Mit den beiden Herbornern verschwinden auch deren Autos: ein BMW 323i und ein VW Corrado.
Die Dillenburger Kripo richtet für den Fall die elfköpfige "Soko Merlin" ein
Dienstag, 3. März 2009: Harald V. verkauft die beiden Autos an einen Gebrauchtwagenhändler in der Nähe von Limburg.
Die Dillenburger Kripo richtet für den Fall die elfköpfige "Soko Merlin" ein. Sie fahndet nach den beiden Halbbrüdern und nach deren Wagen, gibt über Interpol europaweit Fahndungsfotos heraus.
Dienstag, 16. Juni 2009: Die Kripo erhält einen Hinweis: Der Gebrauchtwagenhändler erkennt die Autos auf Fahndungsfotos und meldet es. Verkäufer des Autos sei Harald V. gewesen.
Mittwoch, 17. Juni 2009: Die "Soko Merlin" schlägt noch in derselben Nacht zwischen 1 und 2.30 Uhr zu. Sie nimmt Harald V. in seinem Haus in Bischoffen fest, Sohn Alexander in Werdorf und noch einen Verdächtigen in Siegen. Der wird kurz darauf wieder auf freien Fuß gesetzt. Am gleichen Tag durchsucht die Polizei im Sinner Gewerbegebiet eine Halle. Dort lagern Utensilien für den Drogenanbau, dort sollen Harald und Alexander V. eine so genannte "Indoor-Plantage" für den Cannabis-Anbau geplant haben.
Im Juni beginnt auch die Leichensuche: Die Polizei durchkämmt anschließend die Gegend um das Neuhaus nach den Leichen. Taucher suchen in Teichen und Seen, Leichenspürhunde werden eingesetzt. Aber Penner und Stenke bleiben verschwunden.
Juli 2009: Kriminaltechniker nehmen die Werkstatt von Harald V. am Neuhaus unter die Lupe - und entdecken eine Blutspur. Eine DNA-Analyse ergibt, dass das Blut von einem der Halbbrüder stammt.
Dienstag, 28. Juli 2009: Die Staatsanwaltschaft erklärt: Harald V. habe in einer richterlichen Vernehmung gestanden, Stenke und Penner erschossen zu haben. Damit besteht für die Ermittler Gewissheit über den Tod der beiden Herborner. V. erklärte: Es habe einen Streit um Drogengeschäfte gegeben, in dessen Verlauf seien die Schüsse gefallen. Die beiden Leichen habe er vollständig verbrannt. Hintergrund: Die V.s sollen Drogen in einer Plantage am Neuhaus angebaut haben und unter anderem Penner beliefert haben. Er, ein Freund von Alexander V., wurde im Januar 2009 wegen Drogenhandels verurteilt.
Die Polizei sucht in der Nähe des Neuhauses, im Donsbach, nach Leichenresten - vergeblich.
Freitag, 7. August 2009: In der Herborner Stadtkirche gibt es eine Trauerfeier für die beiden Halbbrüder: keine Leichen, keine Särge, keine Beerdigung - nur ein Gedenkgottesdienst.
Dienstag, 17. November 2009: 30 Aktenordner mit 1500 Seiten Ermittlungsergebnissen hat die "Soko Merlin" inzwischen zusammengetragen. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Es war kaltblütiger Mord, Täter sind Harald V. und sein Sohn Alexander. Es gebe eine "Fülle von Indizien", dass beide die Tat gemeinsam begangen hätten. Alles andere seien Schutzbehauptungen von Harald V..
Donnerstag, 14. Januar 2010: Vor dem Limburger Landgericht beginnt der "Doppelmord-Prozess". Ein Doppelmord ohne Leichen ist laut Staatsanwalt Frank Späth vermutlich einmalig in Deutschland. Er hat Harald und Alexander V. wegen Mordes angeklagt. Außerdem wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittel-Gesetz und das Waffen-Gesetz.
Im Gerichtssaal wird ein Polizeivideo vorgeführt. Es zeigt, wie Harald V. das Geschehen schildert: als eine Mischung aus Notwehr und Unfall. Stenke und Penner hätten ihn am Neuhaus um 40 000 Euro erpressen wollen. Im Gegenzug hätte Drogendealer Penner ihn, Harald V., nicht als seinen Lieferanten verpfiffen. V. habe ihnen den leeren Tresor zeigen wollen. Darin hätten Waffen gestanden, Stenke habe zugegriffen und ihn bedroht, es sei zu einem Gerangel gekommen, dabei hätte sich die Schüsse gelöst und Stenke sowie Penner getötet. Die Leichen habe er anschließend verbrannt und die Asche auf einer Wiese unterhalb des Neuhauses verstreut, um dort einen "Trauerplatz für die Angehörigen" zu schaffen.
Harald und Alexander V. äußern sich vor Gericht nicht.
Februar 2010: Gericht und Staatsanwaltschaft zweifeln diese Notwehrversion an. Stimmen Details der Version nicht, könnte die ganze Version unglaubwürdig sein. So lässt das Gericht zum Beispiel prüfen, ob Leichen restlos verbrannt werden können. Die Gutachter sagen: nein. Dann müssten aber noch Knochenreste auf dem "Trauerplatz" auffindbar sein - sind sie aber nicht. Die Verteidigung hält eine restlose Verbrennung von Leichen für möglich.
März und April 2010: Die Leichensuche geht weiter, Polizeitaucher durchkämmen mehrere Weiher.
Donnerstag, 23. April 2010: Kripo-Beame berichten vor Gericht von einem Lauschangriff aufs Neuhaus. Dort seien - vor er Festnahme im Juni 2009 - Gespräche zwischen Harald und Alexander v. abgehört worden. Sie unterhalten sich über die Spurenbeseitigung ("Hast Du mit Verdünnung drüber gewischt? ... Das reicht noch nicht, um Deine DNA-Probe zu nehmen.").
Donnerstag, 6. Mai, 2010: Ein anonymer Zeuge, angeblich ein Insider, hat der Dillenburger Kripo berichtet, dass die V.s den heimischen Raum seit Jahren mit Marihuana versorgt haben.Nachdem Harald V. während des Prozesses bislang geschwiegen hat, meldet er sich erstmals zu Wort und hakt bei einem Zeugen nach.
Freitag, 7. Mai 2010: Ortstermin: Das Landgericht verhandelt am Neuhaus bei Uckersdorf, 24 Prozessbeteiligte schauen sich den vermeintlichen Tatort an. Für Harald und Alexander V. ist es eine Rückkehr in Handschellen.
Freitag, 28. Mai 2010: Ein Jugendfreund von Harald V. sagt als Zeuge aus. Und er redet dem Angeklagten ins Gewissen: "Harald, ich würde hier reinen Tisch machen. Es gibt nicht nur ein Gericht hier. Da oben im Himmel ist auch noch eins."
Donnerstag, 17. Juni 2010: Erneuter Ortstermin am Neuhaus: Harald V. zimmert dort Särge - so wie er es am 28. Februar 2009 getan haben will, um Penner und Stenke darin zu verstauen und dann zu verbrennen. Außerdem belastet ein Zeuge Alexander V. schwer. Er berichtet von einer Party im Januar 2010. Dort habe ihm der jüngere Bruder von Alexander V. erzählt: "Die" hätten die Russen "umgebracht". Es ist der Hinweis, dass auch Alexander V. an dem Tod der beiden Herborner beteiligt gewesen war. Anders als bislang von Harald V. dargestellt.
Freitag, 16. Juli 2010: Alexander V. kündigt an, dass er sein Schweigen brechen will.Alexander V. bricht sein Schweigen: "Ich habe niemand erschossen"
Freitag, 20. August 2010: Alexander V. erzählt seine Version und sagt: "Ich habe niemand erschossen." Er räumt die Drogengeschäfte ein und dass er die Leichen verbrannt und die Asche in den Donsbach geschüttet habe. Außerdem habe er geholfen, die Spuren zu beseitigen. Zu seinem Vater will er sich nicht äußern. Das Gericht zweifelt die Version an. Immer wieder heißt es: "Das sollen wir Ihnen glauben?"
Freitag, 1. Oktober 2010: Ein ehemaliger Mithäftling aus dem Gefängnis in Limburg belastet Alexander V. schwer: Der habe im Knast erzählt, dass er den "Lockvogel" gespielt und Penner und Stenke zum Neuhaus gelotst habe; dort seien sie von seinem Vater erschossen worden. Und die Leichen seien in einer Wanne "gelöst" worden. Die Verteidiger halten den Zeugen für komplett unglaubwürdig.
Freitag, 8. Oktober 2010: Weitere Mithäftlinge sagen vor Gericht aus und berichten, der Belastungszeuge erzähle "Stuss".






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