoline und Gesang sowie ihrem Mitspieler Joe Wagner (Gitarre, Gesang) sofort anschaulich machte, wie diese 100 Jahre alte Musik in die Beine geht.

Ein Piratenprogramm hatte Barde Frank "Giness" Vömel dabei, der mit Piratenhut und einem künstlichen Papagei auf der Schulter das wilde Leben der Freibeuter auf die Schippe nahm. Für die kleinen Gäste gab es eine Hüpfburg, Wikinger-Schach und eine Mohrenkopf-Schleuder. Große und kleine Gäste machten mit beim Entenrennen auf der Lahn.

"Wir sind schon weit gekommen", sagte Nadja Id Lefqih vom Bürgerforum. "Zwischen dem letzten Brückenfest und heute hat sich viel verändert in Lahntal. Und wir haben gelernt, wie wichtig es ist, aufeinander aufzupassen."

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Dokument erstellt am 14.09.2010 um 17:25:11 Uhr
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