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07.02.2012, 18:13 Uhr
Von Jochen Schönig

Weilburg

Internet soll Radwege frei machen


Heimische Städte und Gemeinden machen bei Meldeplattform mit


Weilburg. Fahrradwege sollen das Radfahren angenehmer und sicherer machen. Tun sie aber nicht immer. Radler schimpfen immer wieder, dass sie sich an parkenden Autos vorbeizwängen müssen, sich in Schlaglöchern Plattfüße oder Schlimmeres einfangen, durch irreführende Schilder auf Abwege gleitet werden, plötzlich in sumpfigen Löchern stecken... Damit solche und andere Mängel den zuständigen Stellen schnell bekannt werden und behoben werden können, gibt es inzwischen im Internet die "Meldeplattform Radverkehr", an der sich auch Städte und Gemeinden im Kreis Limburg-Weilburg beteiligen.






Auch die Gemeinde Villmar ist inzwischen an der "Meldeplattform Radverkehr"  beteiligt. Sie dürfte  in absehbarer Zeit über das Internet Meldungen über den Zustand des Radwegs zwischen Villmar und Aumenau bekommen, der seit Jahren ein Ärgernis ist - sowohl für die Radler als auch für die Gemeinde. Weil jener Abschnitt  aus Gründen des Naturschutzes nur mit einer so genannten wassergebundenen Decke aus feinem Splitt befestigt werden durfte, kommt es regelmäßig bei Regen und Hochwasser zu Auswaschungen, die Radfahrer behindern und für deren Ausbesserung die Gemeinde  mehr als 100 000 Euro ausgeben musste. (Archivfoto:  Weil)zoomAuch die Gemeinde Villmar ist inzwischen an der "M... | mittelhessen.de
Auf Anregung der IVM (Integrierten Verkehrs- und Mobilitätsmanagement Region Frankfurt Rhein-Main) ist die Meldeplattform aufgebaut worden. Projektpartner dabei sind unter anderem das Land Hessen, der Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club (ADFC) und das Radfahrbüro der Stadt Frankfurt.

Wie IVM-Sprecher Thorsten Miltner erläutert, können Bürger ihre Beobachtungen über das Internet melden, Problemstellen auf einer digitalen Karte genau markieren und - auf Wunsch - Digitalfotos dazustellen, um Problem deutlicher sichtbar zu machen.
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Das System informiert dann automatisch den Ansprechpartner der zuständigen Stadt oder Gemeinde - wenn die Kommunen bei der Aktion mitmachen. Die Chance, Gehör zu finden, ist inzwischen aber gut, denn gut 200 der insgesamt 426 in Frage kommenden hessischen Städte und Gemeinden machen mit: "Und ständig kommen neue Kommunen hinzu", sagt Miltner. Wöchentlich gebe es ein, zwei neue Teilnehmer. Gestartet war die Meldeplattform ursprünglich nur im Rhein-Main-Gebiet. Ende 2009 nahmen sechs Städte teil. Seit Anfang vergangenen Jahres ist sie für alle Kommunen in Hessen offen. Im Landkreis Limburg-Weilburg beteiligen sich derzeit neben der Kreisstadt Limburg und der ehemaligen Kreisstadt Weilburg auch Bad Camberg, Runkel, Villmar und Weilmünster.

Information
Adressen Die "Meldeplattform Radverkehr" ist im Internet unter www.meldeplattform-radverkehr.de erreichbar. Einen Link zu dieser Adresse finden Interessierte auch unter www.radroutenplaner-hessen.de.(red)

Limburg-Weilburg ist noch "neu" in der Internetplattform. In der Region ist das Angebot deshalb noch nicht so bekannt. Meldungen sind bislang vorwiegend aus Limburg eingegangen. Ohnehin ist die Nutzung in größeren Städten, zumal in Studentenstädten mit stärkerem Fahrradverkehr die Nutzung höher, sagt IVM-Sprecher Miltner. In der Rangliste vorn liegen demnach Frankfurt, Darmstadt und Gießen.

Insgesamt gut 3000 Meldungen seien bislang über die Plattform abgesetzt worden. Heruntergerechnet auf die Einwohnerzahl bedeute das, dass die teilnehmenden Städte und Gemeinden pro 10 000 Einwohner mit jährlich fünf Meldungen rechnen können oder müssen. In größeren Städten ist es mehr. Frankfurt zum Beispiel kommt auf 14 Meldungen pro 10 000 Einwohner und Jahr.

Dabei müssen die Nutzer die genauen Stadt- oder Gemeindegrenzen nicht kennen. Auf der interaktiven Karte im Internet können sie jeden beliebigen Problempunkt markieren. Befindet sich so ein Punkt dann auf dem Gebiet einer Gemeinde, die an der Meldeplattform nicht teilnimmt, so wird der Melder informiert, dass seine Mitteilung möglicherweise nicht bearbeitet wird. In dem Fall entscheiden allerdings die Mitarbeiter der IVM, ob sie von sich aus die zuständige Gemeinde über die Mitteilung informieren.

Laut IVM-Sprecher Miltner nutzen die teilnehmenden Kommunen die Internetplattform gern. Zum Beispiel das Frankfurter Fahrradbüro sehe es als "sehr hilfreich" an, von den Radfahrern zeitnah über Mängel an Radwegen informiert zu werden.

Beteiligte Kommunen bezeichnen das Angebot als "sehr hilfreich"

Die genauen Ortsangaben und die Möglichkeit, Mängel mit Fotos zu dokumentieren würden auch die "Meldequalität" deutlich verbessern. So wisse die zuständige Stadt- oder Gemeindeverwaltung nicht nur, wo es Probleme gebe, sondern oft auch, was zur Beseitigung der Mängel nötig sei. Im günstigsten Fall könne dann ein "Bauamtsmitarbeiter mit einem Eimer Asphalt" losgeschickt werden, ohne dass zuvor noch jemand losfahren und sich Schäden selbst ansehen müsse. Hilfreich für die Verwaltungen sei es auch, dass sie laufend Zugriff auf die Meldeplattform hätten. So müssten sie nicht dauernd Anrufe von verärgerten Fahrradfahrern entgegennehmen, sondern könnten sich die Meldungen jederzeit gesammelt im Internet ansehen. In Frankfurt zum Beispiel, wo relativ viele Radler die Plattform nutzen, würden auf diese Weise zudem "Schwerpunktachsen", an denen Handlungsbedarf bestehe, schnell erkennbar. Wenn häufig Meldungen zu einem bestimmten Radweg eingehen würden, werde schnell klar, dass dort möglicherweise grundsätzlich etwas geschehen müsse.

Alle Arten von Mängeln können die Nutzer von Radwegen auf der Meldeplattform vermerken - von Schlaglöchern über schlechte Beschilderung bis hin zu Problemen mit hineinwuchernden Ästen oder ständigen Hindernissen in Form parkender Autos. Als das Internetangebot an den Start gegangen sei, hätten die Verantwortlichen erwartet, dass ein großer Teil der Klagen schlechte Wegweisung betreffen würde, so Miltner. Wie sich herausgestellt habe, würden sich die Radfahrer aber vorwiegend über schlechte Fahrbahnbeläge beschweren - wenn zum Beispiel Baumwurzeln die Decke des Radwegs hochgedrückt oder sich Schlaglöcher gebildet haben.

Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 07.02.2012 um 18:15:13 Uhr
Letzte Änderung am 07.02.2012 um 18:38:08 Uhr
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