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03.02.2012, 19:17 Uhr
Von P. Reeber und F. Gatzke

Limburg-Weilburg

Puderzucker wär' jetzt ideal


Was Kreislandwirt, Pfarrer und Hauskatze von der Kälte halten


Limburg-Weilburg. "Die Kälte kann wahrlich brennen wie Feuer", fabulierte schon Heinrich Heine so treffend. Mehr noch: Kälte killt Batterien, vereist Flüsse, erschwert das Melken und friert Müll fest. Lesen Sie hier, wie der Winter wirkt.






Zufrieren genehmigt: Weil auf der Lahn (hier stromaufwärts bei Ahausen) im Winter kein regulärer Schiffsverkehr herrscht, setzt das Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz im Gegensatz zur Mosel keinen Eisbrecher ein. (Foto: Reeber)zoomZufrieren genehmigt: Weil auf der Lahn (hier strom... | mittelhessen.de
An der Zapfsäule: "Es sind jede Menge Batterien kaputt", berichtet Gerhard Bergner, Tankstellenbesitzer aus Löhnberg. Das sei aber das einzige Kälteproblem. Motoren laufen rund, und der Treibstoff friert erst bei unter minus 25 Grad ein, weiß Bergner. Frostschutz im Kühler vergessen? Bisher nicht vorgekommen. "So lange es schön trocken ist, macht der Winter wenig Probleme."

Auf den Feldern: "Eine dünne Schneeschicht, so eine Art Puderzucker auf den Feldern, das wäre jetzt ideal", sagt Kreislandwirt Armin Müller aus Ernsthausen. Denn dem Wintergetreide und dem Raps, der auf den Feldern steht, machen die kalten nordöstlichen Winde derzeit am ehesten zu schaffen. Allerdings friert das Getreide noch nicht kaputt, dafür - weiß Müller - müsste es schon eine ganze Weile kalt bleiben. Dennoch: Schnee isoliert. "Wenn jetzt etwas Schnee fallen würde, könnten wir etwas entspannter sein." Die Tiere kommen mit dem Winter gut klar, berichtet Müller. Robuste Arten wie Highland- oder Galloway-Rinder sind selbstverständlich noch draußen und sonnen sich. "Die fühlen sich pudelwohl." Das treffe auch aufs heimische Vieh zu, das sich ein dickes Fell zugelegt habe. "Wir müssen nur darauf achten, dass das Trinkwasser nicht zufriert und dass unsere Technik funktioniert, zum Beispiel die Melkanlage." Gemolken werden müsse morgens und abends pünktlich - Frost hin oder her. "Gestern hatten wir einen Froststopfen in der Vakuumleitung, heute hatten wir uns darauf eingestellt."






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Zu Wasser: Eine dünne Eisschicht hat sich auf weite Teile der Lahn gelegt. Taucht demnächst der erste atomgetriebene Eisbrecher auf, um die Wasserstraße freizuhalten? Nein, denn auf der Lahn findet im Winterhalbjahr ohnehin kein Schiffsverkehr statt, sagt Tobias Schmidt, stellvertretender Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Koblenz. Ganz anders sieht es zum Beispiel auf der Mosel aus.Kein Eisbrecher für die Lahn: Denn im Winter herrscht kein Schiffsverkehr Dort kommt im Eis-Fall der in Bingen stationierte Eisbrecher "Josef Langen" zum Einsatz. Allerdings: Das Amt lässt nur dann Eis brechen, wenn mit steigenden Temperaturen zu rechnen ist. Problem: Würde man Eis brechen, während es weiter kalt bleibt, würden sich die Brocken spätestens am nächsten Wehr verkanten und zu wahren Eisbergen auftürmen. Zurück zur Lahn: Wehre und Schleusen leiden hier ebenfalls nicht unter dem Eis. Denn die technischen Einrichtungen sind im Winterhalbjahr von November bis Ostern außer Betrieb. Dass die Lahn zufriert, das ist, sagt Schmidt, normal. "Eis auf der Lahn gibt es fast jeden Winter." Grund: Die Lahn fließt langsam, außerdem gibt es keine warmen Zuflüsse, wie sie zum Beispiel der Rhein durch viele Kraftwerke hat. Von einem Betreten der zugefrorenen Lahn warnt Schmidt, auch wenn es noch so kalt wird: "Die Lahn hat unter dem Eis weiter Strömung. Wenn man also einbricht, wird man an eine ganz andere Stelle unter dem Eis gezogen."In der Tonne: Festgefrorener Biomüll ist bei Temperaturen jenseits der minus zehn Grad wohl eher Regel als Ausnahme. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises rät, in die Tonnen zuerst grobes, trockenes Material zu füllen, etwa Astschnitt. Organische Abfälle sollten möglichst trocken eingefüllt oder mit Zeitungspapier eingewickelt werden. Wenn die Leerung ansteht, sollen die Tonnenbesitzer festgefrorenen Müll von den Tonnen lösen, zum Beispiel mit einem Spaten, und die Tonne in der Nacht vor der Abfuhr an einen geschützten Ort stellen.






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Aus dem Seelenleben: Die Stimmung muss nicht frostig sein, selbst bei Temperaturen weit unterm Gefrierpunkt. Wolfgang Schütz, Fachkrankenpfleger in der Psychiatrischen Ambulanz Weilmünster, hat ganz im Gegenteil in den vergangenen Tagen beobachtet, dass sich die Helligkeit positiv auf die Psyche auswirkt. "Insbesondere Menschen mit saisonalen Depressionen genießen zurzeit die Sonne", sagt er. Einzig einigen älteren Menschen mache die Kälte ein wenig zu schaffen, da sie das Haus nicht verlassen könnten.
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In der Haustierwelt: "Mit dem Hund spazieren gehen, ist bei diesen Temperaturen nicht tabu", sagt die Weilburger Tierärztin Astrid Klein. Allerdings sollte Herrchen die Länge des Aufenthaltes im Freien vom Allgemeinbefinden des Hundes abhängig machen. Kurz gesagt: Junge Hunde dürften länger als alte, dick bewollte Neufundländer länger als kurz bewollte Pinscher. Auf kaltem Boden schlafen legen, sollte sich kein Hund. "Sonst gibt es eine Blasenentzündung", sagt die Tierärztin. Bei Hauskatzen rät sie, Freigängern durchaus Auslauf zu gewähren, ihnen aber die Möglichkeit zu geben, jederzeit ins Warme zurückzukommen. Wer die Wohnung abriegelt, weil er arbeiten geht, sollte die Katze lieber drinnen lassen.

Im Wohnheim für Obdachlose: Die Limburger Übergangswohnheim für wohnungslose Männer ist das ganze Jahr über gut belegt. In den vergangenen Tagen seien die Bewohner jedoch darauf hingewiesen worden, bei dieser Kälte jeden hereinzulassen, auch wenn er Hausverbot haben sollte, sagt Harry Fenzl, Leiter der Caritas-Fachdienststelle für Wohnungslose. Wobei die Aufforderung nicht nötig gewesen sei. Denn innerhalb der Szene gebe es eine große Solidarität. "Die Männer wissen, dass sie bei dieser Kälte niemanden draußen lassen können." Wer einen obdachlosen Menschen sieht, der durch die Kälte gefährdet sein könnte, sollte die Polizei rufen, rät Fenzl. Die prüfe, ob der Obdachlose zurechtkommt, und organisiere ihm notfalls eine Unterkunft.

Im Gotteshaus: "Wohnzimmertemperatur werden wir nicht hinkriegen", sagt Pfarrer Ulrich Finger aus Weilmünster über das mühsame Anheizen der Kirchen für den sonntäglichen Gottesdienst. Dazu stecke der Frost zu fest in den steinernen Mauern. Geheizt wird trotzdem - aber mit Bedacht. Um maximal ein halbes Grad je Stunde darf die Temperatur in den Kirchen steigen, der Orgeln wegen. "In denen stecken Leder und Holz, das sonst reißen würde." Entsprechend lange vorher muss die Heizung laufen. "In Essershausen sind die Fenster weiß von Eiskristallen. Da werden wir um die null Grad haben." Anstrengend sind auch Beerdigungen. Zwar werden die Gräber von den Bauhöfen inzwischen per Bagger ausgehoben. Am Grab - und damit in der Kälte - steht die Trauergemeinde aber noch wie anno dazumal. Und friert. "Gerade für ältere Menschen ist das anstrengend", sagt Finger. Das gelte auch für den Besuch im Gottesdienst. "Wie zum Beispiel bei Vereinsveranstaltungen bleibt auch bei uns der ein oder andere Besucher wegen der Kälte weg."

Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 03.02.2012 um 19:20:17 Uhr
Letzte Änderung am 03.02.2012 um 22:00:26 Uhr
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