Bahn fährt nicht mehr in die Dörfer

8. Folge der Jubiläums-Serie

Am 31. Mai 1980 verließ der letzte Personenzug Schönbach in Richtung Herborn. Immerhin schleppten Dieselloks noch bis Juni 1984 Güterwagen nach Driedorf hinauf, bis zum 27. September des gleichen Jahres noch bis Schönbach, um ein Chemiewerk zu bedienen.

Zeitgleich wie auf der Westerwald-Querbahn endete auch auf der anderen Strecke, die dieses Mittelgebirge hinauf führte, der reguläre Personenverkehr. Am 31. Mai 1980 verließ der letzte fahrplanmäßig verkehrende Zug Haiger in Richtung Breitscheid. Das wurde zu einem spektakulären Ereignis. Zwar hatten die Bahner schon mal vorsorglich statt des üblichen Schienenbusses eine Lok mit vier Eilzugwagen eingesetzt. Dass sich aber an diesem frühen Samstagnachmittag über 800 Reisende hinein quetschen sollten, damit hatte keiner gerechnet.

Der Bahnhof Wissenbach im Schnee. Bis in die achtziger Jahre fuhren noch Züge ins Dietzhölztal.(Fotos: Archiv  Horch)
Der Bahnhof Wissenbach im ... | Foto: mittelhessen.de

Immerhin: Güterwagen rollten hier noch bis zum Herbst 1997. Sie bedienten jeden Werktag die Firmen Hailo, Kreutz Mahlwerke, Cartonia. Leisten-Becker und die Westerwälder Thonindustrie. Alle diese Firmen wären wohl gerne noch länger Bahnkunde geblieben.

Im Schelderwald verliefen die Ereignisse in umgekehrter Reihenfolge. Als im Frühjahr 1968 erst die Grube "Königszug" schloss und vier Wochen später der Oberschelder Hochofen ausgeblasen wurde, wurde der bis dahin so lukrative Güterverkehr schlagartig bedeutungslos. Fünf Jahre lang kippten die Lkw, die vom "Falkenstein" kamen, noch ihre Erze in die Waggons, dann war auch das vorbei.

Fast nur Schüler nutzten noch die Strecke von Herborn nach Niederwalgern

Der Personenverkehr hielt sich noch bis Ende Mai 1987. Zuletzt war er fast ausschließlich für die Schüler da, die die weiterführenden Schulen in den ehemaligen Kreisstädten Dillenburg und Biedenkopf besuchten. So sah man zuletzt auch nur noch bis zum frühen Nachmittag diese Züge auf den Schienen. Dann wurden sie zusammen mit denen auf der Dietzhölzbahn eingestellt.

Immerhin war die Dietzhölzbahn die einzige heimische Nebenbahn, auf der man noch bis ins neue Jahrtausend Güterzüge erleben konnte. Zu Silvester 2000 endeten auch diese - wenn man davon absieht, dass über ein wenige hundert Meter langes Rumpfstück dieser Strecke noch heute das Dillenburger Stahlwerk bedient wird.

Die letzte Nebenbahn, die der Tod ereilen sollte, war die zwischen Niederwalgern und Herborn. Wurde der Transport von Gütern schon nach 1990 weitgehend eingestellt, so erlebte der Personenverkehr in den Jahren danach noch eine regelrechte Renaissance, wenn auch nur eine sehr kurze. 1994 gab es sogar durchgehende Züge zwischen Herborn und Marburg, bei dem die modernen Triebwagen der Baureihe 628 eingesetzt wurden Das änderte sich schlagartig schon im Sommer des Folgejahrs. Nur noch zwischen Herborn und Hartenrod pendelten sie ganze sechs Jahre lang.

Nach dem 8. Juni 2001, kurz bevor diese Strecke ihren 100. Geburtstag hätte feiern können, war es auch damit vorbei. Die Bahn hatte aufgehört, das Land links und rechts der Dill zu bedienen.

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Dokument erstellt am 06.01.2012 um 18:18:25 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 13:14:39 Uhr
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