
Unter dem Dach der LAG haben sich in den vergangenen Monaten lokale Selbsthilfeinitiativen für Inklusive Bildung zusammengeschlossen. Sie arbeiten daran, die Vereinbarung der Vereinten Nationen, in der festgelegt ist, dass die Benachteiligung von Behinderten aufhört, in Hessen umzusetzen. Denn Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung dieser Konvention zur Umsetzung verpflichtet. Doch klappt das?
"Wenn man diese Frage flächendeckend beantworten will, dann muss man sagen Nein", sagt Isabel Löchte, Ansprechpartnerin in der LAG für die Region Limburg-Weilburg.
Löchte argumentiert: "Das ist auch politisch nicht gewollt. Denn sonst würden die Verantwortlichen im neuen Schulgesetz nicht immer noch an beiden Systemen (Regel- und Förderschule) festhalten und die Zukunft der Förderschulen als notwendig erachten."
Wo die Inklusion funktioniere, stehe viel persönlicher Einsatz von allen Beteiligten dahinter. "Da wo Inklusion funktioniert, werden Wege gesucht, da wo sie nicht gewollt ist, werden Begründungen gesucht", diesem Zitat von Hubert Hüppe, Bundesbehindertenbeauftragter, kann Isabel Löchte nur zustimmen.
Bei vielen Lehrern ist Inklusion noch nicht angekommen
Nur 13 Prozent aller Kinder mit Förderbedarf besuchen im Kreis Limburg-Weilburg eine Regelschule, sagt Isabel Löchte. Sie sieht einen Grund für diese geringe Zahl in den noch bestehenden Förderschulen: "Ein Kind mit eindeutigem Förderbedarf kann man leichter in ein bestehendes System einschulen als neue Wege zu gehen."
Und selbst wenn man diesen Weg der Inklusion gehen möchte, müsse man ein gewisses Durchsetzungsvermögen haben. So hätten Eltern mit Behörden, Ämtern und Menschen zu tun, die oft nicht ausstrahlten, dass sie ein "persönliches Interesse" daran haben, dass Inklusion funktioniert.
Es sei möglich, dass Eltern ihre Kinder nicht auf eine Regelschule schicken, weil sie Angst haben, ihr Kind gehe dort unter. Oder sie befürchten, dass ihr Kind in der Regelschule nicht willkommen ist. Eltern hätten immer Sorge, dass ihre "besonderen Kinder" isoliert werden. Hier zeige sich, dass es in unserer Gesellschaft keineswegs normal sei, "zu anders" zu sein.
"Schule allgemein scheint oft geprägt vom Leistungsgedanken - weniger von den Entwicklungschancen, die Kindern geboten werden müssen", sagt Löchte. Inklusion sei deshalb nicht nur eine Frage des barrierefreien Umbaus, sondern vor allem eine Frage der Einstellung.
Es gehe auch nicht an, dass sich nur Teile eines Lehrerkollegiums um das Thema Inklusion kümmerten. "Es muss ein gemeinsamer Entschluss aller Lehrer und Eltern sein, eine Schule "inklusiv" zumachen. Löchte: "Nur dann kommt das Thema auch bei den Schülern an." Bislang seien Lehrer ehher Einzelkämpfer in der Klasse gewesen, bei inklusivem Unterricht müssten sie aber zu Teamplayern werden. Dabei sei Inklusion eine Frage des Müssens. So gebe es Eltern, die darauf bestehen, dass ihr Kind in einer Regelschule aufgenommen wird. Die Räumlichkeiten müssen dann den Bedürfnissen des Kindes angepasst werden.
"Im Kreis Limburg-Weilburg rühmt man sich, keinen Elternwunsch nach gemeinsamen Unterricht abzuweisen", sagt Isabel Löchte. Hessenweit seien aber auch dieses Jahr viele Elternwünsche nach inklusiver Beschulung abgewiesen worden, auch mit der Begründung, dass die Voraussetzungen dafür nicht vorhanden seien. Dagegen klagten derzeit viele Eltern. "Hier findet die erste Bewährungsprobe für das neue Schulgesetz statt, inwieweit es die Anforderungen der UN-Konvention in Hessen umsetzt", so Löchte. Inklusion sei kein Thema der Betroffenen, sagt Isabel Löchte aus Sicht einer betroffenen Mutter. "Es geht nicht nur darum, so genannte behinderte Kinder in ein Bildungssystem einzuschließen." Eltern, die Erfahrung damit hätten, dass ihr Kind nicht ins "System Schule" passe, müssten auch für Inklusion kämpfen.
Inklusion: Jedes Kind soll sich frei entfalten können
Denn der Grundgedanke der Inklusion sei, jedem Kind ein Recht auf freie Entfaltung zuzugestehen. Und das beträfe alle, die im bisherigen Bildungssystem benachteiligt seien: Kinder mit Migrationshintergrund, hochbegabte und verhaltensauffällige Kinder.
Löchte: "In einem inklusiven Bildungssystem wird auf jedes Kind geschaut und das Lerntempo individuell angepasst. Es geht nicht darum, ein Klassenlernziel zu erreichen. Wenn man das Bildungssystem als Spiegel der Gesellschaft betrachtet, dann kann Inklusion die Gesellschaft verändern."







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