Noch einmal legten Sprecher der Fraktionen vor mehreren Zuhörern dar. Dabei sprach CDU-Fraktionschef Michael Köberle von einer Riesenchance und einem Glücksfall für Limburg, dass sich ein Investor gefunden habe, die Industriebrache des ehemaligen Bahnausbesserungswerks in einen Einkaufs- und Freizeitbereich umzubauen. Von Anbeginn sei klar gewesen, dass es nicht beim ersten Abschnitt von 4500 Quadratmetern bleiben würde. "Limburg muss seine hohe Zentralität erhalten und ausbauen, um der Konkurrenz umliegender Zentren zu begegnen, die uns um unsere Möglichkeit beneiden", sagte Köberle.
Volle Unterstützung kommt von den Freien Wählern. "Mit nur 4500 Quadratmetern ist die WERKStadt nicht überlebensfähig", sagte der FWG-Fraktionsvorsitzende Werner Laux, der davon ausgeht, dass sich WERKStadt und Innenstadt gegenseitig befruchten, ohne dass die bestehende Handelsstruktur geschwächt wird. Die Neugestaltung der Innenstadt durch die Umsetzung der geplanten "Aktiven Kernbereiche" werde insgesamt zu mehr Kunden führen. Ein weiteres Projekt wie die WERKStadt werde es in Limburg nicht mehr geben, sagte Laux. Allerdings wisse zurzeit niemand, was nach der Umnutzung des 300 000 Quadratmeter großen, freiwerdenden Geländes der Diezer Freiherr-vom-Stein-Kaserne vor den Toren Limburgs auf die Stadt zukomme. Da könne der Verkehr noch ganz andere Dimensionen annehmen als durch die WERKStadt. Auch wisse niemand, wie sich das bestehende Diezer Gewerbegebiet entwickele. Der hohe Anteil des Durchgangsverkehrs müsse aus Limburg ferngehalten werden. Allerdings werde eine Südumgehung frühestens in 15 Jahren gebaut.
Anzeige
Die FWG setze sich weiterhin für eine dritte Zu- und Abfahrt über die Weiersteinstraße zur WERKStadt ein. Einen entsprechenden Auftrag, dort nach Lösungswegen zu suchen, haben die Stadtverordneten dem Investor erteilt. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Marion Schardt bezeichnete den zweiten Bauabschnitt als den wichtigsten, als größte Chance und Herausforderung. "Für uns ist die WERKStadt kein isolierter Bezirk, sondern die Erweiterung der Innenstadt", betonte Schardt. Kaum ein Vorhaben in Limburg sei mit dieser Intensität untersucht worden. "Es war ein einjähriger Prozess, an dessen Ende wir auch das Votum eines Gutachters akzeptieren sollen. Der Gutachter hat versichert, dass der Verkehrskreisel in der Diezer Straße trägt", sagte Schardt. "Ich habe nur gehört, was alles nicht funktioniert, wo Zweifel sind und nicht, wo unsere Chancen liegen", sagte die Liberale. Es handele sich um einen Beschluss, der dem Investor eine Millioneninvestition und die Schaffung von 200 Arbeitsplätzen sowie die Ansiedlung eines Museums, des Mechanikums, ermögliche.SPD und Grüne fürchten um die Geschäfte in der Innenstadt
"Das sehe ich nicht als Bedrohung an", sagte Schardt. SPD-Chef Peter Rompf sagte: "Wir wollten die WERKStadt und haben den gewünschten Lebensmittelversorger bereits bekommen. Auch CityRing und Altstadtkreis waren dafür, aber eine Gesamtverlaufsfläche von höchstens 10 000 Quadratmeter sind genug." Ein entsprechender Antrag der SPD wurde allerdings abgelehnt.
Rompf kritisierte, dass der Gutachter des Einzelhandelskonzepts einige Faktoren, wie die Auswirkungen des Factory-Outlet-Centers (FOC) Montabaur auf Limburg, nicht berücksichtigt habe. Kritik übte der SPD-Sprecher, dass die Baumaßnahmen "Aktive Kernbereiche", die mit dem Umbau der oberen Bahnhofstraße beginnen sollen, hinter dem Ausbau der WERKStadt hinterher hinken. Die Baustellen in der Stadtmitte würden zu einer Verlagerung des Einzelhandels in die WERKStadt führen. Mit dem Auftrag an den Investor, nach einer weiteren Zufahrt in der Weiersteinstraße zu suchen, werde den Anwohnern der belasteten Diezer Straße Sand in die Augen gestreut.
Der Antrag der SPD, dass im Falle eines Rückbaus des überlasteten Verkehrskreisels in eine ampelgesteuerte Kreuzung die Kosten auf den WERKStadt-Investor abzuwälzen sind, wurde von der Mehrheit abgelehnt.
Auch die Grünen sehen Gefahren für die Innenstadtgeschäfte und sprachen sich für eine Begrenzung der WERKStadt auf 10 000 Quadratmeter aus. Sabine Wirth beanstandete, dass die kritischen Worte des Regierungspräsidenten über die Verkehrszunahme und den damit verbundenen Luftschadstoffen zu keinen Konsequenzen führten. Täglich weitere 1600 Fahrzeuge zur WERKStadt belasteten auch den Bahnhofsvorplatz, der dem ÖPNV vorbehalten bleiben solle. Judith Eidt-Wendt (Grüne) berichtete: "Zu große Shopping-Center sind in den meisten mittelgroßen Städten Gift für den Einzelhandel. Die erhoffte Steigerung der Zentralität konnte zumeist nicht erreicht werden. Limburg täte bessere an einer Mischung von Einkauf und kulturellen Erlebnissen als an einer austauschbaren Shoppingmeile."
Sigrid Schmüser (BZL), die von Anbeginn gegen die WERKStadt-Erweiterung kämpfte, prophezeite ein Verkehrschaos, wo Limburg doch schon die schlechteste Luft in Hessen habe. Sie warnte vor gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxiden. Eine dritte Zufahrt über die Weiersteinstraße bringe keine Entlastung und werde wegen des Widerstandes der Grundbesitzer nicht kommen. Schmüser forderte die Stadtverordneten auf, allein nach ihrem Gewissen zu entscheiden, und beantragte beim Beschluss des Bebauungsplans als Satzung namentliche Abstimmung.
Der CityRing hat die Entscheidung des Stadtparlaments bedauert. In einer Stellungnahme erklärte der Vorsitzende Reinhard Vohl: "Die Entscheidungsträger müssen sich darüber im Klaren sein, dass eine Entscheidung mit einer solchen Tragweite, die die Grenzen der Verträglichkeit so ausreizt beziehungsweise schon verletzt, ein hohes Risiko bei der weiteren gedeihlichen Entwicklung der Innenstadt birgt." Der CityRing hätte sich deshalb gefreut, wenn der Antrag der SPD - eine Begrenzung auf 10 000 Quadratmeter - eine Mehrheit gefunden hätte. Es gelte jetzt, so schnell wie möglich eine attraktive Anbindung der Innen- und WERKStadt herzustellen und das Programm zur Erneuerung der Fußgängerzone, Grabenstraße und Altstadt umzusetzen.






















