Von 800 Eisenbahnern sind vier geblieben

Was von Dillenburg als Bahnknotenpunkt geblieben ist / 9. und letzter Teil der Jubiläumsserie
Zugewachsen und verlassen. Das alte Bahnbetriebswerke in Dillenburg heute.(Foto: Archiv)
Zugewachsen und verlassen. Das ... | Foto: mittelhessen.de

Die Personenzüge, die jetzt noch im Dilltal fahren, beschränken sich auf den Regionalverkehr zwischen Siegen und Frankfurt. Die Hellertalbahn, die ursprünglich ein Teil der Strecke zwischen Köln und Gießen war, wird zwischen Dillenburg und Betzdorf heute als private Nebenbahn betrieben.

Immerhin: Für den Güterverkehr stellen die Schienen im Dillteil nach wie vor einen Teil für wichtige überregionale Verbindungen zwischen Nord- und Süddeutschland dar. Freilich ist die Zahl der Züge gegenüber früheren Jahren deutlich geringer geworden.

Vier Dampfloks, die einmal im Dillenburger Bahnbetriebswerk beheimatet waren, blieben der Nachwelt erhalten. Wer sie sehen will, muss aber reisen. Im Technik-Museum Speyer ist inzwischen die 55 3528 gelandet, nachdem sie jahrelang im Siegerland als Denkmal gestanden hatte, im Netphener Ortsteil Deuz. Eine "Schwester" von ihr, die 55 3345, gehört zur Sammlung des Eisenbahnmuseums Bochum-Dahlhausen.

Wo Dillenburger Loks noch "leben"

Vor dem Hauptbahnhof im Emden steht die 43 903, die vom Herbst 1955 bis zum Frühjahr des Folgejahres von Dillenburg aus ihren Dienst leistete. 1960 wurde sie von Kohle- auf Ölfeuerung umgerüstet und zog dann noch siebzehn Jahre schwere Züge, zunächst von Kassel und Bebra aus, später dann im Emsland. Vermutlich dürfte sie oft genug vor dem "Langen Heinrich" zu sehen gewesen sein, wie man die mit Eisenerz beladenen Ganzzüge nannte, die den Rohstoff von Emden zu den Hochöfen des Ruhrgebiets brachten. Am 26. Oktober 1977 kam sie zu besonderen Ehren. Sie zog den letzten mit einer Dampflok bespannten Zug - bevor die Deutsche Bundesbahn auf ihrem gesamten Streckennetz den regulären Dampfbetrieb einstellt.

Die erstaunlichste Karriere machte die 94 1538 durch. Nachdem sie ausgemustert worden war, stand sie ab dem Frühjahr 1972 als Denkmal vor dem Bahnhof Gönnern. Genau ein Vierteljahrhundert später, schon in einem völlig verrosteten und desolaten Zustand, holten schwere Kräne sie von ihrem Sockel. Eisenbahn-Enthusiasten ließen sie für viel Geld aufarbeiten. Seitdem ist sie vor Sonderzügen in ganz Deutschland zu sehen, vor allem aber in der Eifel und im Thüringer Wald.

Beschäftigt sind in Dillenburg derzeit noch ein Fahrdienstleiter, zwei Weichenwärter und ein Rangierer. Das Gelände des einstmals so stolzen Bahnbetriebswerkes gleicht inzwischen einer trostlosen Trümmerlandschaft.

Die Stadt, die es gerne erworben hätte, um hier neues Gewerbe anzusiedeln, hat dieses Vorhaben inzwischen aufgegeben, unter anderem wegen der unrealistischen Preisvorstellungen der Bahn-Bürokratie. Dass die Bahn, die weit mehr als hundert Jahre lang den Wohlstand und die Lebensqualität der Oranierstädter entscheidend nach vorne brachte, eher zum Hindernis für deren wirtschaftliche Zukunft werden würde - das hätte im letzten Jahrhundert niemand zu prophezeien gewagt.

Über 800 Menschen arbeiteten zu den besten Zeiten im Dillenburger Betriebswerk und im Bahnhof. Rechnen wir noch die vielen hundert hinzu, die auf den benachbarten Stationen und in den Zügen als Lokführer und Heizer sowie als Schaffner ihr Geld verdienen, weiß man, welch einen Wirtschaftsfaktor die Eisenbahn noch vor einem halben Jahrhundert in unserer Region bildete.

Die Eisenbahn hat 2012 eine ordentliche Feier in unserer Heimat verdient. Am 6. Mai 2012 - das steht jetzt schon fest - werden Sonderzüge zwischen Betzdorf und Gießen hin und her pendeln. Standesgemäß werden sie von Dampflokomotiven gezogen werden. In Dillenburg, das einmal der bedeutendste Eisenbahner-Standort zwischen Deutz und Gießen war, sind noch weitere Ereignisse zu diesem Anlass zu erwarten.

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Dokument erstellt am 13.01.2012 um 14:43:07 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 13:16:26 Uhr
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