
"Wer liest den Plan noch einmal vor?", fragt Ulrike Weigert. Der kleine Felix wird von einem Klassenkameraden dran genommen, stellt sich vor den Morgenkreis und liest fehlerfrei, wenn auch ein bisschen undeutlich den Tagesplan vor. Dann setzt er sich zufrieden wieder zu seinen Mitschülern.
Felix ist Integrationsschüler, er hat eine Behinderung. Aber davon ist im Klassengefüge der dritten und vierten Klasse der Peter-Härtling-Schule nichts zu merken. Er wird voll einbezogen, respektiert, wie jeder andere behandelt. Und das ist vollkommen selbstverständlich. "Hier bei uns herrscht absolute Gleichheit. Jeder wird akzeptiert und anerkannt, jeder hat seine Schwächen und Stärken", sagt Ulrike Weigert, Schulleiterin der Peter-Härtling-Schule und selbst Lehrerin. Das Einbeziehen von Integrationskindern ist ein wichtiger Teil der Schulphilosophie. Weigert: "Wir nehmen jedes Jahr ungefähr zwei Drittel Regel- und ein Drittel Integrationskinder auf." Dass jedes Kind andere Voraussetzungen mitbringt und unterschiedlich schnellt lernt, darauf geht das Grundkonzept der Schule ein. Nach dem Leitsatz "Hilf mir, es selbst zu tun" von Maria Montessori bemüht sich die Peter-Härtling-Schule deshalb um eine Förderung, die auf jeden Schüler genau zugeschnitten ist. "Der Fokus liegt auf dem Kind", erklärt Weigert. "Um diese individuelle Erziehung möglich zu machen, haben wir das typische Klassensystem aufgelöst. Wir arbeiten natürlich mit dem hessischen Bildungsplan, unterrichten die Kinder aber nicht mehr alle zusammen, sondern einzeln. Teilweise bekommen Schüler, die es benötigen, Eins-zu-eins-Unterricht."
"Wir setzen den Kindern einen Rahmen, geben ihnen eine Struktur, damit sie sich für den Tag orientieren können. Dann geben sie das Arbeitstempo vor. Das erhöht die Selbstständigkeit", erklärt Weigert. So planen die Kinder zu Anfang jeder Stunde ihr Arbeitspensum selber und setzen sich Ziele und Grenzen.
Ein weiterer Teil des Schulkonzepts richtet sich nach dem Jena-Plan von Peter Petersen. Statt fester Klassen werden jahrgangsübergreifende Stammgruppen eingerichtet. Das Ziel: Die Kinder können voneinander und miteinander lernen. Jüngere Schüler profitieren von dem Wissen der Älteren, und die Älteren finden in der Unterstützung der Jüngeren eine Möglichkeit zur Wiederholung. Weigert dazu: "So erlangen gerade die fortgeschrittenen Schüler mehr Selbstbewusstsein."
In der Peter-Härtling-Schule gibt es eine Stammgruppe mit Erst- und Zweitklässlern und zwei Gruppen mit Dritt- und Viertklässlern. Die Zusammenlegung der Klassen und der individuelle Unterricht werden aber erst durch die kleine Klassenstärke möglich gemacht. Gerade einmal acht Schüler gibt es in der Gruppe, die Frau Weigert als Lehrerin betreut. Allerdings hat der Luxus der kleinen Lerngruppe auch seinen Preis. Eltern müssen pro Kind im Monat 270 Euro bezahlen.
Schüler sind selbstständig, hilfsbereit, aktiv und integriert
Die persönliche Betreuung jedes Kindes setzt sich auch in der Benotung durch. Es gibt keine klassischen "Schulnoten", sondern eine ausführliche Beurteilung des Lernfortschritts. "Wir wollen unsere Schüler nicht auf eine Zahl reduzieren, und auch für die Eltern ist der Entwicklungsbericht plastischer und leichter nachzuvollziehen", erklärt Weigert. "Im Blick auf die weiterführende Schule setzen wir die 'Schulnoten' erst in der vierten Klasse ein. Das macht dann den Übergang leichter." Das Konzept der integrativen Grundschule geht auf: Die Schüler sind merkbar selbstständig, helfen einander, sind aktiv im Miteinander und integriert. Sie sind fester Bestandteil ihres Gruppengefüges und bekommen das Gefühl vermittelt, etwas beitragen zu können. Das zeigt sich auch im Mini-MINT-Projekt, an dem die Peter-Härtling-Schule teilnimmt. MINT, das steht für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Schulfächer, in denen gerade Mädchen gefördert werden sollen. Die Grundschule engagiert sich sehr für das Mini-MINT-Projekt und versucht, die Kinder mit anschaulichem Unterricht und vielen Beispielen und Experimenten für den "Sachunterricht" zu begeistern. Das Ganze wird an Projekttagen jeweils freitags umgesetzt.
"Die Kinder können hier bauen, experimentieren und Ausflüge machen. So entdecken sie mit ihrer Neugier den Alltag", erklärt Weigert. Es werde vor allem darauf geachtet, dass die Kinder sich selbst einbringen und neue Ideen oder Gegenstände von Zuhause mitbringen. Am Ende jedes Projekttages gibt es eine kleine Präsentation.
Weigert: "Das erhöht sowohl die soziale als auch die sprachliche Kompetenz."
Die Projekttage gehen wie ein normaler Schultag von acht bis 13 Uhr. Nach dem Unterricht besteht dann die Möglichkeit für die Kinder, auch den Nachmittag in der Schule zu verbringen.
Das Angebot der Ganztagsschule umfasst das gemeinsame Mittagessen, eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung und Arbeitsgemeinschaften, in denen Fußball gespielt, getanzt oder Theater gemacht werden kann. Auch die schuleigene Bibliothek steht den Kindern zur Verfügung.
Die Peter-Härtling-Schule beweist, dass Unterricht auch anders geht. Erst zum Schuljahr 2009/2010 eröffnet, ist das Modell der integrativen Grundschule zwar noch relativ neu, aber schon jetzt zeigen die Kinder Zusammenhalt, Akzeptanz und Respekt in ihren Gruppen.
Der Träger der Privatschule ist die Lebenshilfe Wetzlar-Weilburg e.V. Mehr Informationen und ein Formular zur Anmeldung gibt es im Internet auf der Website der Lebenshilfe unter www.lhww.de .
Lions-Adventskalender hilft
Das Mini-MINT-Projekt der Peter-Härtling-Schule wird durch den Adventskalender der Damen des Lions Clubs „Charlotte Buff“ unterstützt. Der Kalender (Foto) kann in diesem Jahr zweifach Gutes tun. Mit dem Kauf helfen Sie zum einen der Peter-Härtling-Schule und gleichzeitig erwerben Sie auch ein Lotterielos, für das es im Dezember viele Preise zu gewinnen gibt. Der Adventskalender wird noch bis einschließlich 30. November verkauft und kostet 5 Euro. Weitere Informationen gibt es unter: www.lc-wetzlar-charlotte-buff.de







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