
Egon Schönewolf: Ja, natürlich, im Algonquin Nationalpark in der Provinz Ontario. Ich war 50 Meter von dem Bär entfernt. In dem Park kann man auch übernachten. Da kann es sein, dass so ein Bär nachts am Zelt vorbeigeht.

?Was für Sie der Grund, nach Kanada zu ziehen?
Schönewolf: Als ich 26 war, wollte ich Abenteuer, raus, mal die Welt sehen. Eigentlich nur für ein Jahr. Zuerst wollte ich nach Australien. Aber ich hatte einen Kollegen aus Kanada, der mir viel erzählt hat. Dann bin ich eben nach Kanada.
?Wann haben Sie sich endgültig entschieden, in Kanada zu bleiben?
Schönewolf: Schon zwei Jahre, nachdem ich angekommen bin. Mir hat es in Kanada gut gefallen. Ich habe erst als Bäcker gearbeitet, dann als Vertreter für eine deutsche Firma. Und so habe ich mir als Bezirksleiter etwas aufgebaut.
?Wie einfach war es, auszuwandern?
Schönewolf: Ich habe ziemlich schnell Fuß gefasst. Am Anfang wäre ich zwar am liebsten gleich wieder zurück nach Deutschland, weil ich kein Englisch konnte, aber dann habe ich andere Deutsche getroffen und Kontakt zu den Kanadiern geknüpft.
?Und wie haben Sie Ihre Frau Mary kennengelernt?
Schönewolf: Das war 1976. Sie hat als Einkäuferin in einem Geschäft gearbeitet, ich war Vertreter. Ich habe dort gute Geschäfte gemacht (lacht). Wir haben ein bisschen geflirtet.
Mary Schönewolf: Ich habe zwei Stunden entfernt in London, Ontario, gewohnt. Er war alle zwei Wochen da - geschäftlich. Aber dann hat er angefangen, wochenends zu kommen.
Egon Schönewolf: Es hat lange gedauert, bis wir zusammengezogen sind. 1979 haben wir zusammen ein Haus gekauft und dann 1981 geheiratet.
?Stand mal die Frage im Raum, ob Sie das Leben in Kanada aufgeben und gemeinsam nach Deutschland kommen?
Egon Schönewolf: Einmal. Ich wollte mit einem Freund in Bayern ein Restaurant mit Pension aufmachen. Aber das hat sich zerschlagen.
?Hat Sie jemals das Heimweh nach Niedershausen geplagt?
Egon Schönewolf: Heimweh in dem Sinne, dass ich sage "Ich will wieder zurück nach Deutschland" nicht. Es ist aber immer noch meine Heimat und ich besuche Niedershausen gerne.
?Was gefällt Ihnen am Leben in Kanada am besten?
Egon Schönewolf: Es ist die Weite und Schönheit des Landes. Und dass es mehr Freiheit und Möglichkeiten gibt, eine Existenz aufzubauen. Auch die Bevölkerung ist sehr freundlich und ich glaube, dass die Bürokratie nicht so streng ist.
?Wann haben Sie Ihre Firma gegründet?
Egon Schönewolf: Das war Anfang der 80er Jahre. "Christmas Tradition" - einen Großhandel für Weihnachtsschmuck. Ich bin dann mal nach Frankfurt auf die Messe gegangen, um zu sehen, ob ich deutsche Waren nach Kanada einführen kann. Dort habe ich wunderschönen Christbaumschmuck gesehen, hauptsächlich deutsche Weihnachtskugeln und alte Glasfiguren aus Thüringen.
?Mögen die Kanadier überhaupt Weihnachtsschmuck? Wie sieht der Weihnachtsbaum in Kanada traditionell aus?
Mary Schönewolf: Selbstverständlich. Hier in Deutschland sind die Bäume viel schlichter. Bei uns in Kanada werden die Bäume viel, viel mehr geschmückt. Der Baum ist voll mit Kugeln, Schleifen und vielen anderen Sachen. Baumkerzen werden manchmal angebracht, aber wegen Brandgefahr nicht angezündet.
?Haben die Menschen Ihnen dann die Weihnachtsware quasi aus den Händen gerissen?
Egon Schönewolf: Es hat etwas gedauert, bis wir Fuß gefasst haben. Wir hatten auch Konkurrenz. Und später sind wir auch nach China, Hongkong, Taiwan und auf die Philippinen und haben dort eingekauft. Wir waren dann einer der führenden Weihnachtsschmuck-Großhändler in Kanada.
?Wie lange haben Sie Weihnachtskugeln und Co. vertrieben?
Egon Schönewolf: 25 Jahre.
Mary Schönewolf: Ich bin noch in der Firma. Der neue Besitzer hat gefragt, ob wir bleiben wollen. Den Einkauf und die Entwicklung machen wir noch für die Firma und wir fliegen deshalb zwei Mal im Jahr nach Asien.
?Durch Ihre Arbeit sind Sie viel herumgekommen. Welcher Ort wäre denn noch ein schöner Ort zum Leben?
Egon Schönewolf: Der einzige Ort, an dem ich leben möchte, wäre Bora Bora in der Südsee. Und wir fahren im Winter gern nach Aruba in die Karibik.
?Sie leben in Caledon in der Nähe von Toronto. Was ist das Schöne an der Gegend?
Egon Schönewolf: Es ist sehr bergig. Wenn wir aus dem Fenster schauen, sieht es fast aus, wie hier in Niedershausen (lacht). Wir haben viele Seen in der Nähe. In etwa 50 Kilometer Entfernung fangen die Großen Seen an. Das ist einer der schönsten Plätze. Viele denken bei Kanada zuerst an British Columbia und die Rocky Mountains. Aber bei uns ist es auch sehr schön.
?Haben Sie in Kanada Kontakt zu anderen Deutschen?
Egon Schönewolf: Ja, wir haben viele Freunde, die auch ausgewandert sind.
?Was machen Sie gern, wenn Sie nach Deutschland kommen?
Egon Schönewolf: Ich besuche meine Schulfreundin Erika Knapp und ihre Familie und auch meinen Cousin und meine Cousine und deren Familie. Wir machen auch gern Tagestouren und gehen in Deutschland gern essen.
?Essen? Was essen Sie denn gern, was es in Kanada nicht gibt?
Egon Schönewolf: Mettbrötchen und gutes deutsches Bier.
Mary Schönewolf: Wir haben deutsche und polnische Metzger - wir vermissen nichts. Da sind so viele Europäer in Kanada. In den USA ist das anders. Meine Schwester wohnt in Denver, sie schreibt mir immer E-Mails, was ich ihr mitbringen soll.
?Frau Schönewolf, was gefällt Ihnen in Deutschland?
Mary Schönewolf: Die Landschaft und das Einkaufen.
?Frau Schönewolf, Sie sprechen sehr gut Deutsch. Wie unterhalten Sie sich zu Hause in Kanada mit Ihrem Mann - auf Deutsch oder Englisch?
Mary Schönewolf: In Englisch. Nur wenn ich auf meinen Mann sauer bin, spreche ich Deutsch. (lacht)







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