Johanneum will zurück zu G9

SERIE Eindeutiges Votum von Schülern, Lehrern und Eltern in Herborn
Der entscheidende Faktor ist ... | Foto: Christian Röder

Ein vorläufiges Meinungsbild zwischen Schulelternbeirat, Schülervertretung und Lehrerkollegium habe gezeigt, dass sich eine deutliche Mehrheit das Abitur nach neun Jahren wünscht - statt wie derzeit bei G8 nach acht Jahren. Das Hessische Kultusministerium stellt die Schulen im Land vor die Wahl. Sie können entweder bei G8 bleiben, zweigleisig fahren und G8 und G9 parallel anbieten oder zu G9 zurückkehren. "Wir haben uns für letzteres entschieden", sagten Schulleiterin Jutta Waschke und ihre Stellvertreterin Kristine Trommsdorf.

Plädiert für G9: Schulleiterin ... | Foto: Christian Röder

n Berufssuche wird derzeit auf "nach der Schule" verschoben

Allerdings warte im Vorfeld noch ein gutes Stück Arbeit auf das Gymnasium. Noch existierten die rechtlichen Grundlagen nicht, es zeichne sich jedoch ab, dass der derzeitig vom Kultusministerium ausgearbeitete Gesetzesentwurf noch 2012 verabschiedet werde.

"Das vorläufige Votum des Kollegiums, der Schüler und der Eltern ist eindeutig", sagte Waschke und machte die Vorteile von G9 deutlich. "Der entscheidende Faktor ist ‚Zeit'. Mit G9 haben wir deutlich mehr Zeit für andere, freiwillige Nachmittagsangebote, welche derzeit aufgrund der hohen Belastung durch G8 weniger genutzt werden. Zudem bedeutet G9 mehr Unterrichtsstunden."

Kommen die Schüler nach der Wochenstundentafel von G8 auf rund 165 Wochenstunden insgesamt in den Jahrgangsstufen 5 bis 9, sind es nach dem G9-Modell rund 180 - allerdings haben sie dafür auch ein komplettes weiteres Schuljahr, die Jahrgangsstufe 10, Zeit.

"Der Zeitdruck unter G8 ist enorm", bilanzierte Waschke. "In der Sekundarstufe I ist Nachmittagsunterricht derzeit eine große Belastung." Diese ginge zu großen Teilen auf Kosten der freiwilligen Angebote. "Es ist traurig: Viele Schüler möchten gerne freiwillige AG's oder Projektgruppen besuchen, schaffen es aber aufgrund des Zeitdrucks nicht." Auch die örtlichen Vereine, die derzeit ebenfalls unter G8 leiden, könnten nach der Rückkehr zum neunjährigen Abitur wieder mehr Zulauf verbuchen.

Die gewonnene Zeit und die durch G9 hinzukommenden Stundenzahlen sollten zudem nicht dazu genutzt werden, mehr Stoff einzubauen, sondern das Erlernte zu reflektieren und zu wiederholen. Auch solle das Soziale Lernen, also das Erlernen sozialer Fähigkeiten und Kompetenzen, stärker in den Mittelpunkt rücken. "Eines der Argumente für G8 war, dass die Jugendlichen nach der Schule schneller ins Berufsleben einsteigen könnten. Dies hat sich aber aus meiner Sicht als falsch herausgestellt. Viele Schüler machen nach dem Abitur erst einmal ein Freiwilliges Soziales Jahr oder versuchen auf andere Art, ihre eigenen Interessen näher kennen zu lernen", fasste Waschke ihre Erfahrungen zusammen. Die Zeit dafür würde bei G8 fehlen; die komplette berufsorientierende Phase würde auf "nach der Schule" verschoben.

"Wir sind sehr froh, dass der Schulträger uns zugesichert hat, uns bei unserer Entscheidung zu unterstützen. Das ist eine große Entlastung für uns", freute sich die Schulleiterin. Wird der Gesetzesentwurf des Kultusministeriums noch dieses Jahr verabschiedet, könne mit einer Rückkehr zu G9 bereits mit den Schülerinnen und Schülern begonnen werden, die im Schuljahr 2013/14 in die 5. Klasse kommen.

"Man muss deutlich sagen, dass es allerdings nicht das ‚alte G9' sein wird", betonte Waschke. "Es wird ein neues sein, welches auf dem G8-Lehrplan aufbaut." Auch das Doppelmodell G8/G9 haben sich die Herborner genauestens angesehen. Dieses sieht eine Gabelung nach der sechsten Klasse vor: ein Teil der Schülerschaft macht sein Abitur dann nach acht, ein anderer nach neun Jahren. "Dies führt jedoch unweigerlich zu Mehrklassenbildung", betonte Waschke.

Neben der Wetzlarer Freiherr-vom-Stein-Schule und der Wilhelm-von-Oranien-Schule Dillenburg ist das Johanneum die dritte Schule im Lahn-Dill-Kreis, die sich für eine Rückkehr zu G9 ausspricht.

n Lesen Sie morgen (Sonntag) in unserer Serie "Kinder, Kinder!", was Schüler, Lehrer und Eltern von G8 halten.

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Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 23.11.2012 um 11:14:00 Uhr
Letzte Änderung am 23.11.2012 um 17:36:01 Uhr
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