Aus Silber soll bald Gold werden

HELFT UNS HELFEN Beispiel Fatima El Bouazzaoui: Integration im Sportverein geglückt!

Mal nicht im Badeanzug: Fatima (l.) gemeinsam mit ihrer Trainerin Claudia Viertelhausen. (Foto: Jung)

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Für Fatima (m.) ist das Training ein wichtiger Bestandteil im Leben. Dass es ihr dort so gut gefällt, liegt aber auch an netten Frauen wie Fatima (l.) und Gyulimsere (r.), die gemeinsam mit ihr zur DLRG gehen. (Foto: Jung)

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"Ich hätte nie gedacht, dass es mal so kommt, wie es gekommen ist." Fatima El Bouazzaoui ist immer noch überrascht von ihren Leistungen und strahlt vor Freude, wenn sie davon erzählt. Vor kurzem hat sie ihren Rettungsschwimmer in Silber bei der DLRG in Wetzlar absolviert. Ein Abzeichen, von dem sie noch vor eineinhalb Jahren nicht zu träumen gewagt hätte.

"Ich bin früher schon gerne geschwommen, konnte es aber nicht so gut. Eine Freundin hat mir von der DLRG erzählt, kurz darauf habe ich mich angemeldet", erzählt Fatima. Nach den Sommerferien 2014 ging es für die gebürtige Marokkanerin beim Migrantinnenschwimmen los, einem Angebot der Ortsgruppe Wetzlar, die ein anerkannter Stützpunktverein ist, wenn es um "Integration durch Sport" geht. 

Die eineinhalb Jahre, die folgten, sind für Fatima eine Erfolgsgeschichte. Schnell wurde sie besser und stellte sich als ein Talent heraus: "Am Anfang hatte ich noch Angst", erinnert sie sich, dann sei es aber immer gut gelaufen, mit dem Schwimmen genauso wie unter den Migrantinnen. "Es gefällt mir sehr gut hier", sagt Fatima, "hier kann ich vom Alltag abschalten und zwischendurch mal etwas anderes erleben."

Fatima ist Mutter von zwei Kindern, sie hat im Haushalt alle Hände voll zu tun und arbeitet obendrein in einem Ingenieurbüro für Elektronik. Das Schwimmen am Samstagvormittag und ganz ohne Kinder nutzt sie gerne, um den Kopf freizubekommen oder sich mit ihren Vereinskolleginnen auszutauschen. Ab und zu gibt es nach dem Schwimmen ein gemeinsames Frühstück: "Wir sind viele verschiedene Menschen und haben uns viele verschiedene Geschichten zu erzählen", sagt Claudia Viertelhausen. Sie leitet den Kurs und erfreut sich an Menschen wie Fatima, die voller Elan und Freude zum Training kommen: "Fatima wäre die perfekte Trainerin, vielleicht kann ich sie noch dazu überreden", hofft die Kursleiterin. Ob Fatima das Angebot annimmt, weiß die 28-Jährige noch nicht so genau: "Vielleicht erst einmal mit einem anderen Trainer gemeinsam und dann irgendwann allein." Wenn Fatima dieses Vorhaben so eifrig angeht wie ihren Rettungsschwimmer, dürfte dem nichts im Wege stehen.

Mit viel Eifer und Training zur "Retterin in der Not" werden

Für den Rettungsschwimmer in Silber hat sie neben dem Migrantinnenschwimmen extra einen Kurs belegt: "Sie kam also Freitagabend und Samstagmorgen; weil ihr das nicht genug war, ist sie nach dem Training meist noch eine Stunde länger geblieben", weiß Viertelhausen.

Das harte Training hat sich ausgezahlt. An sieben Tagen musste Fatima ihr Können als Rettungsschwimmerin unter Beweis stellen: Kleiderschwimmen, Befreiungsgriffe, Steckentauchen- nur einige Aufgaben des umfangreichen Katalogs, den es zu absolvieren galt. Ein Erste-Hilfe-Kurs und Theorieprüfung obendrauf.

"Das war sehr anstrengend und ich war mehr als aufgeregt, doch dann hab ich mir gesagt, ,ich schaffe das‘ und habe alles gegeben", erinnert sich die Marokkanerin. Mit dem Rettungsschwimmer in Silber will sich Fatima aber nicht zufrieden geben, Gold soll schon möglichst bald folgen. Doch das Abzeichen allein ist nicht alles für sie: "Mir ist es wichtig, Menschen in Not helfen zu können, zum Beispiel wenn ich mal im Urlaub bin und etwas passiert."

Zum Schwimmen für Migrantinnen wird Fatima auch in Zukunft gehen, rund 15 Frauen besuchen derzeit die Anfängergruppe, etwa 25 gehören wie Fatima zu den Fortgeschrittenen. Sie weiß, dass ihr das Angebot bei der eigenen Integration in die Gesellschaft geholfen hat.

Damit dies auch für weitere Menschen, die nach Deutschland kommen, möglich sein wird, plant der Ortsverband einen Schwimmkurs für jugendliche Flüchtlinge, der schon bald starten soll. Viertelhausen weiß: "Dass Integration funktionieren kann, haben wir mit dem Schwimmen für Migrantinnen ja hinreichend belegt."


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