Was die beiden sich ausgesucht haben? Prochnows liebstes Kleinod hat Gewicht, denn die deutschsprachige Bibel aus dem Jahr 1514, die in Paris mit handgeschöpftem Papier hergestellt wurde und ihre neue Heimat in der Druckerei des Museums gefunden hat, wiegt schon so einige Kilogramm. Abends im Bett bei Kerzenschein mit dem Buch auf der Brust lesen? Ist nicht bei diesem wuchtigen Exponat, das von Johannes Barbier und Johannes Petit gefertigt wurde und schon einen stabilen Tisch als Unterlage braucht.
Warum sich Prochnow gerade für dieses Stück entschieden hat? Zum einen sind die Gründe beruflicher Natur, denn der Museumsmitarbeiter hat sein Gehalt vor dem Ruhestand als so genannter "Nachtfaktor" - das heißt im Bereich Buchbinderei, Druckerei und Schriftsetzerei - bei der Zeitung verdient.
Aber zum anderen gibt es auch religiöse und historische Motive, denn der Ruheständler liest als praktizierender Christ täglich die Bibel und erfreut sich besonders an den vielen altdeutschen Begriffen, die sein Lieblingsexponat enthält. Prochnow erklärt am Beispiel des Buchs von Barbier und Petit zudem, woher der Ausdruck "Buch aufschlagen" kommt: Die Seiten des Werks sind von zwei massiven Holzdeckeln eingefasst, die durch Riegel verschlossen sind. Um die Bibel zu öffnen muss einmal kräftig auf den Einband geschlagen werden, dann springen die Schlösser auf.
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Ähnlich massiv ist eins der Lieblingsstücke von Fritz Bernhardt, der als Holzrestaurator im Verein arbeitet. Es handelt sich dabei um eine Eingangstür - allerdings nicht um irgendeine. Der Verein für Heimatgeschichte geht davon aus, dass die Tür aus dem Jahr 1729 die älteste Haustür in ganz Werdorf ist.
Eingangstür mit viel Liebe zum Detail über viele Wochen restauriert
Ursprünglich war sie in der ehemaligen Milchsammelstelle am Bullenstall in der Bachstraße eingebaut, doch nachdem das Gebäude 1971 abgerissen wurde, gelangte die kunstvolle Holzarbeit nach Jahrzehnten der Zwischenlagerung bei Heimatforscher Hermann Scheidt 2004 in den Besitz des Vereins. Unterstützt vom Werdorfer Schreinermeister Ulli Eckhardt hat Bernhardt die Eingangstür, die seinerzeit von Johann und Catharina Weller in Auftrag gegeben worden war, mit viel Liebe zum Detail über viele Wochen restauriert. Heute wird sie wieder in ihrer ganz ursprünglichen Funktion genutzt: Seit August 2007 dient das Portal als Eingang zur Scheune auf dem Gelände des Schlosses.
Wer die Lieblingsexponate von Prochnow und Bernhardt, aber auch die komplette Sammlung des Heimatmuseums im Schloss selbst sehen möchte: Das Haus ist an jedem zweiten und vierten Sonntag des Monats von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter www.heimatverein-werdorf.de.
























