"Wenn die Ruhe kommt, ist alles gut"

Elfriede Köhler erzählt über den Hospizverein Immanuel
Als ihre Schwester schon sehr krank war, hatte Elfriede Köhler nochmal gekocht und zum Essen eingeladen. Der Hospizverei
Als ihre Schwester schon sehr ...

"Ich war zehnmal am Tag da", sagt Elfriede Köhler. Sie kam an ihre Grenzen, an den Rand ihrer Kräfte. Denn auch sie musste die Aggressionen des Schwagers aushalten und sie wollte ihre Schwester schätzen. Das zehrt. "Warum gibt es denn keine Hilfe?", fragte sie.

Ihre Nichte war es, die vom Hospizverein Immanuel wusste, der in solchen Situationen Hilfe anbietet. Koordinatorin Susanne Schneider kam zu einem Erstgespräch. Gerne wollte Elfriede Köhler die Hilfe in Anspruch nehmen, aber auf keinen Fall sollte ihre Schwester erfahren, wer da kam. "Ich wollte selbst nicht wahrhaben, dass meine so sehr geliebte Schwester sterben muss", sagt sie heute. Das sollte nicht sein. Alles in ihr sträubte sich. Sie wollte der Realität nicht ins Auge sehen, nicht akzeptieren, dass Sterben zum Leben gehört. Dank Christa hat sie gelernt, zu bejahen. Die ehrenamtliche Helferin vermochte es, eine innere Tür zu öffnen, die bis dahin in Elfriede verschlossen war. "Ich konnte dem Wort Sterben seinen Raum geben. Und dem Wort Abschied", sagt sie heute. Es dauerte seine Zeit. Dann konnte sie annehmen, was ist. Und dann kehrte Ruhe in ihr ein.

Nach jeder Begegnung bleibt eine tiefe Zufriedenheit

Christa schaffte es, eine Beziehung zu ihrer Schwester aufzubauen. Das war sehr wohltuend für alle. Denn die schwerkranke Frau konnte sich ihr öffnen, konnte alles loswerden, was noch bedrückte. Und womit sie Elfriede nicht auch noch in dieser anstrengenden Situation belasten wollte.

Gleichermaßen wollte Elfriede ihre Schwester schonen. "Christa hat alles aufgefangen. Das ist für mich die Nächstenliebe in Person", sagt die Ortsvorsteherin heute. Und findet es immer noch unglaublich, "dass jemand sowas leisten kann".

Heute ist Elfriede Köhler selbst eine Frau, die diese Hilfestellung gibt. Die wohltuende Sterbebegleitung hat sie tief berührt, so dass sie noch währenddessen die Ausbildung zur ehrenamtlichen Helferin im Hospizverein Immanuel begann. Seit einem Jahr betreut die Lohraerin Menschen in der letzten Phase ihres Lebens. Sie möchte exakt in den letzten Tagen für einen anderen da sein, ihm helfen, das Leben loszulassen. Sie hat keine Angst mehr. Und das spüren alle, zu denen sie kommt. Da ist dann plötzlich die einst in ihr selbst eingekehrte Ruhe, die sich wohltuend auf die Sterbenden und ihre Angehörigen überträgt. "Es ist nicht nötig, dass ich in der allerletzten Minute da bin", sagt Elfriede Köhler. "Wenn die Ruhe da ist, ist alles gut. Dann können Sterbende loslassen." Für sie selbst bleibt eine tiefe Zufriedenheit. Sie trifft in diesen Situationen, in denen Rang und Namen nichts mehr zählen, einen Menschen "im Original", unverfäscht. Es ist immer wieder eine intime Begegnung, nahe am Tod und doch voll von Leben. Das erfüllt.

Den Hospizdienst Immanuel erreichen Sie unter (0174) 8744533.

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Dokument erstellt am 17.10.2011 um 21:14:25 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 12:38:19 Uhr
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